Kaum ein Diesel auf der Straße ist auf dem aktuellen Stand der Technik

BBE veröffentlicht Abgasatlas Deutschland

| Autor: Jakob Schreiner

Auch wenn bislang nur sehr wenige Diesel die Euro-6d-Normen erfüllen, ist der gesamte Fahrzeugbestand sauberer geworden.
Auch wenn bislang nur sehr wenige Diesel die Euro-6d-Normen erfüllen, ist der gesamte Fahrzeugbestand sauberer geworden. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Knapp 31 Prozent der Diesel auf Deutschlands Straßen erfüllen eine Euro-6-Norm – allerdings nur 1,6 Prozent Euro-6d-Temp. Das geht aus der Bestandsanalyse „Abgasatlas Deutschland“ der BBE Automotive hervor, die den Status Quo im deutschen Pkw-Markt abbilden möchte. Dazu analysierte die Beratungsgesellschaft die kürzlich vorgelegten Bestandszahlen des Kraftfahrbundesamtes vom 1.1.2019 und zeigt die Struktur und die Veränderungen zum Vorjahr auf.

Verantwortlich für den geringen Teil an Euro-6d-Temp-Fahrzeugen sei die Tatsache, dass die Hersteller im vergangenen Jahr vor der Einführung des neuen Abgasstandards WLTP viele Euro-6-Fahrzeuge mit schlechteren Normen verkauft haben, hieß es vom Studienverantwortlichen, dem BBE-Geschäftsführer Gerd Heinemann auf Nachfrage von »kfz-betrieb«. Die Situation könne deshalb als Sondereffekt gewertet werden. „Dieses Jahr wird sich das Bild dramatisch verändern, da vorwiegend Modelle mit der aktuellsten Norm zugelassen werden“, kommentiert Heinemann das Ergebnis.

Ein Euro-6-Norm, also auch die Ausprägungen a, b oder c, erfüllen laut der Studie mittlerweile deutlich mehr Diesel-Pkw als noch vor einem Jahr. Zum 1. Januar 2019 waren es 31 Prozent. Ein Jahr zuvor war es nur jeder vierte Selbstzünder gewesen. Etwa 972.000 Diesel mit Euro-5-Norm und niedriger sind 2018 aus dem Bestand verschwunden. Stark zurückgegangen ist vor allem Anteil an Euro-4-Fahrzeugen, deren Bestand um 12 Prozent bzw. 384.254 Einheiten gesunken ist.

Dabei zeigen sich im Regionenvergleich deutliche Unterschiede. Beispiel Stadt Stuttgart: der Anteil der Euro-5-Diesel liegt bei 27 Prozent (Durchschnitt: 36 %), die der Euro-6 hingegen bei 50 Prozent (Durchschnitt: 31 %). Für die BBE ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich der Austausch in den sogenannten Intensivstädten, in denen Fahrverbote drohen oder bereits verhängt wurden, deutlich schneller vollzieht als auf dem Land. Insgesamt habe der Diesel in Städten an Boden verloren. Mit etwa 9 Prozent Bestandsverlust liegen der Main-Taunus-Kreis und Stuttgart vorn im Ranking, es folgen Städte wie Köln, München und Bochum, in denen der Dieselbestand um 6 bis 8 Prozent zurückgegangen ist.

Anders sieht es außerhalb der Zentren aus: In vielen ländlichen Gebieten und in Regionen mit vergleichsweise schwacher Kaufkraft sei der Bestand an Diesel-PKW stabil geblieben, teilweise sei er sogar gewachsen. Gerd Heinemann kommentiert den Befund so: „Der natürliche Austausch im Bestand ist in den großen Städten voll im Gange, zusätzliche Maßnahmen wie z.B. Nachrüstungen oder kommunale Maßnahmen zur Luftverbesserung können dabei als zusätzlicher Katalysator wirken.“

Dieselprämien sorgen für Sondereffekt

Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) äußert sich in einer Pressemitteilung vom Dienstag zu den Bestandszahlen. Dabei ging er besonders auf die seit Sommer 2017 angebotenen Diesel-Umstiegsprämien der Hersteller ein. Diese hätten dazu geführt, dass 500.000 ältere Diesel zusätzlich von der Straße verschwunden seien. Der erwartete Rückgang von Euro-5-Fahrzeugen betrug rund 1,45 Millionen Einheiten – aufgrund der Herstellerprämien seien es aber um die 1,96 Millionen Fahrzeuge geworden. Der VDIK bewertete die Aktionen der Industrie deshalb als Erfolg.

Der VDIK rechnet außerdem damit, dass zur Jahresmitte rund 600.000 Fahrzeuge mit Euro-6d oder 6d-Temp auf den Straßen unterwegs sein dürften (Stand 1.1.2019: 245.378). Auch für die BBE seien laut Mitteilung „fast eine Millionen weniger schadstoffreiche Diesel ein erster Erfolg.“ Die Studienautoren verweisen aber auch darauf, dass etwa 5,4 Millionen Fahrzeuge – 35,8 Prozent des Dieselbestands – aus der Euro-5-Klasse weiterhin potenziell von Fahrverboten bedroht seien.

Fahrzeugbestand wird insgesamt sauberer

Alles in allem ist laut der BBE-Analyse der PKW-Bestand (Benzin und Diesel) im Vergleich zum Vorjahr sauberer geworden. Nach der Einstufung nach Euroklassen ist die Zahl der Euro-6-Fahrzeuge insgesamt um rund 3,1 Millionen gewachsen, während rund 2,5 Millionen Autos mit Euro-5-Norm oder schlechter aus dem Bestand verschwunden sind.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45982755 / Gebrauchtwagen)

Plus-Fachartikel

Volvo: „Wir setzen unser Wachstum fort“

Volvo: „Wir setzen unser Wachstum fort“

Volvo elektrifiziert konsequent sein Modellportfolio. Der Wermutstropfen für die Händler ist: Bei den Stromern und Plug-in-Hybriden sinkt die Grundmarge. Geschäftsführer Thomas Bauch schildert, wie er das wettmachen will, und warum sich der Importeur strukturell neu aufstellt. lesen

Unternehmensfinanzierung: Auf sichere Beine stellen

Unternehmensfinanzierung: Auf sichere Beine stellen

Jeder Betrieb braucht eine sinnvoll geregelte Finanzierung, um das tägliche Geschäft betreiben zu können. Dabei sollte man nach Ansicht des Unternehmensberaters Carl-Dietrich Sander einige wichtige Grundsätze beachten. lesen