Keyless-Go-Systeme bleiben katastrophal unsicher

Test des ÖAMTC offenbart große Sicherheitslücken

| Autor: Andreas Grimm

Sofort geöffnet. Ein Keyless-Go-System ist komfortabel, aber derzeit auch leicht zu überlisten.
Sofort geöffnet. Ein Keyless-Go-System ist komfortabel, aber derzeit auch leicht zu überlisten. (Bild: ÖAMTC)

Mit elektronischen Zugangssystemen zu Autos, der Keyless-Go-Technik, wollen die Hersteller den Autofahrern einen möglichst einfachen Einstieg ins Auto ermöglichen. Soweit, so löblich. Jedoch vergessen die Autobauer noch immer, gleichzeitig Autodieben den Missbrauch des Systems so schwer wie möglich zu machen. Die meisten Systeme lassen sich für finstere Gestalten ohne große Mühe austricksen, wie ein Test des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Clubs (ÖAMTC) zeigt. Fast schlimmer noch als der Befund selbst ist die Tatsache, dass sich seit einem ähnlichen Test vor drei Jahren quasi nichts getan hat.

„Mittlerweile wurden 273 Autos mit Keyless-Go getestet und nur vier Modelle ließen sich nicht knacken“, berichtet ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Die sicheren Modelle waren von Jaguar und Land Rover. Sein Fazit ist wenig ermutigend: „Die meisten Hersteller wollen oder können diese Sicherheitslücke scheinbar nicht schließen.“ Der Mobilitätsclub fordert von den Herstellern, die Fahrzeugelektronik systematisch nach dem Vorbild verschiedener IT-Bereiche abzusichern. (Welche Modelle getestet wurden, lesen Sie in diesem PDF).

Autoklau durch Signalweiterleitung: Wie sich Keyless-Go-Systeme knacken lassen (zum Vergrößern bitte klicken).
Autoklau durch Signalweiterleitung: Wie sich Keyless-Go-Systeme knacken lassen (zum Vergrößern bitte klicken). (Bild: ÖAMTC)

Ein Handeln wäre dringend notwendig. Denn um die Keyless-Go-Technik zu überlisten, ist laut dem Autofahrerclub kaum Fachkenntnis vonnöten. Als Hilfsmittel genügt ein frei und legal erhältlicher Reichweiten-Verlängerer. Wenn Diebe das Signal abgreifen wollen, können sie das quasi unbeobachtet tun. Im Test hatte der Signalklau sogar durch Türen und Mauerwerk funktioniert.

Das Prinzip ist einfach: Die Diebe nehmen das Signal auf, während der Autobesitzer den Schlüssel ganz normal bei sich trägt: etwa im Büro, auf der Straße oder im Café. Bis zu 100 Meter entfernt kann dann das Auto gestartet werden, ohne dass der Besitzer etwas merkt. Und läuft der Motor erst einmal, kann man das Auto soweit fahren, bis der Tank leer ist – oder das Auto unbeabsichtigt ausgeht.

Mehrheit lehnt Keyless-Go-Systeme ab

Angesichts der fortgesetzten Probleme fordert der ÖAMTC, dass Autokäufer die Möglichkeit haben sollten, die Keyless-Go-Funktion auf Wunsch zu deaktivieren. Für bereits verkaufte Fahrzeuge sollten die Hersteller Nachbesserungen anbieten. Daneben kann sich jeder Autofahrer gegen den Signal- und Autoklau durch spezielle Hüllen schützen, die Funkwellen blockieren. Damit wiederum geht aber der Nutzen verloren, den Schlüssel nur in der Hosentasche haben zu müssen, ohne ihn zu benutzen, um ins Auto zu kommen. Sprich die Technik wäre vollkommen unnötig.

Die Mehrheit der Autofahrer ist offenbar sowieso dieser Meinung. Zumindest ergab eine nicht repräsentative Befragung des ÖAMTC, dass nur ein Drittel der Autofahrer ein Keyless-Go-System befürwortet, „weil es viel bequemer ist“. Ein Viertel lehnt es wegen seiner Unsicherheit ab, weitere 39 Prozent brauchen es nicht, ihnen sind „beim Autokauf andere Sachen wichtig“.

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