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»kfz-betrieb« Auto-Check: Audi A4 Avant 3.0 TDI

| Autor: Jan Rosenow

Ist das noch Mittelklasse? Audi packt in den neuen A4 alles, was gut und teuer ist. Das Ergebnis ist fetter Fahrspaß, aber auch eine dicke Zahl unten rechts.

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Mit 600 Newtonmetern stürmt der Audi A4 jede Festung.
Mit 600 Newtonmetern stürmt der Audi A4 jede Festung.
(Bild: Rosenow)

Fangen wir mit dem Nachteil an: Als Avant Quattro mit dem stärksten Sechszylinder-Diesel und jeder Menge Design- und Techniklametta ist der Audi A4 ein schmerzhaft teures Auto. Bei 52.400 Euro Grund- und rund 80.000 Euro Testwagenpreis müssen nicht sehr viele Menschen über die Anschaffung dieses „Mittelklassewagens“ nachdenken. Leider, denn sie verpassen etwas.

Nämlich den unglaublichen Schub von 600 Newtonmetern. Wenn sich diese mächtige Welle über alle vier Räder auf den Asphalt ergießt, dann scheint die Schwerkraft plötzlich ihre Richtung zu wechseln. Ohne jedes Motorgetöse, ohne quietschende Reifen oder hart einrastende Gänge bricht der Kombi auf in ein anderes Raum-Zeit-Kontinuum. Selbst leistungsstarke Motorräder müssen sich da anstrengen, dranzubleiben. Kurze Zwischensprints auf der Autobahn können schnell zur Sucht werden, hohe Geschwindigkeiten zur Gewohnheit: Die perfekte Geräuschdämmung und das sichere Fahrverhalten führen dazu, dass sich 220 km/h so anfühlen wie 160 in einem normalen Auto.

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Die anderen Verkehrsteilnehmer können das freilich nicht wissen. Und so ist es gut, dass der Audi nicht nur mit einem starken Motor, sondern auch mit vorausschauenden Sicherheitssystemen ausgestattet ist. Im Head-up-Display werden Warnhinweise eingeblendet, wenn es knapp zu werden droht – und der Notbremsassistent kann in seiner höchsten Ausbaustufe auch eine Vollbremsung einleiten. Der Stauassistent bremst bis zum Stillstand ab; fährt allerdings nur auf Fahrerbefehl hin wieder an.

Erstaunlich kurvengierig für einen Allradkombi

Der 4,73 Meter lange Ingolstädter ist aber nicht nur auf der Autobahn zu Hause. Laut Werksangaben bis zu 120 Kilogramm leichter als der Vorgänger, fühlt er sich in Fahrt tatsächlich leichter an, als die 1.695 Kilogramm Leergewicht (ohne Fahrer) vermuten lassen. Erstaunlich neutral lässt er sich auf engen Kurvenstraßen wie im Spessart um die Ecken werfen; das früher für einen Audi typische Untersteuern haben ihm die Ingenieure abgewöhnt. Der geräumige Kombi ist ein echtes Fahrspaßauto.

Aber er ist auch ein bequemer Reisewagen. Das Achtgang-Automatikgetriebe von ZF lässt den Motor bei Drehzahlen knapp über der 1.000er-Marke schnurren und koppelt ihn in Schubphasen sogar per Freilauf ab. Auch ist der Neue so geräumig wie kein A4 zuvor und bietet Passagieren und Gepäck ausreichend Platz (Kofferraumvolumen 505 Liter).

Der Expresszuschlag hält sich im Rahmen

Für den motorischen Luxus zahlt der Fahrer natürlich mit einem erhöhten Verbrauch. Doch der Expresszuschlag bleibt im Rahmen: Während der »kfz-betrieb«-Testfahrten pendelte der Konsum um die acht Liter Diesel auf 100 Kilometern – mehr als es sein müsste, aber weniger, als man bei einem 272 PS starken Allradkombi erwarten könnte.

Nicht erwarten konnte man allerdings das manchmal auftretende Klappergeräusch aus dem hinteren Teil des Dachhimmels, das die kathedralenartige Ruhe innerhalb des massiven Karosseriekörpers störte. Fast hätte der Fahrer an seinen eigenen Sinnen gezweifelt: Schließlich ist es ein Audi! Aber auch die klappern eben manchmal.

Der Testwagen war mit dem sogenannten Virtual Cockpit ausgestattet – einem 12,3-Zoll-TFT-Display, das die herkömmlichen Instrumente ersetzt. Die Anzeige ist allerdings mit so vielen Informationen überfrachtet, dass sie schon unübersichtlich wird. Der optional anwählbare Infotainment-Modus macht es noch schlimmer. Hier wäre eine dritte Ansicht wünschenswert, die sich auf das Wesentliche für die jeweilige Fahraufgabe konzentriert.

Aber vielleicht wäre das auch langweilig. Konzentrierte man sich auf das Wesentliche, würde dem Audi der Basisdiesel mit 90 kW/122 PS vollkommen ausreichen. Aber dann käme man nie in den Genuss von 600 Newtonmetern.

(ID:44207369)

Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group