Suchen

»kfz-betrieb« Auto-Check: Audi Q2 – Der Unbekannte

Autor: Wolfgang Michel

Das kleinste SUV aus Ingolstadt ist selbst für viele autoaffine Menschen noch ein großer Unbekannter. Dabei hätte der kompakte Wagen deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Firma zum Thema

Unter dem Motto „Auf zu neuen Abenteuern“ führte Audi den Q2 vor rund einem Jahr im Handel ein.
Unter dem Motto „Auf zu neuen Abenteuern“ führte Audi den Q2 vor rund einem Jahr im Handel ein.
(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Gut ein Jahr ist der Q2 jetzt Mitglied der Audi-Familie. Dennoch ist das kleinste SUV aus Ingolstadt einem breiten Publikum kaum bekannt. Zumindest wurde uns das bei den 14-tägigen Testfahrten immer wieder aufs Neue bestätigt. Der knallrote Testwagen mit silberfarben lackierten C-Säulen und S-Line-Exterieur-Paket sowie Aluminium-Gussrädern in Titanoptik zog viele neugierige Blicke auf sich.

Fahrer und Passanten waren immer wieder im Gespräch. Nicht wenige gönnten sich einen Blick in den schicken schwarz-roten Innenraum. Verständlich – schließlich fällt der Q2 nicht nur äußerlich positiv auf, er punktet auch innen durch pfiffige Details und ansprechendes Ambiente.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 34 Bildern

Beim Blick in die Neuzulassungsstatistik reibt man sich hingegen verwundert die Augen. Dort ist das Auto deutlich sichtbarer als auf den Straßen. Mit 17.356 Neuzulassungen (Januar bis September) versteckt sich der Q2 keinesfalls. Derzeit liegt er rund 400 Einheiten vor dem Q3 und lediglich 1.200 Einheiten hinter dem Q5.

Gelingt es Hersteller und Händlern, den Q2 im nächsten Jahr weiter auf diesem Niveau zu vermarkten, dann fährt das Auto zwangsläufig noch mehr Menschen vor die Augen.

Spritverbrauch passt

Verdient hätte er es allemal. Denn das Auto mit seinen Ecken und Kanten ist auch beim Fahren alles andere als langweilig. Auf dem Fahrersitz fühlt man sich von Anfang an wohl. Und der im Testwagen verbaute Antriebsstrang bestehend aus 1.4-TFSI- Motor (110 kW/150 PS) mit der Zylinderabschaltung COD (cylinder on demand) inklusive Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen überzeugte ebenfalls.

Das COD-System deaktiviert den zweiten und dritten Zylinder bei Lasten bis 100 Newtonmeter und im Schubbetrieb, wenn die Drehzahl zwischen 1.400 und 3.200 Umdrehungen pro Minute liegt. Gäbe es nicht die Anzeige „2-Zylinder-Modus“ im Cockpit, würde man von der Zylinderabschaltung rein gar nichts mitbekommen.

Standard bei allen Q2-Varianten ist die Progressivlenkung, bei der die Zahnstange so verzahnt ist, dass die Übersetzung abhängig vom Lenkeinschlag variiert. Bei großen Lenkbewegungen wird die Lenkung direkter und ermöglicht eine dynamischere Fahrt. Das optionale Fahrdynamiksystem Drive Select lässt dem Fahrer die Wahl zwischen den fünf Modi Auto, Comfort, Dynamic, Efficiency und Individual. Es beeinflusst unter anderem Lenkung und Schaltcharakteristik sowie das ebenfalls optionale Fahrwerk mit adaptiver Dämpferregelung.

Für die oben genannte Motor-Getriebe-Variante gibt der Hersteller einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 5,2 Litern an. Mit 5,5 Litern waren wir bei unseren Ausfahrten nahe dran an diesem Wert.

Digital komfortabel

Wirklich beeindruckt – weil in dieser Fahrzeugklasse lange noch nicht automobiler Alltag – hat das sogenannte „Virtual Cockpit“. Der 12,3-Zoll-Bildschirm zeigt beispielsweise die Navigationskarte gestochen scharf an. Zur Wahl stehen zwei Anzeigemodi: In einem stehen Drehzahlmesser und Tacho im Mittelpunkt, im anderen die Infotainment- oder Navigationsdaten. Die jeweilige Ansicht lässt sich über das Multifunktionslenkrad steuern.

Zudem ermöglicht der an Bord vorhandene Audi-Connect-Service die Navigation mittels Google Earth und Google Street View. Ebenso lassen sich Reise-, Verkehrs- und Parkplatzinformationen abrufen. Wer möchte, kann über das System wie Donald Trump twittern oder wie Angelika Merkel E-Mails abrufen. Und bei so viel digitalem Komfort darf auch die digitale Musik aus 14 Lautsprechern inklusive Bang-&-Olufsen-Sound-System nicht fehlen.

Fazit: Mit dem Q2 hat Audi ein Auto kreiert, das sich wohlwollend aus der Masse abhebt. Wie viele andere Neuwagen erstrahlt auch der Q2 mit jeder zusätzlichen Ausstattung mehr. Diesbezüglich bietet Audi für seinen kleinsten SUV eine Ausstattungsliste auf Oberklassenniveau an. Es muss ja nicht unbedingt ein Q2 für über 50.000 Euro sein – aber warum eigentlich nicht?

(ID:44950659)

Über den Autor

 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«