»kfz-betrieb« Auto-Check: Kia Niro Spirit

Autor: Jan Rosenow

Ein modisches Kompakt-SUV, das statt des geächteten Dieselmotors einen sauberen Hybrid hat – das könnte ein Renner werden. Eine Begegnung mit dem Kia Niro.

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Neuer Crossover im typischen Kia-Look: der Niro.
Neuer Crossover im typischen Kia-Look: der Niro.
(Bild: Rosenow / »kfz-betrieb«)

Der Vollhybrid ist etwas aus dem Blickfeld geraten, weil alle nur noch von Elektrofahrzeugen reden. Doch das Konzept ist als Erstfahrzeug für Normalverdiener immer noch stichhaltig, weil es volle Alltagstauglichkeit bei niedrigem Verbrauch bietet und nicht zu teuer ist. Wenn dann noch das richtige Fahrzeugkonzept hinzukommt – beispielsweise eines aus dem boomenden Segment der kompakten SUVs – dann sollte das ein todsicheres Rezept für einen Bestseller sein, oder?

Ob sich der neue Kia Niro, der all die oben genannten Zutaten mitbringt, zu einem solchen entwickeln wird, bleibt noch abzuwarten. Aber er zeigt, dass der koreanische Konzern mittlerweile imstande ist, in wenigen Jahren Entwicklungszeit einen richtig gut durchkonstruierten Vollhybriden aus dem Ärmel zu schütteln. Respekt.

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Kernkomponente ist ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, in das ein 32 kW starker Elektromotor integriert wurde. Als Hauptmaschine dient ein 1,6 Liter großer Ottomotor mit Direkteinspritzung, aber ohne Turbolader. Die kombinierte Leistung der Aggregate beträgt 104 kW/141 PS. Beim Anfahren steht ein Drehmoment von 265 Newtonmetern zur Verfügung.

Das sind ziemlich genau die Werte, die auch ein Dieselmotor in dieser Klasse aufweisen würde. Doch anders als dieser setzt sich der Niro flüsterleise, nämlich allein mit dem E-Motor, in Bewegung. Der Verbrenner schaltet sich erst zu, wenn das Fahrzeug rollt – doch auch er ist so gut gedämmt, dass sein Geräusch nicht stört.

Gute Beschleunigung, magere Höchstgeschwindigkeit

Im Vergleich zum stufenlosen Power-Split-Hybrid von Toyota fallen zwei Dinge auf: Der Gummibandeffekt – die gefühlte Diskrepanz zwischen dem schnellen Hochdrehen des Motors und dem langsamen Beschleunigen – fehlt; der Niro fährt sich wie ein normaler Benziner mit Automatik. Gleichzeitig aber entschließt sich die Getriebesteuerung manchmal zu unverständlichen Manövern (beispielsweise schaltet sie bei konstanter Fahrt plötzlich herunter), und ab und zu dringen seltsame Geräusche oder spürbare Schaltrucke aus dem Maschinenraum.

Die Fahrleistungen sind in Stadtverkehr ausreichend, mit elektrischer Hilfe zieht der Niro druckvoll von der Ampel weg. Auf der Autobahn geht ihm hingegen schnell die Puste aus; die Höchstgeschwindigkeit beträgt magere 162 km/h.

Brachiale Fahrleistungen aber erwartet ja nun niemand von einem Vollhybrid – niedrigen Verbrauch schon eher. Hier zeigt der Niro exemplarisch die Stärken und Schwächen seines Konzepts: In der Stadt ist er sehr sparsam, auf der Autobahn hingegen bringt der doppelte Antrieb keinen Vorteil. Im eiligen Testbetrieb bei »kfz-betrieb« schluckte der SUV rund 6,8 Liter auf 100 Kilometern. Aussagekräftiger sind aber die Werte, die der ADAC in seinem Ecotest ermittelte: Mit 4,3 Litern im Stadtverkehr und 5,2 Litern über Land liegt er auf dem Niveau eines guten Diesels – mit 7,7 Litern auf der Autobahn eher auf dem eines schlechten Benziners. Auch steigen laut ADAC bei höheren Lasten die Partikelemissionen des Direkteinspritzers stark an.

Ein wirklich stadtverträglicher SUV

Und wie sieht es mit den anderen Eigenschaften des Niro aus? Kia bezeichnet ihn als Crossover mit SUV-Genen – letztlich ist er ein etwas höher gelegter Kompaktwagen, und das ist auch gut so. Denn schwere Allradtechnik braucht in der Stadt niemand – kompakte Abmessungen, bequemen Einstieg und gutes Platzangebot schon eher. Mit 4,36 Metern Länge, 1,81 Metern Breite und 1,54 Metern Höhe ist der Niro etwas kleiner als der Kia Sportage, zugleich aber größer als der Kompaktwagen Ceed. Der Innenraum ist groß genug für vier Insassen, gut verarbeitet und ansprechend gestaltet. Der Fahrkomfort wird nur durch die etwas rau abrollenden Winterreifen getrübt.

Den Kia Niro gibt es ab 24.990 Euro. Der Testwagen stand in der gut ausgestatteten Spitzenversion Spirit für 30.390 Euro zur Verfügung. Er besitzt zusätzlich das sogenannte Advance-Driving-Paket, das Fahrerassistenzsysteme wie einen automatischen Notbremsassistenten, adaptiven Tempomaten, Querverkehrserkennung und Spurwechselassistent enthält.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group