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»kfz-betrieb« Auto-Check: Peugeot 2008 1.6 Blue-HDI

| Autor: Jan Rosenow

Das kleine SUV der Löwenmarke kommt mit dem 120 PS starken Diesel souverän daher. Die sportliche Ausstattungsvariante GT-Line passt dazu richtig gut.

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Herbstliche Farbenpracht: „Ultimate-Rot“ steht dem Peugeot 2008 vorzüglich.
Herbstliche Farbenpracht: „Ultimate-Rot“ steht dem Peugeot 2008 vorzüglich.
(Bild: Rosenow)

Peugeot hat eine lange Tradition sportlicher Kleinwagen. Insofern durfte man auf den frisch überarbeiteten 2008 in der Variante GT-Line durchaus gespannt sein. Aber leichte Zweifel trübten die Vorfreude: ein sportliches SUV – geht das überhaupt?

Mit dem Dreischicht-Farbton Ultimate-Rot, der auch einem Ferrari gut stehen würde, vielen schwarzen Akzenten und den 17-Zoll-Rädern im Bicolor-Design sieht der 2008er schon einmal richtig gut aus. Die etwas aufrechter stehende Front mit dem schwarz umrandeten Kühlergrill lässt den kleinen Franzosen maskuliner wirken als das 2012 präsentierte Urmodell.

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Nach dem Einsteigen fällt die enge Verwandtschaft mit dem Kleinwagen 208 auf. Zwar ist das Platzangebot in dem 4,16 Meter kurzen Fünftürer sehr ordentlich, aber die Vordersitze fallen etwas klein und weich aus. Klein ist auch das Lenkrad – typisch für das aktuelle Cockpit-Konzept von Peugeot mit den hoch angeordneten Instrumenten.

Das mag man oder man mag es nicht – immerhin traut sich Peugeot etwas. Aus Sicht des Autors überwiegen die Vorteile: Der Fahrer muss den Kopf nicht so weit senken wie bei anderen Autos, und das Mini-Lenkrad sorgt für Gokart-ähnlichen Fahrspaß. Andererseits ist der eng skalierte Tacho schwer abzulesen.

Eine andere Peugeot-Eigenheit sorgt für weniger Freude: Der Scheibenwischer hat keine Tippstellung mehr, in der der Wischer genau ein Mal wischt. Wenn der Fahrer den entsprechenden Hebel nach unten drückt, aktiviert er lediglich die Automatikstellung. Eine kleine Sache zwar, aber wer sich einmal an die praktische Tippstellung gewöhnt hat., der vermisst sie bei Peugeot ganz arg.

Mit 300 Newtonmetern sehr souveräne Motorisierung

Anderswo ist der 2008 sympathisch altmodisch. So gibt es noch ein richtiges Zündschloss, mit dem sich der Motor starten lässt. Der 1,6 Liter große Diesel springt mit kräftigem Knurren an und ist bei Stadttempo akustisch stets präsent. Erst bei höheren Geschwindigkeiten läuft er angenehm leise. Mit 88 kW/120 PS Leistung und vor allem dem wuchtigen Drehmoment von 300 Newtonmetern ist das kleine SUV sehr souverän motorisiert – kein Vergleich zu dem schwachbrüstigen Basis-2008, einem Dreizylinder mit 82 PS, den »kfz-betrieb« 2015 fuhr.

Schon unter 2.000 min-1 packt der Vierzylinder kräftig zu und beschleunigt satt und gleichmäßig bis in Temposphären, in denen man ein Mini-SUV eigentlich nicht mehr erwartet. Erst ab 180 km/h erlahmt der Vortrieb. Das Sechsganggetriebe schaltet sich leichtgängig, aber etwas indifferent und mit langen Wegen. Der Schalthebelknauf besteht wie bei vielen Peugeots aus Aluminium – das sieht edel aus, ist aber bei niedrigen Temperaturen verdammt kalt.

Vorbildlich: SCR-Kat im Mini-SUV

Der starke Diesel macht in dem kompakten Auto also eine sehr gute Figur. Doch wie sieht es mit der Umweltbilanz aus? Peugeot sieht in der Abgaskrise eine Chance zur Profilierung – wie vor 15 Jahren mit dem Dieselpartikelfilter – und rüstet alle seine Dieselmodelle mit der wirkungsvollen SCR-Technik zur Bekämpfung giftiger Stickoxide aus. Das ist vor allem in der Kleinwagen- und Kompaktklasse eine echte Ausnahme.

Der Adblue-Tank ist zwar versteckt unter dem Ersatzrad, fasst aber immerhin 17 Liter und soll so 20.000 Kilometer Reichweite ermöglichen. Im »kfz-betrieb«-Dienstreisealltag verbrauchte der 2008 zwischen 5,8 und 6,2 Liter Diesel auf 100 Kilometern. Das ist für die Klasse gerade noch akzeptabel, aber weit weg von dem nach NEFZ ermittelten Durchschnittswert von 3,7 Litern.

Zeitgemäßer Vertreter seines Segments

Über die SUV-Manie mag man denken, was man will, aber der 2008 ist ein zeitgemäßer Vertreter dieses Segments: Er bringt auf der Verkehrsfläche eines Kompaktwagens vier Personen unter, bietet einen bequemen Einstieg und viel Übersicht und auch der Kofferraum kann sich mit 350 Litern sehen lassen. Der SCR-Kat lindert zudem die Gewissensbisse angesichts des in der Stadt eigentlich unpassenden Dieseleinsatzes.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group