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»kfz-betrieb« Auto-Check: Porsche 911 – Schon wieder der Beste

Autor: Jakob Schreiner

Tiefer, breiter, schneller: Nicht nur optisch bringt die achte Generation des Elfers einige Neuigkeiten an den Start. Auch unter dem Blech des 992 gibt es einige Optimierungen.

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In der Basis kostet der 992 rund 120.000 Euro. Unser mit einigen Extras ausgestatteter Testwagen lag mit über 170.000 Euro deutlich darüber.
In der Basis kostet der 992 rund 120.000 Euro. Unser mit einigen Extras ausgestatteter Testwagen lag mit über 170.000 Euro deutlich darüber.
(Bild: Schreiner/»kfz-betrieb«)

Das Drehrädchen am Lenkrad steht auf „Sport Plus“. Mit dem linken Fuß ist das Bremspedal gedrückt, der rechte Fuß gibt Vollgas. Das kostet beim ersten Mal Überwindung, doch im Display erscheint die Anzeige „Launch Control aktiv“ und das Motormanagement hält die Drehzahl konstant bei 5.000 Umdrehungen. Dann rutscht der linke Fuß von der Bremse und die brachiale Gewalt des Sechszylinder-Boxer-Motors der achten Generation des 911ers bricht los. Von Beginn an steht die maximale Leistung bereit, die G-Kräfte drücken sofort auf den Fahrer und bereits nach 3,5 Sekunden fällt die 100er-Marke.

Möglich macht diesen überaus beeindruckenden Rennsportstart das optionale „Sport-Chrono-Paket“, mit dem die Sportwagenlegende zum Test in die »kfz-betrieb«-Redaktion rollte. Da steht er also, „der beste Elfer aller Zeiten“. Auch das Vorgängermodell (991) war der Beste – bis eben zu jenem Zeitpunkt im November 2018, als die Zuffenhausener den 992 vorstellten.

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Im Vergleich zum Vorgänger leistet das Drei-Liter-Triebwerk jetzt 30 PS und 30 Nm mehr. Ansprechverhalten und Leistung sind über jeden Zweifel erhaben. Der Boxermotor ist zwar über die komplette Saugstrecke zwangsbeatmet, hat dabei aber keine Drehmomentspitzen wie bei einem „typischen“ Turbomotor, sondern ahmt einen klassischen Saugmotor nach. Auch der Sound ist trotz dämpfendem Ottopartikelfilter und Ladergeräuschen an einen Sauger angelehnt und kann sich hören lassen.

Optisch gab es vor allem Änderungen am Heck, das jetzt von einem durchgängigen Leuchtband dominiert wird. Von vorne dürften die Änderungen nur dem geschulten Auge auffallen. Auf den zweiten Blick wird dann deutlich, dass der 992 deutlich tiefer, breiter und muskulöser ist. Hinter- und Vorderachse sind sichtbar nach außen gewandert, die breiteren Kotflügel unterstreichen das.

Für das Armaturenbrett standen Elfer aus den Siebzigern Pate. Alles ist aufgeräumt und an seinem Platz. Porsche-typisch: Der Tacho besteht weiterhin aus fünf Elementen, wobei nur noch der Drehzahlmesser analog ist. In der Mitte thront ein 10,9 Zoll großer Touchscreen, der sich intuitiv bedienen lässt. Über die Materialanmutung und -qualität muss man nicht viele Worte verlieren. Die ist tadellos, lediglich die Klavierlackflächen um den rasierapparatähnlichen Schalthebel sehen schnell unsauber aus, und die dahinter liegenden Bedienelemente sind nur mit Blickkontakt zu erreichen.

Einer für alle

Der Porsche 911 ist bei Weitem kein reinrassiger Sportwagen mehr, sondern schafft den Spagat zwischen Alltagstauglichkeit und Rennsemmel souverän. Das zeigt schon die Übersetzung des neuen Doppelkupplungsgetriebes, die übrigens präziser und schneller schaltet als jeder Mensch. Denn die Höchstgeschwindigkeit von 308 km/h erreicht der Elfer bereits im sechsten Gang, sieben und acht existieren nur aus Effizienz- und Komfortgründen. Auch die verstellbaren Dämpfer, die je nach Fahrmodus härter oder weicher werden, sind Zeuge dieses Spagats.

Zu diesem Eindruck trägt auch das gutmütige Handling des 911ers bei. Im Hintergrund arbeiten unzählige elektronische Helferlein, um die Kraft des Fahrzeugs auf die Straße zu bringen und bei Kurvenfahrten ein Abfliegen zu verhindern. Die Lenkung ist zudem extrem präzise. So ist der Porsche auch für den Alltagsfahrer gut zu beherrschen. Den Grenzbereich des Fahrzeugs dürften die wenigsten Fahrer ausreizen können.

Dieses Fahrvergnügen hat allerdings auch seinen Preis. In der Basis kostet der 992 rund 120.000 Euro. Unser Testwagen hatte dabei nochmal Extras für rund 50.000 Euro an Bord. Darunter eine Hinterachslenkung, eine Sportabgasanlage mit Klappensteuerung, das zuvor beschriebene Sport-Chrono-Paket sowie adaptive Sportsitze und ein vorzügliches Burmester-Sound-System. Außerdem ein Liftsystem für die Vorderachse, die neuen LED-Matrix-Scheinwerfer und einige Interieur-Pakte. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. So ausgerüstet kostet der 911 dann stolze 172.000 Euro.

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Über den Autor

 Jakob Schreiner

Jakob Schreiner

Redakteur Ressort Service & Technik