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»kfz-betrieb« Auto-Check: Porsche Boxster

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Die Unschuld vom Schwabenländle: Er kann vieles gut und manches besser. Ist der Boxster der bessere 911er?

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Kratzt er am heiligen 911-er-Gral? Das Zeug dazu hätte die 3. Generation des Porsche Boxster.
Kratzt er am heiligen 911-er-Gral? Das Zeug dazu hätte die 3. Generation des Porsche Boxster.
(Foto: Dominsky)

Das Bessere ist des Guten Feind. Zum Glück hat der Volksmund nicht immer recht, denkt da sicher Porsche. Denn wer genau hinsieht, stellt fest: Eigentlich sind Boxster und Cayman die besseren Elfer – vom Turbo vielleicht mal abgesehen. Technisch mehr als nur verwandt und fahrdynamisch überlegen. Und zum Preis eines 911S könnte der freundliche Porsche-Dealer sogar ganze zwei Boxster in die Auslieferungshalle stellen, plus einen Dacia Sandero – so er denn dürfte und wollte. Aber man soll nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Vor ziemlich genau einem Jahr brachten die Stuttgarter ihren aktuellen Boxster, den Typ 981, auf den Markt. Ein markanter „Einzug“ in der Flanke und eine dem großen Bruder weiter angeglichene Front machen ihn optisch up to date. Eine neue „Hybrid“-Rohkarosserie mit viel Alu und ein ebenso neues Fahrwerk sorgen für technische Fitness.

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Ein echtes Schnäppchen?

Mit 49.243 Euro ist der Boxster die billigste Möglichkeit, einen neuen Porsche zu fahren, und eine, die noch dazu verdammt viel Spaß macht. Denn: Auch Porsches Kleinster ist ein echter Porsche und damit die schwäbisch perfekte Quadratur eines Sportwagenkreises. Soll heißen, obwohl er ein echter Sportler ist,

  • ist er durchaus komfortabel zu bewegen und voll langstreckentauglich,
  • ist er sparsam unterwegs (unter 9 l/100 km kein Problem) und
  • dank zwei ordentlich großer Kofferräumen beinahe ein Transportwunder.

Testwagentypisch war auch unser Kandidat mit allerlei „Schnick-Schnack“ ausgestattet. Dazu zählte z. B. das „PDK“ getaufte Doppelkupplungsgetriebe, das erstens bequem ist und zweitens im manuellen Modus richtig Spaß macht. Der automatische Zwischengasstoß beim Herunterschalten in Verbindung mit dem Chrono-Paket ist großes Soundkino. Besagtes Chrono-Paket umfasst sogar dynamische, das heißt elektrisch verstellbare Getriebelager (!) sowie eine schicke Digital-/Analoguhr und die Sport-Plus-Taste. Das PASM-Fahrwerk mit seinen elektrisch verstellbaren Dämpfern erlaubt die Wahl zwischen der „Schönen“ (Normal-) und dem „Biest“ (Sport-) sowie der „Bestie“ (Sport-Plus-Modus). Letzterer empfiehlt sich aufgrund seiner Härte auf (west-) deutschen Straßen nur bedingt. Das serienmäßig elektrische Verdeck kann der Frischluftpilot beim 981 auch werbewirksam während der Fahrt (bis 50 km/h) öffnen oder schließen.

Kernstück eines jeden Sportwagens ist zweifelsohne sein Motor. Dass den Stuttgartern hier etwas tatsächlich Großes gelungen ist, zeigt der Preis „Engine of the year“, den Porsche vor wenigen Tagen für seinen Wasserboxer erhalten hat. Auch wenn die Standardvariante mit „nur“ 265 PS/195 kW (Boxster S: 315 PS/232 kW) daherkommt, verfügt das Aggregat wie fast alle Porsche-Antriebe über essenzielle Tugenden: Es ist leistungsstark und dennoch sparsam. Acht Komma irgendwas Verbrauch auf 100 Kilometern: Null Problemo!

Doch ist beim Boxster alles Gold, was alufarben glänzt? Im Prinzip ja, nur muss dieser Glanz über eine schier endlose Aufpreisliste teuer erkauft werden – oder was halten Sie davon, dass ein 50.000-Euro-Auto serienmäßig nicht mal Fußmatten zu bieten hat? Die kosten 107 Euro und 10 Cent extra.

(ID:40096000)