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»kfz-betrieb« Auto-Check Ssangyong XLV: Lecker Fileisch?

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

„Nicht Fisch, nicht Fleisch“ würde der Pessimist sagen – „von jedem etwas“ der Optimist. Doch abgesehen davon: Wie bekömmlich ist die koreanische Mischung namens „Exciting Lifestyle Vehicle“ aus der Küche von Ssangyong?

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Macht auch abseits von Asphaltpisten eine besondere Figur: der XLV von Ssangyong.
Macht auch abseits von Asphaltpisten eine besondere Figur: der XLV von Ssangyong.
(Bild: Dominsky)

Eines kann man koreanischen Automobildesignern, zumindest denen im Dienste von Ssang Yyong, nicht nachsagen: Nämlich, dass sie fantasielos wären und Einheitsbrei ihr Maßstab wäre – so wie bei anderen Asiaten vielfach der Fall. Und man kann ihnen nicht vorwerfen, dass ihnen, so sie denn beim Zeichnen eines Automobils mit dessen Front beginnen, zum Ende hin die Kreativität ausgeht. Nein, in Sachen Heckpartie bzw. Heckabschluss beweisen sie regelmäßig Kreativität – man denke nur an das Modell Rodius.

So besticht auch Ssangyongs jüngster Spross namens XLV, der eigentlich ELV heißen müsste („Exciting Lifestyle Vehicle“), mit einer, sagen wir, „besonderen Seitenansicht“, speziell im hinteren Drittel. Da man über Geschmack bekanntlich streiten kann, dies aber ein kurzer Fahrzeugcheck und keine Gerichtsverhandlung ist, haken wir das Thema besser gleich ab: Ja, der XLV hat ein Design, und ja, es hebt sich von der Masse deutlich ab – Punkt. Auf jeden Fall macht der Neue seinem Namensprädikat „Lifestyle“ aller Ehre: Er ist eine moderne Mischung aus Minivan und Kompakt-SUV. Das Ganze abgeschmeckt mit einem Hauch Coupé-Charakter.

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Abgesehen von äußerlichen Auffälligkeiten glänzt das koreanische Menü mit inneren Werten wie sehr großzügigen Platzverhältnissen vorne und ordentlichen hinten sowie einem angenehm großen Kofferraum. Hier merkt man allerdings, dass die Koreaner einfach an einen Tivoli nur ein größeres Heck geklatscht, pardon, designt haben – die Fondpassagiere profitieren von der Maßnahme nicht. Schön: Der Kofferraumboden kann zusätzlich abgesenkt werden. Schlecht: Die Sitzfläche der Bank lässt sich nicht umlegen/vorklappen, nur die Lehen. So wird Stauraum bzw. -Fläche verschenkt.

Anders als außen hatten Ssangyongs Gestalter kein ansprechendes, sprich modernes Rezept für das Innenraumdesign parat. Hier wechselt schwarz-matt mit schwarz-glänzend und schwarz-glatt mit schwarz-rau – schade. Generell herrscht innen das Prinzip süß-sauer – zu Deutsch „top“ und „Flopp“. Toll die sind in der Ausstattungsvariante „Sapphire“ serienmäßigen Ledersitze: Sie verfügen nicht nur über eine obligatorischen Heizung, sondern auch über eine sehr angenehme Kühlung (Lüftung).

Klasse in der kalten Jahreszeit ist die ebenso vorhandene Lenkradheizung. Aber: Diese und die vom Kollegen Sitz braucht es auch. Bei winterlichen Temperaturen dauert es eine Ewigkeit, bis der in unserem Testwagen verbaute Diesel es schafft, den Innenraum zu erwärmen.

Infotainment und Navigation: na ja...

Freude kommt auf den ersten Blick beim Thema Infotainment auf: SD-Kartenslot, USB-Anschluss und, man höre und staune, sogar ein HDMI-Port – Respekt! Wer sich allerdings mit der Radio-Navieinheit einmal auseinandersetzt, muss unweigerlich an viel Essen und hohen Seegang denken. Die Bedienung aber auch die Leistung des Systems verdient nur ein Prädikat: übel.

Das wird’s einem beim Antrieb wiederum nicht, im Gegenteil. Besagter Diesel, ein 1,6 Liter mit 115 PS, geht munterer zur Sache als erwartet. Er verhilft dem XLV zu angemessenen Fahrleistungen. Allerdings wird er unter Last bzw. bei höheren Drehzahlen ziemlich laut. Und eine Tendenz zum Suff kann man ihm auch nicht absprechen: 7,5 bis 8 Liter sind auch bei flotter Fahrweise zu viel des Guten.

Interessant als Allradvariante

Angemessen, sprich harmonisch-sämig arbeitet die sechs-Stufen-Wandlerautomatik aus dem Hause Aisin. Aber das Wichtigste, und das zeichnet viele Ssangyongs schließlich aus: Den XLV gibt es auch mit Allradantrieb und dann sogar serienmäßig mit sperrbarem Mittendifferential. Ein „aber“ auch hier: Vier angetriebene Räder kosten 2.000 Euro Aufpreis. Die gibt es aber nur in Verbindung mit der Automatik, macht zusammen 4.000 Euro Aufpreis.

Regulär auf Asphalt betrieben gibt sich der 4,44 Meter lange Wagen sportlich straff, der Fahrkomfort geht in Ordnung, mehr aber auch nicht – auch den 18-Zöllern sein Dank. Durchschnitt auch die Lenkung: Sie ist zwar elektronisch in drei Stufen einstellbar, das vermittelt dem Fahrer aber auch nicht mehr Fahrbahngefühl. Und über elf Meter Wendekreis sind zeitgemäß wie Erbswurstsuppe.

Aber wie schon eingangs erwähnt: Geschmäcker sind verschieden. Und somit stellt der XLV für den einen oder anderen durchaus eine überlegenswerte Alternative zum Eintopf-Einerlei aus Wolfsburg, Rüsselsheim oder Köln dar. Wohl bekomm’s!

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