»kfz-betrieb« Auto-Check VW Touareg: Im Herzen ein Phaeton

Der Touareg ersetzt auch den einstigen Luxusliner

| Autor: Jan Rosenow

Geschmacksache: Der wuchtige Chromgrill des Touareg dürfte am Golf oder in Russland mehr punkten als hier.
Geschmacksache: Der wuchtige Chromgrill des Touareg dürfte am Golf oder in Russland mehr punkten als hier. (Bild: »kfz-betrieb«/Jan Rosenow)

Wer den Touareg der dritten Generation unvorbereitet entert, der kann durchaus kurz die Fassung verlieren angesichts des luxuriösen Ambientes und der Unmenge an Ausstattungsmerkmalen, die das neue Spitzenmodell der Wolfsburger dem Fahrer bietet. Deshalb beginnen wir diesen Beitrag am besten gleich mit dem Wesentlichen: Ja, dieser VW kostet über 100.000 Euro. Wer sich nun fragt, ob ein Volkswagen überhaupt so teuer sein darf und ob der Konzern nun endgültig die Bodenhaftung verloren hat, der kann an dieser Stelle gern aufhören zu lesen.

Allen anderen sei gesagt: Ja, der Touareg in Maximalausstattung ist verdammt teuer. Aber er hat im VW-Programm die Stelle des Spitzenmodells übernommen, die seit dem Ende des erfolglosen Phaeton verwaist war. Er basiert auf dem gleichen Baukasten, auf dem auch der Audi Q7, der Porsche Cayenne und selbst Pretiosen wie der Lamborghine Urus und der Bentley Bentayga aufgebaut sind. Und nicht zuletzt bietet der Touareg für das viele Geld auch verdammt viel Ausstattung.

Der Mittenbildschirm misst 38 Zentimeter

Allein schon das Armaturenbrett mit seinen beiden riesigen TFT-Bildschirmen ist ein echter Blickfang. Praktisch alle Funktionen bis hin zur Klimaanlage werden über das gewaltige, in der Diagonale 38 Zentimeter messende Zentraldisplay gesteuert. Die Vielzahl der Funktionen verlangt einiges an Eingewöhnungszeit, bis die Bedienung flüssig läuft. Das liegt auch daran, dass VW die meisten Funktionen mit Symbolen und nicht mit Wörtern gekennzeichnet hat, die man sich erst einmal einprägen muss. Der Besitzer hat aber die Möglichkeit, manche Funktionen nach eigenem Gusto zu konfigurieren.

Auch das Fahrerdisplay ist natürlich ein Bildschirm, der sich vielfältig konfigurieren lässt. Als dritte Anzeigeebene gibt es ein Head-up-Display, das im Prinzip alle für das Fahren nötigen Informationen darstellt, sodass man die beiden Bildschirme im Fahrbetrieb nur selten braucht.

Massageprogramm wie im Luxus-Spa

Puren Luxus strahlen auch die mit zweifarbigem Leder bezogenen Vordersitze aus, die sich vielfältig verstellen lassen und eine ganze Reihe von Massage- und anderen Wohlfühlprogrammen ausführen können. Zusammen mit der sehr guten Schalldämmung und der sensiblen Federung ergibt sich ein Fahrkomfort vom Feinsten – eben einer Luxuslimousine würdig.

Und dafür ist der Touareg, bei dem sich VW mittlerweile die früher lieferbare mechanische Geländetechnik (Übersetzung, Sperren) spart, auch gebaut: möglichst komfortabel lange Strecken zurückzulegen. Der 210 kW/286 PS starke Diesel treibt den 2,4-Tonner sehr souverän an. Nur beim Ampelstart merkt man dem Super-SUV seine Masse an: Denn das Start-Stopp-System wirft den Motor erst nach dem Wechsel aufs Fahrpedal an; dann muss der Turbolader Druck aufbauen, dann bringt der Wandler das Öl auf Touren, und erst dann ist mit nennenswertem Vortrieb zu rechnen. Der ungeübte Fahrer drückt das Pedal während dieser Gedenksekunde gern etwas weiter nach unten, woraufhin der Touareg sich wütend brummend nach vorn wirft wie ein angreifender Eisbär.

(Zu) viel Chromzierrat an der Front

Mit seiner aufrechten Statur und der chromverzierten Front ist das Wolfsburger Spitzenmodell eine beeindruckende Erscheinung. Ob die über die gesamte Fahrzeugbreite reichenden Chromspangen, zwischen denen die Scheinwerfer kaum sichtbar sind, allerdings jedem potenziellen Käufer gefallen werden, möchten wir nicht beurteilen. Möglicherweise steht hier auch nicht mehr der Geschmack einer mitteleuropäischen Zielgruppe im Mittelpunkt.

Zweifellos aber stellt die wuchtige Karosserie mehr als genug Platz für die Passagiere und deren Gepäck bereit. Der Kofferraum ist schon mit aufrechter Rücksitzbank 800 Liter groß.

Rein sachlich gibt der Touareg der dritten Generation als Luxuslimousine im SUV-Format also ein überzeugendes Bild ab. Dass er bei zügiger Autobahnfahrt durchschnittlich zehn Liter Diesel auf 100 Kilometern schluckt, kann in Anbetracht von Masse und Größe noch als angemessen gelten. Aber klar: Eine strömungsgünstige Limousine wäre allemal sparsamer als ein hoch aufragender SUV.

Digitalradio kostet Aufpreis

Der Touareg V6 TDI kostet in der stärkeren der beiden Leistungsvarianten im Grundpreis 60.675 Euro, was im Segment der Full-Size-SUV als günstig gelten darf. Erst die seitenlange Liste der optionalen Features treibt den Preis auf fast die doppelte Höhe nach oben. Allein das Adaptivfahrwerk mit elektromechanischer Wankstabilisierung kostet mit 5.900 Euro fast soviel wie ein rumänischer Kleinwagen. Auch das „Innovision Cockpit“ mit den zwei Bildschirmen gibt es nicht geschenkt (3.500 Euro) – und da ist das Head-up-Display noch nicht mit drin (1.300 Euro). Dass sich Wolfsburg aber den Digitalradioempfang noch mit 245 Euro extra entlohnen lässt, ist schon ein bisschen dreist. Wer es ganz genau wissen will, der findet die Liste der Sonderausstattungen auf der folgenden Seite.

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