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Kfz-Innung Bremen fordert regionale Verkehrswende mit Maß

Autor / Redakteur: Holger Zietz / Christoph Baeuchle

Wie andere Städte treibt auch Bremen die Verkehrswende voran. Damit diese gelingt, ist mehr notwendig als ein Fahrverbot für Verbrenner. Obermeister Hans Jörg Kossmann findet klare Worte beim traditionellen Neujahrsempfang der Kfz-Innung Bremen.

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Verkehrswende gemeinsam gestalten: (v. li.) Senatorin Kristina Vogt, Obermeister Hans Jörg Kossmann und Präses Janina Marahrens-Hashagen.
Verkehrswende gemeinsam gestalten: (v. li.) Senatorin Kristina Vogt, Obermeister Hans Jörg Kossmann und Präses Janina Marahrens-Hashagen.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Die Hansestadt Bremen will den städtischen Verkehr neu ordnen. Dabei sucht sie nicht nur Alternativen zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, sondern diskutiert auch über eine autofreie Innenstadt. „Wir müssen natürlich etwas für den Klimaschutz tun“, betonte Obermeister Hans Jörg Kossmann beim traditionellen Neujahrsempfang der Kfz-Innung Bremen. Aber solch weitreichende Änderungen müsse man mit Augenmaß und Sachverstand angehen.

Grundsätzlich zeigte Kossmann Verständnis für Änderungen. Selbst wenn jeder fünfte Neuwagen elektrisch fahren würde, so die Planungen vieler Hersteller laut Kossmann, gebe es in den nächsten Jahren noch immer zu viele Verbrenner auf Bremens Straßen. Der Obermeister fügte jedoch hinzu: „Forderungen nach Verboten sind der Populismus des kleinen Politikers!“

Der Obermeister fürchtet, dass bei den Plänen für eine autofreie Innenstadt der Blick einseitig auf die Verbannung der Fahrzeuge gerichtet wird. Das reiche jedoch nicht. Wer autofreie Innenstädte haben wolle, müsse den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und Parkmöglichkeiten in den Randzonen schaffen. Dass die Planung nicht immer funktioniert, zeigt der Bremer Klinikneubau: Hier fehlen laut Kossmann noch immer Parkplätze für Personal und Besucher.

Jede Stadt braucht eine ihr angemessene Infrastruktur. „Es ist die Aufgabe der Politik, für eine solche Infrastruktur zu sorgen“, betonte Kossmann. Nur mit einer funktionierenden Infrastruktur könne die Wirtschaft die Gelder generieren, die für Mindestlohn, Tarife und Steuern notwendig seien. „Ohne Verkehr in der Innenstadt wird der Handel dort keine Umsätze erzielen und kein Tourist in die Stadt kommen“, befürchtet der Obermeister.

Auch die Bremer Handelskammer fordert, vor dem Wandel zur autoarmen oder gar autofreien Innenstadt die Neuorganisation des öffentlichen Nahverkehrs anzugehen. Zudem müssten neue Parkhäuser am Rande der Altstadt gebaut werden, bevor diese in der Innenstadt geschlossen werden. „80 Prozent der Kurzzeitparker sind Kunden der Innenstadtgeschäfte“, erläuterte Janina Marahrens-Hashagen, Präses der Handelskammer Bremen.

Zuständig für den Umbau ist die Bremer Senatorin für Arbeit und Wirtschaft, Kristina Vogt. Die Linken-Politikerin stand bei der Veranstaltung Rede und Antwort. Natürlich werde es nicht sofort eine autofreie Innenstadt geben, stellte sie klar. Die Innenstadt solle attraktiver werden, damit auch der Handel seine Umsätze wieder erziele und Menschen sich in der Stadt wohlfühlten. Der innerstädtische Handel stehe im Wettbewerb mit den gut erreichbaren Einkaufszentren am Stadtrand und dem Onlinehandel. „Eine attraktive Innenstadt kann hier nur hilfreich sein“, so Vogt. Sie strebe „vernünftige Lösungen“ an, die schrittweise umgesetzt werden sollen. Bevor eine Innenstadt autofrei sei, müsse sie zunächst autoarm werden.

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