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Kfzler hoffen auf Wasserstoff-Offensive

Autor: Christoph Seyerlein

Andreas Scheuer und Peter Altmaier haben angekündigt, Deutschland zum Leitmarkt für Wasserstoff-Mobilität machen zu wollen. Die Kfz-Branche befürwortet das, wie eine Umfrage von »kfz-betrieb« zeigt. Doch noch sind viele Fragen rund um die Technologie offen.

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Wasserstoff ist im Mobilitätssektor noch nicht allzu weit verbreitet.
Wasserstoff ist im Mobilitätssektor noch nicht allzu weit verbreitet.
(Bild: Daimler)

Die Pläne der Bundesregierung, Deutschland zum Weltmarktführer der Wasserstoff-Mobilität zu machen, stoßen in der Kfz-Branche auf Zustimmung. Das legt zumindest eine Umfrage von »kfz-betrieb« via Instagram nahe.

Vergangene Woche hatten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier verkündet, dass ihnen das Thema Wasserstoff im Hinblick auf die Energiewende, aber auch zur Sicherung von Hunderttausenden Arbeitsplätzen wichtig sei. Scheuer forderte zudem: „Jetzt muss die Automobilindustrie bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt bringen und den Menschen zeigen, dass die Technik zuverlässig funktioniert.“ Im Rahmen der 24-Stunden-Umfrage von »kfz-betrieb« bei Instagram bewerteten 73 Prozent der insgesamt 1.067 Teilnehmer jene Pläne positiv.

Bislang kann man Wasserstoffautos hierzulande noch nicht einmal ernsthaft als Nischenprodukte bezeichnen. Zum 1. Januar 2019 waren beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 392 solcher Fahrzeuge registriert. Bei einem Gesamtbestand von 57,3 Millionen Autos in Deutschland betrug ihr Marktanteil damit 0,0007 Prozent.

Gründe für das Schattendasein von Wasserstoffautos

Dass Wasserstoffautos bislang keine Rolle spielen, hat mehrere Gründe:

  • Tankstellennetz: Ein Problem, dass von der Elektromobilität bekannt sein sollte und doch noch längst nicht ernsthaft angegangen wurde. Laut „H2 Mobility“ sind aktuell in Deutschland gerade einmal 77 Wasserstofftankstellen am Netz. Ohne flächendeckende Verbreitung dürfte der Vorteil des deutlich schnelleren Nachtankens gegenüber batteriebetriebenen Autos kaum zur Geltung kommen. EY-Autoexperte Peter Fuß prognostizierte in der Vergangenheit beispielsweise: „Ungefähr 1.000 H2-Tankstellen bundesweit sind nötig, damit Brennstoffzellenautos richtig interessant werden für den Verbraucher.“
  • Kaum Serienmodelle: Scheuers Aufruf an die Industrie kommt nicht unbegründet. Wirklich in die Serienproduktion von Wasserstoffautos haben sich bislang vor allem Hyundai und Toyota vorgewagt. Bei einigen weiteren Herstellern wie etwa Daimler gibt es Versuche mit Kleinserien.
  • Hohe Preise: Hat ein Hersteller ein Brennstoffzellenfahrzeug im Portfolio, ist dieses bislang ziemlich teuer. Der Toyota Mirai steht auf der Website der Japaner beispielsweise bei einem Grundpreis von 78.600 Euro, der Hyundai Nexo startet bei 69.000 Euro.
  • Henne-Ei-Problem: All jene Faktoren könnten zum vielzitierten Henne-Ei-Problem führen. Ohne ein ausreichendes Angebot an Modellen lohnt sich der Aufbau der teuren Infrastruktur nicht. Umgekehrt verhält es sich genauso.
  • Geringer Wirkungsgrad: Wasserstoffautos locken zwar mit vergleichsweise höheren Reichweiten als batteriebetriebene Fahrzeuge, vom Wirkungsgrad sind sie aber deutlich schlechter. Während dieser bei reinen E-Autos etwa bei 70 Prozent liegt, beträgt der Wert beim H2-Antrieb lediglich rund 25 Prozent. So ist zunächst eine ganze Menge Strom nötig, um überhaupt erst aus Wasser Wasserstoff zu gewinnen. Das macht H2 als Treibstoff teurer als Strom. Jenen Grund führt beispielsweise VW regelmäßig als Argument dafür an, dass man sich in Wolfsburg stark auf batteriebetriebene Autos konzentriert.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«