Lincoln Continental: Rückkehr des Chauffeur-Traumwagens

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Zwar ist der Continental eine der wenigen großen US-Limousinen, in denen man auch als Fahrer zumindest ein bisschen Spaß haben kann. Denn so samten und seidig sich das Auto anfühlt, lullt es einen am Lenkrad nicht vollends ein, sondern weckt mit seinem V6 und dem adaptiven Allradantrieb vielmehr die Lebensgeister.

Schließlich schöpft der stärkste Motor aus seinen drei Litern Hubraum dank zweier Turbos solide 400 PS und geht im besten Fall mit beinahe 550 Nm zu Werke, so dass man die 250 km/h der deutschen Konkurrenz gut zu parieren in der Lage wäre, wenn nicht hinter jeder Hecke ein Cop mit seiner Radarpistole lauern könnte. Und zumindest beim gleichmäßigen Verkehrsfluss jenseits des Atlantiks ist auch die vergleichsweise antiquierte Sechsgang-Automatik kein Schaden.

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Doch im Grunde ist das alles vergebene Liebesmüh. Denn besser noch als vorne links sitzt man in diesem Auto hinten rechts – selbst wenn die klimatisierten Massagesitze in der ersten Reihe 30fach verstellbar sind, können sie nicht mit den Sesseln im Fond mithalten. In ihnen versinkt man wie in einer ledernen Lounge-Liege und sobald aus den wie in der S-Klasse fein ziselierten Lautsprecherblenden sanfter Country-Rock von den Eagles säuselt, einen das Fahrwerk wie auf Wolken bettet und sich der Motor brav im Hintergrund hält, ist die Welt da draußen plötzlich ganz weit weg. So weit, dass man weder übers Ankommen nachdenken möchte, noch über die Verwerfungen, die das Kräftemessen zwischen Detroit und Deutschland für die transatlantische Plattentektonik bringt.

Natürlich hätte der Lincoln bei uns Deutschen ohnehin keine Chance. Selbst dann nicht, wenn das Ford-Flaggschiff wie in Amerika bei umgerechnet etwa 50.000 Euro starten würde und voll ausgestattet wahrscheinlich weniger kostete als eine nackte S-Klasse auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Denn wenn’s ums Auto geht, steigt mit unserer Zahlungsbereitschaft auch unser Patriotismus und es führt – davon können Jaguar, Lexus oder Infiniti ihr trauriges Lied singen – an S-Klasse, A8 und Siebener kaum ein Weg vorbei.

Doch als Flaggschiff für die Flotte aus Köln wäre der Luxusliner aus Amerika glaubwürdiger als ein mit noch so viel Lack und Leder zum „Vignale“ aufgerüschter Ford Mondeo. Und der Mustang hat schließlich bewiesen, dass man es bei uns auch mit einem US-Import schaffen kann.

Verhinderte Beruhigungspille

Das würde wahrscheinlich auch Donald Trump gefallen, der uns Deutsche und unsere Autos ja also so bad, very bad empfindet. Und selbst wenn Audi, BMW oder Mercedes im schlimmsten Fall ein paar A6-, Fünfer- oder E-Klasse-Kunden an den Newcomer aus der neuen Welt verlieren würden, müssten sie den Amerikanern dankbar sein. Weil der Continental so seinen Beitrag leisten würde, die Tektonik der automobilen Kontinentalplatte wieder zu beruhigen.

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