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Mazda MX-30: Nachhaltigkeit statt Reichweite

Autor: Julia Mauritz

Auf dem Brüsseler Autosalon hat der erste Mazda-Stromer sein Europadebüt gefeiert. Eine Überraschung ist neben dem besonderen Türkonzept vor allem eines: Statt auf eine Megabatterie setzt der japanische Hersteller auf „Rightsizing“.

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Mazdas erstes E-Auto feiert im September seine Handelspremiere.
Mazdas erstes E-Auto feiert im September seine Handelspremiere.
(Bild: davidlfsmith)

Nur wenige Wochen nach der Weltpremiere auf der Tokio Motor Show hat Mazda den international recht unbekannten Brüsseler Autosalon ausgewählt, um sein erstes rein elektrisches Modell MX-30 dem europäischen Publikum vorzustellen. Auf dem Messestand gilt: Anschauen erwünscht, Anfassen noch nicht. Schließlich handelt es sich beim gezeigten MX-30 noch um einen Prototypen. Auch die genaue Preisgestaltung und die technischen Daten des knapp 4,4 Meter langen SUVs werden auf der Messe noch nicht kommuniziert. Die Kaufinteressenten müssen sich dafür bis zum Genfer Autosalon gedulden, der Anfang März stattfindet. Bekannt sind bislang nur wenige technische Eckdaten: Das Antriebssystem namens „e-Skyactiv“ kombiniert eine 35,5-kWh große Lithium-Ionen-Batterie mit einem 103 kW/140 PS starken Elektromotor. Dieser setzt 265 Nm Drehmoment frei.

Seine Premiere bei den deutschen Mazda-Händlern soll der Stromer in der zweiten Septemberhälfte feiern. Online kann er schon jetzt gegen eine Gebühr von 1.000 Euro reserviert werden in einer limitierten First Edition. Die Gebühr wird auf den voraussichtlichen Preis von 33.900 Euro angerechnet. 2.500 MX-30 will Mazda Deutschland in diesem Jahr vermarkten: Europaweit sind es 10.000 Einheiten. In Japan führt der Hersteller das Modell erst später ein.

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Das Design und das Fahrzeugkonzept des MX-30 sind auf den ersten Blick keine Überraschung – statt für eine futuristische Anmutung oder einen Retrolook haben sich die Japaner für einen gefälligen SUV entschieden. Der MX-30 hat die gleichen Abmessungen wie der CX-30, allerdings zeichnet er sich durch eine deutlich reduzierte Linienführung aus. Ein Aha-Erlebnis gibt es, wenn man die Türen öffnet: Mazda setzt wie einst bei seiner Wankelmotor-Ikone RX-8 auf gegenläufig zu öffnende Türen und verzichtet folglich auf eine B-Säule. Was erst einmal schick aussieht und den Einstieg auf die recht schmal wirkende Rückbank erleichtert, hat auch seine Tücken. So lässt sich die hintere Tür nur gemeinsam mit der Fronttür öffnen. Zudem ist der Blick auf die Straße für die Passagiere auf den hinteren Plätzen durch die massive C-Säule sehr eingeschränkt.

Recycelte Materialien

Im reduzierten Innenraum setzt der japanische Hersteller konsequent auf Nachhaltigkeit: So sind die Türen des MX-30 mit einem Gewebe bezogen, das aus recycelten PET-Flaschen besteht. Den Lederanteil hat Mazda drastisch zurückgefahren: Lediglich der Bezug des Lenkrads und des Schalthebels sind noch tierischen Ursprungs. Außergewöhnlich ist auch der Materialmix der frei schwebenden Mittelkonsole: Mazda verwendet Kork aus Resten der Flaschenkorkenproduktion.

Einen ganz anderen Weg als die meisten Wettbewerber geht Mazda beim Antrieb: Während die überwiegende Zahl der Hersteller auf immer größere Batterien setzt, um die Reichweite zu erhöhen, und dabei ein hohes Gewicht in Kauf nimmt, hat sich Mazda für ein kleines, leichtes 35-kWh-Akkupaket entschieden. Nach gut 200 Kilometern muss der MX-30 an die Ladesäule. Eine rein elektrische Version mit einer stärkeren Batterie ist nicht vorgesehen. An Schnellladesäulen mit 50 kW lässt sich der Akku laut Hersteller binnen 30 bis 40 Minuten um bis zu 80 Prozent aufladen.

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Wie die Käufer das bewerten, bleibt abzuwarten: Beim Kia e-Niro, der mit einem kleinen und einem großen Akku erhältlich ist, entscheiden sich rund 90 Prozent der Kunden für letzteren. Mazda sieht seine „Rightsizing“-Lösung dennoch klar als die sinnvollere Alternative. Programmmanagerin Tomiko Takeuchi verweist darauf, dass der MX-30 das klassische Zweitauto sei. Der Fokus liege auf dem Fahrspaß, dem Design und einer emissionsarmen Mobilität über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg. Wer trotzdem mehr Reichweite will, muss sich noch bis 2021 oder gar 2022 gedulden: Mazda entwickelt aktuell eine MX-30-Version mit einem Wankelmotor als Range-Extender.

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 Julia Mauritz

Julia Mauritz

Stv. Ressortleiterin