Mercedes-Benz W 123: Marathon-Sternträger

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Er gilt als der Mercedes aller Mercedes: Vor 40 Jahren gab der W 123 sein Debüt und stellte zwischenzeitlich sogar den VW Golf in Deutschland in den Schatten.

Firmen zum Thema

Insgesamt produzierte Mercedes 2,7 Millionen Einheiten der Baureihe W 123.
Insgesamt produzierte Mercedes 2,7 Millionen Einheiten der Baureihe W 123.
(Foto: Daimler)

Mehr als drei Jahre Lieferzeit für ein Massenmodell und Gebrauchtwagennotierungen, die noch oberhalb der bereits stolzen Neuwagenpreise liegen – das haben deutsche Autokäufer bislang nur einmal akzeptiert: Die Ende 1975 in Serie gegangenen Mercedes-Benz-Modelle der Baureihe W 123 waren begehrter und mit 2,7 Millionen gebauten Einheiten erfolgreicher als alle Stuttgarter Sternträger bis dahin.

Der betont bürgerliche Auftritt aller 123er, ihr gediegener Chromglanz ohne Protz, vor allem aber ihre einzigartige Verlässlichkeit machte die Baureihe so erfolgreich. So ermittelte eine Fachzeitschrift, dass die Fahrer eines 200 Diesel rein rechnerisch über 850.000 Kilometer fahren mussten, um von einer Panne betroffen zu sein. Eine Prüforganisation bescheinigte 1984 sogar noch acht Jahre alten 123ern Platz eins unter den Mängelzwergen bei der gesetzlichen Hauptuntersuchung.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 19 Bildern

Natürlich gab es auch Schwachstellen bei den damals stattliche 4,73 Meter messenden Mercedes-Modellen. Allerdings Trivialitäten gegenüber den Themen Rost und Pannen, von denen viele Wettbewerber geplagt wurden. Weshalb die Untertürkheimer Diesel und Benziner etwa als einzige Pkw den harten arktischen Alltag auf den Geröll- und Eispisten Spitzbergens nahe des Nordpols bewältigten. Und als altgediente Gebrauchtwagen oft genug einen harten Auslandsjob in afrikanischen Wüsten oder Steppen annahmen.

Kein Wunder, dass die gleichermaßen langlebigen wie genügsamen 123er später ihren Vorgängern, den sogenannten Strichacht-Modellen (1968 bis 1976), folgten und zum Kultfahrzeug der Klassikerszene avancierten. Heute sind sie sogar zweithäufigster Oldtimer nach dem Käfer.

„Das neue Maß der Mittelklasse“, lautete die Werbebotschaft zur Markteinführung der Limousinen, die optisch der S-Klasse W 116 ähnelten. Auf ihre Mission als qualitativ beispielhafte Marathonläufer hatten sie sich durch eine außergewöhnlich lange Entwicklungszeit von acht Jahren vorbereitet. Und waren deshalb gemäß Presseinformation auch „hinsichtlich Sicherheit, Fahrkultur, Komfort und Dynamik einmalig“. Was sich zum Beispiel in der neuartigen Sicherheitslenksäule spiegelte, die beim Frontalaufprall seitlich wegknickte. Auch Vorbereitungen für Airbags, die ab 1982 lieferbar wurden, waren hier vorhanden.

Ab 1980 war zudem ein ABS-Bremssystem verfügbar. Überhaupt bezog der W 123 gleich verschiedene Bauteile aus der S-Klasse, so unter anderem die Doppelquerlenker-Vorderradaufhängung. Auch in den Preisen konnte es ein voll ausgestatteter 280 E leicht mit Autos der Sonderklasse aufnehmen. Kostete der 280 E „nackt“ nur 26.895 Mark waren es mit Extras bis zu 62.000 Mark. Dafür gab es alternativ auch einen Zwölfzylinder-Jaguar, einen Lamborghini Jarama oder gleich zwei Exemplare der 3,0-Liter-BMW-Spitzenmodelle.

(ID:43638142)