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Mercedes-Rückrufe betreffen vier Baureihen

| Autor / Redakteur: Niko Ganzer / Andreas Grimm

In der G-Klasse könnte die Kindersicherung falsch eingestellt werden, in der A-Klasse und dem CLA könnte sich Kältemittel entzünden und im AMG GT das Notrufsystem nicht korrekt funktionieren.

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Die G-Klasse ist nur eine von mehreren betroffenen Mercedes-Baureihen, die in die Werkstätten müssen. Sie ist allerdings am umfassendsten betroffen.
Die G-Klasse ist nur eine von mehreren betroffenen Mercedes-Baureihen, die in die Werkstätten müssen. Sie ist allerdings am umfassendsten betroffen.
(Bild: Daimler AG)

Drei neue Rückrufe gibt es von Mercedes-Benz zu vermelden. Die größte Aktion dreht sich um die G-Klasse. Bei knapp 5.500 in Deutschland gemeldeten Exemplaren der Baureihe 463 könnte der Schließzustand der Kindersicherung in den hinteren Türen falsch eingeschätzt werden. Weltweit betrifft das Problem fast 35.000 Geländewagen aus dem Bauzeitraum Februar 2018 bis September 2019.

Schuld an der Maßnahme sei ein falsch eingeprägtes Schloss-Symbol am Betätigungshebel für die Kindersicherung, erklärte ein Konzern-Sprecher auf Anfrage. „Dadurch könnten Fondtüren trotz vermeintlicher Verriegelung von innen geöffnet werden. Umgekehrt könnten Fondtüren trotz vermeintlicher Entriegelung nicht von innen geöffnet werden“, sagte er. Die falsche Prägung werde mit einem korrekten Hinweisschild überklebt. Ein Tausch der Betriebsanleitung sei nicht nötig, da dort die Betätigungsrichtung der Kindersicherung korrekt dargestellt und beschrieben sei. Die Aktion mit dem internen Code „7390003“ dauert den Angaben zufolge maximal 30 Minuten.

Erhöhtes Brandrisiko im Crashfall

Die beiden anderen Rückrufe sind zwar nicht sonderlich umfangreich, die Fehlermeldungen sind dafür spannend. Die Aktion für weltweit rund 1.100 Einheiten der A-Klasse und des CLA (BR177 und 118) dreht sich indirekt nämlich wieder um das Klimaanlagen-Kältemittel R1234yf, das die Schwaben aus Sicherheitsgründen einst verpönt hatten, um dann später doch umzuschwenken. Bekanntlich sind mit der Chemikalie befüllte Fahrzeuge inzwischen mit einer Art Feuerlöscher ausgerüstet, der bei einem schweren Unfall eine Entzündung an heißen Motorteilen verhindern soll.

Diese so genannte Inertisierungsanlage, die mit dem Schutzgas Argon arbeitet, ist nun Auslöser für die Maßnahme mit dem internen Code „8690001“. Eine nicht korrekte Verbindung der Gasleitung an den Gasgenerator könnte die vorgesehene Verteilung des Argongases und damit das Herunterkühlen beeinträchtigen. „Dadurch könnte das Brandentstehungsrisiko im Crashfall nicht wie vorgesehen reduziert werden“, sagte der Sprecher. Der vorgesehene Werkstattaufenthalt für die Prüfung und gegebenenfalls die Korrektur der Befestigung der Gasleitung an den Gasgenerator soll eine Stunde in Anspruch nehmen. In Deutschland ist sie für 385 Autos vorgesehen. Sie liefen zwischen 6. und 14. Mai des vergangenen Jahres vom Band.

E-Call-Probleme beim AMG GT

Auch die Aktion „5491018“ lässt aufhorchen, denn die fehlerhafte Positionsbestimmung bei einem Notruf durch das E-Call-System sorgt derzeit beim VW-Konzern für Schlagzeilen. Anders als in Wolfsburg geht es bei den Stuttgartern aber nicht um ein Software-, sondern um ein Hardwareproblem. Weltweit 783 Edelboliden vom Typ AMG GT, GT C, GT R und GT S (BR190) könnte es an einem Massekabel im Leitungssatz des Kommunikationsmoduls mangeln. „Die Masseanbindung des Kommunikationsmoduls könnte in diesem Fall unbeabsichtigt über die Schirmung des Mikrofons erfolgen“, so der Sprecher.

Da diese dafür nicht ausgelegt sei, drohten Fehlfunktionen im Falle eines automatisch oder manuell ausgelösten Notrufs. Ein vollständiger Ausfalls des Kommunikationsmoduls würde aber im Kombiinstrument angezeigt, betonte der Sprecher. Die Nacharbeit des Leitungssatzes soll etwa 90 Minuten dauern und ist in Deutschland für 332 Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum 28. Januar bis 22. Oktober 2019 vorgesehen.

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 Niko Ganzer

Niko Ganzer

Freier Journalist