Mercedes Sprinter: Revolution im Innern

Neuer Sprinter punktet mit Konnektivität und Pkw-Feeling

| Autor: Dominik Faust

Der neue Sprinter fährt sich wie ein Pkw. Ab Juni ist er bei den Händlern.
Der neue Sprinter fährt sich wie ein Pkw. Ab Juni ist er bei den Händlern. (Bild: Faust / »kfz-betrieb«)

Um es vorweg zu nehmen: Die dritte Generation des Sprinters hat sich im Vergleich zum letzten Facelift der Vorgängergeneration äußerlich wenig verändert. Allenfalls fällt die Frontpartie mit ihren deutlich schmaleren Scheinwerfern sowie den weit hochgezogenen Stoßfängern auf.

Dennoch ist der neue Transporter, der in den vergangenen 20 Jahren einer ganzen Sparte seinen Namen gegeben hat, eine kleine Revolution. Um die technischen Umwälzungen wahrnehmen zu können, muss man sich hinters Steuer des neuen Sprinters setzen und ihn fahren. Dazu hatten Journalisten aus aller Welt in dieser Woche Gelegenheit.

In einem Kleintransporter ist der Motor laut, die Schaltung klemmt, der Aufbau knarzt und das Chassis scheppert? Wer bisher solche Erfahrungen gemacht hat, wird sich wundern, wenn er in den neuen Sprinter steigt. Denn als Fahrer vergisst man sofort, dass man am Steuer eines Kastenwagens, eines Pritschenwagens, eines Reisemobils oder eines Kleinbusses sitzt. Vielmehr stellt sich das Gefühl ein, in einem – zugegebenermaßen deutlich höher gelegten – Pkw Platz genommen zu haben. Zu diesem Eindruck trägt zunächst das Lenkrad bei, über das sich etliche Assistenzsysteme ansteuern lassen. Hinzu kommt das 10,25 Zoll große Display in der Mitte des Armaturenbretts, das Bestandteil höherwertiger Ausstattungen ist.

Statt „Alexa“ fährt „Mercedes“ mit

Das Display ist die Schnittstelle zum Multimediasystem MBUX, das es bislang nur in der A-Klasse gibt. Daimler hatte es Anfang des Jahres auf der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas vorgestellt. Das MBUX kann sowohl über das Lenkrad als auch via Touchscreen oder mittels der neuen Spracherkennung angesteuert werden. Letztere funktioniert im Prinzip wie Alexa, ist aber eine Eigenentwicklung des Herstellers. Sprachbefehle werden immer mit dem Begriff „Mercedes“ eingeleitet, woraufhin eine freundliche Stimme fragt, wie das System behilflich sein kann. Wer allerdings beim Fahren Fachgespräche über die Marke führen will, sollte ihren Namen möglichst vermeiden. Andernfalls schaltet sich die Sprachassistentin gleichen Namens jedes Mal ein und fragt, was sie tun soll.

Eine weitere elektronische Neuerung ist die Integration des Systems Mercedes Pro connect. Es verbindet den Fuhrparkmanager mit allen Fahrzeugen und Fahrern seiner Flotte. So können Aufträge online gesteuert und Fahrzeuginformationen wie Standort, Kraftstoffvorrat oder Wartungsintervalle nahezu in Echtzeit abgefragt werden. Zum Marktstart von Mercedes Pro connect als Werkslösung für den Sprinter bietet Daimler acht Pakete mit zentralen flotten-, fahrzeug-, fahrer- und standortbasierten Diensten an. Dazu zählen Fahrzeugstatus, Fahrzeuglogistik, Wartungs- und Unfallmanagement sowie ein digitales Fahrtenbuch.

Mit der Drei-Wörter-Adresse an jedes Ziel

Weil Transporter häufig auch dorthin müssen, wo es (noch) keine Straßen oder gar Hausnummern gibt, hat sich Daimler eine völlig neuartige Navigationshilfe für Sprinterfahrer einfallen lassen. Dazu griff der Hersteller auf die Innovation des britischen Start-ups „What3words“ zurück. Es teilte die ganze Erdoberfläche in drei Mal drei Meter große Felder ein und definierte jedes Quadrat mit einer einmaligen Kombination aus drei Begriffen. Jede dieser Drei-Wörter-Adresse entspricht also einem Gebiet von neun Quadratmetern. Auf diese Weise lassen sich Sprinter präzise dorthin steuern, wo sie ihre Ladung aufnehmen oder löschen sollen – selbst an einer beliebigen Stelle eines übergroßen niederländischen Tulpenfeldes. Die entsprechenden Ziele können dem Fahrer mittels Mercedes Pro direkt aufs Display geschickt werden. Oder er gibt die drei Wörter-Koordinaten mittels Sprachsteuerung ein – die trennenden Punkte zwischen den Begriffen muss er dabei allerdings mitsprechen, sonst erkennt sie das System nicht als Drei-Wörter-Adresse.

Viele Neuerungen unter der Fahrerzelle

Das Pkw-Feeling entsteht aber nicht nur durch die Konnektivitäts-Elemente und die elektronischen Assistenz- und Sicherheitssysteme, sondern auch durch den Fahrkomfort. Verantwortlich dafür sind unter anderem die neuen bequemen Sitze, die elektrische Lenkung sowie die für einen Transporter sehr gute Schallisolierung. Hinzu kommen zwei neu entwickelte Getriebe für den Frontantrieb sowie der im Transporter-Segment erstmalige Einsatz einer Neun-Gang-Wandlerautomatik. Die Gangstufungen wurden auf ein bestmögliches Verhältnis zwischen Verbrauch und agilem Fahrverhalten getrimmt. Anders als noch früher lässt sich das neue Sechsgang-Schaltgetriebe ohne lästige Vibrationen am Schalthebel bedienen. Auch unter der Fahrerzelle hat Daimler viel erneuert. Dazu gehört der Vorderradantrieb. Weil dadurch der Antriebsstrang nach hinten wegfiel, reduzierte sich die Laderampe um acht Zentimeter. Mehr Komfort und Effizienz bieten außerdem das völlig neue Bremssystem, Alu-Zylinderköpfe sowie ein SCR-Katalysator.

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Dominik Faust
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