Mercedes: Virtueller Produktexperte für unterwegs

Autor: Dr. Dominik Faust

Um die immer komplexeren Funktionen eines Fahrzeugs noch erklären zu können, braucht man mittlerweile künstliche Intelligenz. Im Nutzfahrzeugbereich wird daran bereits seit geraumer Zeit gearbeitet. Jetzt hat Daimler einen virtuellen Produktexperten auch für Pkws erschaffen.

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So funktioniert der virtuelle Assistent in der neuen E- und S-Klasse.
So funktioniert der virtuelle Assistent in der neuen E- und S-Klasse.
(Bild: Daimler AG)

Mercedes-Benz-Produktexperten und Verkäufer sind nicht zu beneiden. Der Hersteller integriert ständig neue Funktionen in seine Fahrzeuge. Sie stets aus dem Effeff zu beherrschen und interessierten Autohausbesuchern kompetent erklären zu können, ist eine permanente Herausforderung. Jetzt kommt Unterstützung in Form eines virtuellen Assistenten: Daimler hat die kostenlose App „Ask Mercedes“ entwickelt.

Die Software ist gefüllt mit Antworten auf mehrere tausend Fragen, die die Entwickler zuvor gesammelt haben. Der Chatbot antwortet in Echtzeit sowohl in Textform als auch über Bilder und Videos. Nutzer können die dazugehörigen Fragen auf dem Smartphone eintippen oder per Spracherkennung stellen. Zudem kann die App via Facebook Messenger sowie über die Sprachassistenten Google Home und Amazon Echo genutzt werden. Fahrern der neuen E- und S-Klasse steht noch eine weitere Funktion zur Verfügung: Sie können mit der Kamera ihres Smartphones Schalter oder Anzeigen ihres Fahrzeugs, über die sie mehr wissen wollen, scannen. Das System erkennt die erfassten Bedienelemente und blendet Ziffern ein. Wer darauf klickt, erhält die entsprechenden Erklärungen. Auf dem Bildschirm wird die Realität somit um Zusatzinformationen erweitert (Augmented Reality).

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Neu ist die Technik als Teil von Mensch-Maschinen-Schnittstellen im Automobilbereich nicht. Vielmehr wird Augmented Reality bereits seit einiger Zeit bei Nutzfahrzeugen eingesetzt. Die Hersteller bauen ihre entsprechende Softwarekompetenz derzeit massiv aus. So hat die VW-Tochter Scania im Februar 2017 auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona das interaktive Fahrzeughandbuch „Guide me“ als Teil des Systems Scania One vorgestellt. Mit Hilfe einer App scannt der Fahrer über bestimmte Instrumente oder Schalter am Armaturenbrett seines Trucks. Sobald das Gerät entsprechende Symbole in der Instrumententafel erkennt, zeigt es Informationen als Text oder im Videoformat an.

Ein anderes Beispiel stammt aus der Software-Schmiede Daimler Fleetboard. Zusammen mit dem Berliner Start-up Everybag entwickelte sie die App „Fleetboard Vehicle Lens“. Fahrer scannen mit ihrem Smartphone das Nummernschild des Trucks, den sie fahren sollen. Die App erkennt daraufhin den Lkw und spielt dem Fahrer an den passenden Stellen am Fahrzeug relevante Informationen per Augmented Reality auf den Bildschirm ein. Dazu gehören aktuelle Daten zu Reifendruck oder Verschleiß, Informationen zur Laufleistung des Motors, zum nächsten geplanten Werkstattaufenthalt, zum vorherigen Fahrer und dessen Fahrstrecke, zum Tankfüllstand und zur Ausstattung. Ähnlich funktioniert die digitale Checkliste von Scania.

Hinter all diesen Möglichkeiten steht die Grundfunktion, Aufnahmen der Realität mit hinterlegten Daten visuell zu ergänzen. Genau das macht jetzt auch die App „Ask Mercedes“. Für Britta Seeger, im Daimler-Vorstand verantwortlich für den Vertrieb von Mercedes-Pkws, ist der virtuelle Assistent eine wichtige Innovation: „Wir schaffen ein personalisiertes Kundenerlebnis, das weit über das Fahrzeug hinausgeht. Mit innovativen Services wie Ask Mercedes bauen wir dafür unser digitales Ökosystem weiter aus“, wird sie in einer Meldung zitiert. Wann die App auch in Deutschland verfügbar sein wird, ist allerdings noch offen. Zunächst startet sie noch in diesem Jahr in englischer Sprache in Südafrika und Malaysia. Eine auf die Augmented-Reality-Funktionen begrenzte Version geht parallel in den USA online. Anfang 2018 ist die Einführung in Indien und Hongkong vorgesehen. Dann soll nach Daimler-Angaben auch eine Version in deutscher Sprache erhältlich sein.

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Über den Autor

Dr. Dominik Faust

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Founder & CEO viadoo GmbH