Wenn die BMW-Entwickler hier oben im einsamen Wales ausnahmsweise mal den Platz hinter dem Lenkrad räumen und schon Monate vor der ersten offiziellen Testfahrt einen Gast ans Steuer lassen, dann spürt man das Ergebnis ihrer Arbeit auf den ersten Metern. Der neue Fünfer fühlt sich auf den engen Straßen tatsächlich engagierter an als seine Konkurrenten und schürt ein Feuer im Fahrer, als wäre er ein verkappter Sportwagen, den man nur widerwillig in das Gewand einer Limousine gesteckt hat.
Die Lenkung direkt, das Fahrwerk stramm, die Karosserie steif, der Aufbau ruhig – so schnürt der Bayer fürs Business durch Britannien und lässt einen fast vergessen, dass man in einem Fünf-Meter-Auto von knapp zwei Tonnen sitzt. Und wenn die Straße doch mal etwas breiter wird, die Kurven weiter sind und man ausnahmsweise bis zum Horizont sehen kann, dann lässt sich das Auto auch entspannt bewegen und man spürt dieses Grundvertrauen, das die Vielfahrer bei ihren Vollgasritten auf der Autobahn so schätzen.
Viel Einstellen muss man dafür nicht. Zwar hat der Fünfer von der adaptiven Dämpfung über die Progressivlenkung und die mitlenkende Hinterachse bis hin zur Wankstabilisierung alles, was die Fahrwerkstechnik an Finessen hergibt. Und natürlich lässt sich jedes der Systeme individuell konfigurieren. Doch erstens predigt van As einen sehr traditionellen Ansatz und legt Wert darauf, dass die mechanische Grundauslegung gesund ist, weil man sonst mit der ganzen Elektronik nur kuriert und kaschiert. Und zweitens gibt es am bekannten Fahrerlebnis-Schalter nun einen so genannten Adaptive-Mode, der sich ziemlich zuverlässig selbst dem Fahrstil anpasst und dabei nicht nur auf den Fahrer schaut, sondern auch die Navigationsdaten mit einbezieht.
Natürlich wissen sie auch bei BMW, dass die Fahrdynamik in diesen Tagen nicht mehr die wichtigste Tugend eines Autos ist, selbst wenn sie die Freude am Fahren noch immer als Motto der Marke feiern. Technisch eng verwandt mit dem vor Jahresfrist eingeführten Siebener bekommt auch der Fünfer deshalb das gesamte Komfort- und Assistenzpaket des Flaggschiffs, ein digitales Cockpit samt Gestensteuerung und einen Autopiloten mit noch mehr Autonomie.
Doch van As ist davon überzeugt, dass seine Arbeit am Ende den Unterschied machen wird. Denn Assistenzsysteme, Infotainment und all die modernen Gimmicks bieten erstens viele Hersteller und sind zweitens verwechselbar, weil sie meist doch von den gleichen Zulieferern kommen. „Aber wenn man die Augen schließt und sich nur auf seine anderen Sinne verlässt, dann ist es am Ende unsere Arbeit, die einen diese Limousine als typischen BMW erkennen lässt.“
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