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Neues Mercedes-Fahrwerk: „Magic Body Control“

| Autor / Redakteur: Jens Meiners/SP-X / Andreas Wehner

Daimler hat eine Variation des aus der Mercedes S-Klasse bekannten ABC-Fahrwerks entwickelt, die auf Kameradaten zurückgreift und sich damit bereits vorab auf den Straßenzustand einstellen kann.

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S-Klasse-Prototyp mit Magic Body Control: Die Frontpartie trägt noch eine Versuchsanordnung mit Laseroptik.
S-Klasse-Prototyp mit Magic Body Control: Die Frontpartie trägt noch eine Versuchsanordnung mit Laseroptik.
( Archiv: Vogel Business Media )

Das heutige Niveau in Sachen Straßenlage und Komfort ist sehr hoch - Verbesserungen revolutionärer Natur sind beim Fahrwerk daher eigentlich kaum noch zu erwarten. Umso bemerkenswerter ist das, was Mercedes-Benz jetzt entwickelt hat: Unter der Bezeichnung „Magic Body Control“ wurde eine Variation des aus der S-Klasse bekannten ABC-Fahrwerks entwickelt, die auf Kameradaten zurückgreift und sich damit bereits vorab auf den Straßenzustand einstellen kann.

Die Idee ist bereits einige Jahre alt; mit der Nutzung der Stereokamera, die auch die Daten für das Abstandsregelsystem Distronic liefert, rückt die Umsetzung in die Serie jetzt allerdings einen großen Schritt näher. Die am oberen Rand der Windschutzscheibe angebrachte Kamera erfasst einen Bereich von 5 bis 15 Metern vor dem Fahrzeug auf 1 bis 2 Millimeter genau und weiß dank komplexer Rechenoperationen auch bei Kurvenfahrt exakt, wo sich Bruchteile einer Sekunde später die Räder des Fahrzeugs befinden werden.

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Diese Daten werden in das Steuergerät des ABC-Fahrwerks eingespeist, über das wiederum die Ölmenge in den vier einzeln angesteuerten Federbeinen reguliert wird. Die Entwickler um S-Klasse-Baureihenleiter Hans Multhaupt und Forschungschef Prof. Bharat Balasubramanian wollen auf diese Weise die Aufbaubewegungen weitgehend kompensieren.

Deutlich mehr Komfort bis 130 km/h

Das funktioniert in der Praxis so gut, dass die verschiedenen Teststrecken, die wir mit einem Prototypen der S-Klasse im Umfeld von Sindelfingen abfahren konnten, buchstäblich nicht mehr wiederzuerkennen waren. Kurze wie lange Bodenwellen werden praktisch restlos absorbiert, und zwar bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h; darüber blendet sich „Magic Body Control“ langsam aus.

Lediglich extrem kurze Unebenheiten, wie sie etwa Bordsteine darstellen, können nicht mehr kompensiert werden. Das Fahren in der S-Klasse gewinnt selbst im Vergleich zum bereits sehr guten, herkömmlichen ABC-Fahrwerk nochmals signifikant an Komfort - ganz besonders auf längeren Fahrten auf der Landstraße.

Bis auf Weiteres nur für S-Klasse und CL-Coupé

Während Daimler plant, die ABC-Technik auch für Wettbewerber freizugeben, so gilt dies explizit nicht für das kamerabasierte „Magic Body Control“-System - denn den errungenen Wettbewerbsvorsprung möchten die Stuttgarter so schnell nicht aufgeben. Allerdings darf sich die Konkurrenz damit trösten, dass die Technik, wenn sie in rund drei Jahren auf den Markt kommt, bis auf Weiteres der nächsten Generation der S-Klasse und dem von ihr abgeleiteten CL-Coupé vorbehalten bleibt. Sie benötigt nämlich zwingend das ABC-Fahrwerk - und das ist momentan zu aufwendig und zu schwer, um auch in anderen Fahrzeugklassen eingesetzt zu werden.

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