Neuzulassungen März: Segmente zeigen deutliche Unterschiede

Autor: Andreas Grimm

Der gesellschaftliche Lockdown hat dem Neuwagenmarkt in Deutschland schwer zugesetzt. An der Entwicklung hatten alle Marktsegmente ihren Anteil, zwei waren aber besonders stark rückläufig.

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(Foto: Ford)

Der Neuwagenmarkt ist ab Mitte März laut einer Kurzanalyse der Managementberatung EY um rund zwei Drittel eingebrochen – im Gesamtmonat sank die Zahl der Erstzulassungen um 37,7 Prozent. Dafür verantwortlich sind jedoch nicht allein die Privat- und Geschäftskunden, prozentual haben die Autovermieter sowie die Händler die Neuzulassungen noch viel stärker eingeschränkt, ergab eine Auswertung der Marktbeobachter von Dataforce.

Den Angaben zufolge brachten die Autovermieter nur noch rund 18.100 Neufahrzeuge auf die Straßen. Das waren 57,4 Prozent weniger als im März des Vorjahres. Einerseits sorgten die Kontaktbeschränkungen für einen rapiden Rückgang der Reisetätigkeit im privaten wie beruflichen Umfeld. Dazu kommt möglicherweise die Befürchtung potenzieller Kunden, sich in einem Mietwagen anzustecken. Da die Vorbehalte noch anhalten werden, werde es wohl in den nächsten Monaten kaum noch Buchungen geben, erwartet Dataforce – mit entsprechenden Folgen für die Absatzzahlen.

Den prozentual zweitstärksten Rückgang der Neuzulassungen registrierte Dataforce im Handel. Die Autohäuser ließen im vergangenen Monat noch 32.500 Neuwagen zu, das waren 52,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Neben geschlossenen Zulassungsstellen, die taktische Zulassungen zur Erreichung der Monats- und Quartalsziele verhinderten (sofern dies angesichts der Hilfsmaßnahmen der Hersteller und Importeure überhaupt notwendig gewesen wäre), werden zudem die unklaren Vermarktungsmöglichkeiten der Tageszulassungen die Zurückhaltung begünstigt haben.

Die Hersteller und Importeure ließen im März noch knapp 20.000 Einheiten zu, ein Rückgang um 31,7 Prozent.

Dagegen hat sich der Flottenmarkt selbst im Krisen-März als stabilisierender Anker erwiesen. In diesem Absatzkanal sanken die Neuzulassungen zwar ebenfalls kräftig, aber eben nur um 22,3 Prozent. Ein Grund für die Stabilität lässt sich aus einer Dataforce-Befragung unter Fuhrpark-Verantwortlichen ableiten: Nur wenige Betriebe haben bislang ihre Bestellungen storniert. Der aktuelle Rückgang „dürfte daher noch hauptsächlich auf Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit und Zulassung von Firmenwagen zurückzuführen sein“, heißt es in der Dataforce-Auswertung.

Bleibt der für Krisen besonders anfällige Privatmarkt, der im März 34,4 Prozent rückläufig war. Da die meisten im März zugelassenen Pkw schon Monate zuvor bestellt und produziert worden sein dürften, liegt wohl auch hier die Hauptursache in geschlossenen Showrooms und Zulassungsstellen. Ob es zu einem signifikanten Nachfragerückgang im Privatgeschäft kommt, wird damit letztlich erst in den nächsten Monaten sichtbar werden.

Transportermarkt bleibt relativ stabil

In der Sonderauswertung des Transportermarkts, die die Neuzulassungen von leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities betrachtet, zeigt sich das gleiche Bild wie auf dem Gesamtmarkt – bei deutlich größeren Unterschieden. Firmenflotten (- 14,2 %) und Privatpersonen (- 18.3 %) sowie der Fahrzeugbau (- 13,5 %) verzeichneten einen weniger dramatischen Rückgang.

Hingegen traten die Autovermieter (- 63,6 %) und der Fahrzeughandel (- 39,8 %) umso kräftiger auf die Bremse. Insgesamt wurden im März 2020 24,3 Prozent weniger Transporter zugelassen als vor Jahresfrist.

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«