In der Innung Kiel-Neumünster endet eine Ära. Obermeister Hans W.Hansen übergibt das Amt an Torsten Lütten. Als Dieselpapst hat sich Hansen in der Dieselkrise einen Namen gemacht.
Der neue und der bisherige Obermeister (v.l.): Torsten Lütten folgt Hans Wilhelm Hansen ins Amt des Innungsobermeisters von Kiel-Neumünster.
(Bild: Holger Zietz - VCG)
Nach 25 Jahren an der Spitze der Kfz-Innung Kiel-Neumünster hat Hans Willem Hansen, in Fachkreisen liebevoll als „Dieselpapst“ bezeichnet, das Amt des Obermeisters niedergelegt. Sein Rückzug markiert das Ende einer Ära, die von fachlicher Exzellenz, Innovationsgeist und unermüdlichem Engagement für das Kraftfahrzeuggewerbe in Schleswig-Holstein geprägt war.
Im stilvollen Rahmen des Gutshofes Bossee verabschiedete die Innung am 2. Juli ihren langjährigen Vorsitzenden mit einer Grillparty – ein würdiger Abschied für einen Mann, der das Gesicht der Branche in der Region nachhaltig geprägt hat.
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Der Dieselpapst und die Dieselkrise
Hansen, der ursprünglich als Englischlehrer begann und später seine Leidenschaft für Technik zum Beruf machte, galt während der Dieselkrise als gefragter Experte. In Medien und auf Workshops war er eine geschätzte Stimme, die das komplexe Thema des Selbstzünders mit Sachverstand und Begeisterung vermittelte. „Der Diesel als Selbstzünder ist einfach eine faszinierende Technik“, betonte Jörg Koepsel in seiner Laudatio auf Hansen.
Für seine Verdienste wurde Hansen vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe mit der ZDK-Ehrennadel in Silber ausgezeichnet, als Zeichen der Anerkennung für sein jahrzehntelanges Wirken.
Meilensteine in der Amtszeit: Fusion und Innovation
Die Amtszeit Hansens war von bedeutenden Entwicklungen geprägt. 2013 führte er die Fusion der Innungen Kiel und Neumünster herbei, wodurch die Interessenvertretung der rund 100 Mitgliedsbetriebe gestärkt wurde. Die Innung entwickelte sich zu einer modernen, zukunftsorientierten Organisation, die nicht nur die fachlichen und wirtschaftlichen Belange ihrer Mitglieder vertritt, sondern auch innovative Projekte realisiert.
Ein Beispiel hierfür ist das Seifenkistenrennen in der Kieler Innenstadt, das 2015 mit dem „Blauen Kalligrafen in Silber“ des Zentralverbandes ausgezeichnet wurde und ein Publikumsmagnet war.
Bildung als Herzensangelegenheit
Neben dem technischen Fortschritt lag Hansen besonders die Aus- und Fortbildung am Herzen. Er holte die Hochvoltausbildung nach Kiel und engagierte sich für die Qualität der Ausbildung im Kfz-Gewerbe. Die Entscheidung der Handwerkskammer, diese Ausbildung wieder ins Kammerbildungszentrum nach Lübeck zu verlegen, traf ihn persönlich: „Dabei war doch in Kiel alles vorhanden“, so Hansen.
Auch die Prüfungsmodalitäten für angehende Kfz-Mechatroniker beschäftigten ihn über Jahre. Während die Prüfungen bislang analog durchgeführt wurden, setzte sich Hansen für eine Digitalisierung ein – eine Entscheidung, die noch aussteht.
Ein Abschied ohne Groll und nicht so ganz
Hans W. Hansen betont, dass er nie am Amt geklebt habe. Bereits vor Jahren hatte ein Nachfolger das Amt übernommen, aber nach kurzer Zeit wieder abgegeben. Nun übergibt Hansen an Torsten Lütten, der ihn ein halbes Jahr lang begleitet hat und mit den Herausforderungen vertraut ist. „Ich weiß, was auf mich zukommt“, sagt Lütten zuversichtlich. Lütten betreibt in Neumünster eine freie Kfz-Werkstatt.
Hansen bleibt der Innung verbunden: Er möchte weiterhin AU-Schulungen anbieten und in der Schiedsstelle tätig bleiben. „Das macht mir Spaß und ich lerne viele Menschen und Situationen kennen“, erklärt er. Bemerkenswert: Der bekennende Dieselfreund fährt inzwischen ein Elektroauto.
Die Kfz-Innung Kiel-Neumünster mit Sitz in Kiel betreut rund 100 Betriebe und begleitet jährlich etwa 70 Auszubildende auf ihrem Weg zum Mechatroniker oder zur Mechatronikerin. Die Fusion, innovative Projekte und der Fokus auf Aus- und Weiterbildung prägen das Selbstverständnis der Organisation. Hansens Wirken hat diese Entwicklung maßgeblich gestaltet.
Stand: 08.12.2025
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