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Offene Gesprächskultur überwindet Krisen

| Autor: Stephan Richter

Walter Müller hat als Direktor der Mercedes-Benz-Niederlassung in Berlin seine Lebensaufgabe gefunden. Wie er das Unternehmen 17 Jahre erfolgreich führte, berichtet er im Abschiedsgespräch mit »kfz-betrieb«.

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Walter Müller verlässt die Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin.
Walter Müller verlässt die Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin.
(Foto: Richter)

Wer wie Walter Müller 17 Jahre lang die größte und älteste Mercedes-Benz-Niederlassung führt, blickt nicht ohne Grund auf einen derartigen Erfolg zurück. Als Direktor der Berliner Mercedes-Benz-Betriebe ist Müller zum Jahresende offiziell ausgeschieden. In seinem Abschiedsgespräch mit »kfz-betrieb« verrät er einige seiner Grundsätze der Personal- und Unternehmensführung.

Müller ist ein Perfektionist, dem bei jedem Gang durch seine vierzehn Betriebe mit 1.400 Mitarbeitern etwas auffiel, was man verändern könnte. Es sei nicht schlimm, Fehler zu machen, sagt Müller. Sie jedoch weder abzustellen noch durch bessere Prozesse zu verhindern, ärgert ihn und lässt ihn ungehalten werden. Diese Einstellung hat er stets von seiner gesamten Geschäftsleitung und seinen Mitarbeitern eingefordert.

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Fünf Jahre Niederlassungsleiter, lautete der ursprüngliche Plan. Walter Müller machte 17 draus. Wenn er von dieser Zeit in Berlin erzählt, wirkt er nicht müde – auch nicht nach den häufig mehr als zwölfstündigen Arbeitstagen zuzüglich den gesellschaftlichen Verpflichtungen, die Berlin täglich bietet. Eine Stadt, die nie schläft; wie gemacht für Walter Müller.

Krisenbewältigung im Dialog mit den Mitarbeitern

Rückblickend benennt Müller das Jahr 2009 als das wichtigste, wenn auch schwierigste Jahr seiner Amtszeit. Er verbrachte es im Dialog mit seinen Mitarbeitern und Kunden. Ausschlaggebend war die Wirtschafts- und Nachfragekrise nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers. Schon eine Woche danach stoppten im Mercedes-Werk in Wörth die Maschinen, am Logistikzentrum in Sindelfingen standen die Autotransporter. Es musste etwas geschehen: Gemeinsam mit seinen Geschäftsführern und dem Betriebsrat fuhr Müller durch seine Niederlassungsbetriebe – im Gepäck die Botschaft, dass das Unternehmen die Krise übersteht, jedoch ohne die Gewissheit, wie die Zukunft aussieht.

Dank dieser offenen Gesprächskultur prasselten in den kommenden Wochen „Tausende von Ideen“ der Mitarbeiter auf die Geschäftsführung ein, welche Prozesse sich optimieren ließen, erinnert sich Müller. Mit einem Mitarbeiterstamm, der „zu fast allen Schandtaten“ bereit war, stemmten sich die Standorte gegen die Krise und fuhren in dem schwierigen Jahr sogar ein Rekordergebnis ein.

Mitarbeiter nicht nur weisungsgebunden führen

Dieses Verhalten der Mitarbeiter hat ihn in dem Wissen bestärkt, dass sein Unternehmen auch schlechte Zeiten überwinden kann. Dafür müsse die Geschäftsleitung aber auch dazu bereit sein, ihren Mitarbeitern etwas zuzutrauen, sagt Müller. Es sei schlichtweg falsch, Menschen nur weisungsgebunden zu führen. Die gleichen Personen, die zu Hause wichtige finanzielle Entscheidungen treffen oder die Ausbildung ihrer Kinder planen, seien auch dazu bereit, im Unternehmen Verantwortung zu tragen und die Initiative zu ergreifen. Viele Unternehmen nutzten dieses Potenzial nicht aus und schafften mit diesen konträren Welten einen Widerspruch in sich.

Potenziale zu heben, heißt für Müller zugleich, langfristig in die Aus- und Weiterbildung der Belegschaft zu investieren. Von den mehr als 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Niederlassung Berlin wurden über 1.000 in der Ära Walter Müller eingestellt.

Check-in am Airport-Center

Gute Mitarbeiter gehen auf die Wünsche der Kunden ein. Daher bietet die Niederlassung schon lange über Mercedes-Benz Rent ein Vermietprogramm an, um die Mobilität der Kunden während eines Werkstattbesuchs zu gewährleisten. Ein Element dieser Dienstleistung ist das jüngst eröffnete Airport-Center: So selbstverständlich, wie der Kunde sein Fahrzeug nur zwanzig Meter vom Check-in abgeben und wieder im Empfang nehmen kann, soll er seinen Leihwagen bei Mercedes anmieten.

Müller sieht den Konzern mit Konzepten wie „Car2Go“ auf dem richtigen Weg. Es sei wichtig, dem Kunden nicht fünf verschiedene Dienstleister zu präsentieren, sondern das komplexe Angebot so kompakt und leicht verständlich wie möglich zu gestalten. Diese Konzepte in der Niederlassung umzusetzen sei eine der wichtigsten Aufgaben seines Nachfolgers Jürgen Herrmann. Sie sind Teil der „Best-Customer-Experience“-Strategie der Daimler AG, die prägend für die Arbeit der kommenden fünf Jahren ist.

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