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Oldie-Veranstalter bewerten erste digitale Events positiv

| Autor: Steffen Dominsky

Angefangen von Webinaren bis hin zu Messen: Die Klassik-Szene nutzt den (Live-) Austausch per Internet. Selbst an Oldie-Auktionen kann man mittlerweile bequem von der Couch aus teilnehmen. Ein neues Angebot geht sogar in die Verlängerung.

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Oldiemesse mit „social distancing“: Corona macht auch die Klassikszene digital – notgedrungen.
Oldiemesse mit „social distancing“: Corona macht auch die Klassikszene digital – notgedrungen.
(Bild: Classics to Click)

Klar, es gibt auch den vielzitierten Nachwuchs, also „junge Leute“ – wen man auch immer darunter versteht. Aber Hand aufs Herz: Mehrheitlich prägen die Alten die Oldie-Szene. Und wie das bei Menschen fortgeschrittenen Alters nun mal so ist: Man mag einfach das Bekannte, das Gewohnte. Bei Neuem ist man, sagen wir, im Idealfall „freundlich interessiert“. Doch auch die bereits etwas Betagteren unter den Liebhabern klassischer Automobile dürften das Internet mittlerweile zumindest schätzen gelernt haben. Zu mannigfaltig sind die Vorteile,die man mithilfe des alles und alle verbindenden Netzwerks erzielen kann.

Doch was das Thema „digitale Messen“ im Allgemeinen, und „digitale Oldiemessen“ im Speziellen angeht, da herrschte bislang das Motto „Gab’s nicht, war auch nicht nötig!“ Doch ein allseits bekannter Virus aus China machte es sozusagen doch nötig, nach Alternativen zu klassischen Präsenzmessen zu suchen. Klar ist: Eine „echte“ Techno, Retro oder Classic Motorshow kann eine Oldtimermesse im Internet nicht abbilden – aber das dürfte jedem aus der Branche bewusst sein. Auch dem „Oldie Car Cover“ (OCC), einem bekannten Anbieter spezieller Classic-Car-Versicherungen. Unter dem Titel „Classics to Click“ rief der OCC zusammen mit den Partnern BMW Group Classic, TÜV Süd Classic, Classic Data, Classic Trader, PS Speicher Einbeck und Micare die erste virtuelle Oldtimermesse aus.

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Virtuelle Oldtimermesse geht in die Verlängerung

„Wir haben bei der 'Classics to Click' inzwischen fast 4.000 Anmeldungen registriert. Dabei haben sich unsere Besucher vor allem für die Fachvorträge, den Marktplatz und die 360°-Sonderschau interessiert. Nach wie vor registrieren sich jeden Tag neue Nutzer und erkunden die Video-Aufzeichnungen des Live-Tags und die Messestände der Aussteller. Deshalb werden wir die Classics to Click, die erste Onlinemesse für Oldtimer, Youngtimer und Co, um drei weitere Wochen bis zum 31. Juli 2020 verlängern, zudem ergänzen zusätzliche Inhalte dieses verlängerte Angebot“, erklärt Daniela Friedrich, Teamlead of Marketing bei OCC, auf Nachfrage von »kfz-betrieb«. Gestartet war das Messe-Event im Internet am 19. Juni und sollte ursprünglich nur bis 10. Juli online sein. Offenbar gibt der Erfolg den Machern Recht; die Planungen für eine weitere Classics to Click laufen bereits.

Und auch ein weiteres Versicherungsunternehmen, das in der Oldie-Landschaft tief verwurzelt ist, der Spezialversicherer Hiscox, lud unlängst zum seinem ersten (und vermutlich nicht letzten) Oldtimer-Webinar in Form einer Expertenrunde ein. Mit von der Partie waren Martin Stromberg, Geschäftsführer Classic Data, Norbert Schroeder, Leiter TÜV Süd Classic, und Rainer Peukert, Experte für historische Fahrzeuge bei Hiscox. Thema war die sicher absichtlich provokant aufgeworfene Frage „H-Kennzeichen – Fluch oder Segen?“ Eine Stunde lang erläuterten die Classic-Experten anhand zahlreicher Beispiele aus dem „echten Leben“, was bei einer historischen Zulassung geht und was eben nicht. „Dann kann der aktuelle Umbau eines 6er BMW mit der Front eines 5er und dem Heck eines 7er noch so perfekt gemacht sein und das Auto noch so im Einser Zustand sein“, erklärte Martin Stromberg, „mit dem H wird das einfach nichts“.

Online ist Ergänzung, kein Ersatz

Nach der Premiere am 25. April und einer zweiten Veranstaltung am 23. Mai fand am 27. Juni die dritte Inszenierung von „Classicbid“ statt. Dahinter verbirgt sich eine virtuelle Klassiker-Auktion, bei der sich Teilnehmer zunächst von einem Moderator durch das Fahrzeugangebot führen lassen können, um so die persönliche Inaugenscheinnahme vor Ort so gut wie möglich zu ersetzen. Bei dem Auktionsangebot setzen die Macher auf eine Kombination aus klassischen Fahrzeuge sowie diversen Automobilia. Damit stellt das Format in Zeiten von Corona eine Alternative zur sonst üblichen Ansammlung zahlreicher Automobilliebhaber direkt vor Ort im Classicbid-Zentrum Rheinhessen dar. „Dennoch schafften wir es auch dieses Mal, durch eine sauber inszenierte Veranstaltung per Livestream eine 'Dabeisein-Atmosphäre' in die Wohnzimmer der zugeschalteten Klassikfreunde zu zaubern“, erklärt Günter Kaufmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Auktion & Markt AG und unter anderem verantwortlich für den Bereich Classicbid.

Mit einer Verkaufsquote von 70 Prozent war Classicbid nach eigener Aussage mehr als zufrieden. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Angebot mit zehn Fahrzeugen im Vergleich zu „richtigen“ Auktionen mager ausfiel. Doch das stellt für die Macher kein Problem dar. Ihr Fazit der ersten, von Corona geprägten Saisonhälfte 2020 fällt dennoch positiv aus. Das virtuelle Format könne im Klassikbereich den Eventcharakter zwar nicht ersetzen, als Ergänzung eigne es sich aber hervorragend.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group, Vogel Business Media GmbH & Co. KG