Oldtimer werden missbraucht

Der Oldimer-Restaurator steht in den Startlöchern

| Autor: Steffen Dominsky

Wenn, dann werden oft nur sie gezeigt: hochpreisige Edeloldtimer wie hier auf der IAA 2019.
Wenn, dann werden oft nur sie gezeigt: hochpreisige Edeloldtimer wie hier auf der IAA 2019. (Bild: Dominsky/»kfz-betrieb«)

Mit dem Anspruch, Fachwissen und Fähigkeiten zu erhalten, ist vor zwei Jahren der Ausschuss „Old- und Youngtimer“ innerhalb des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) erstmals zusammengekommen. Zu seinen Kernzielen gehört, dem Fachkräftemangel heute und erst recht künftig zu begegnen, erklären die beiden Ausschussvorsitzenden Andrea Zeus (ZDK) und Matthias Kemmer (ZDK/Kemmer und Hein OHG). Doch nicht nur die (jungen) Fachkräfte sind ein Problem für die Branche.

Generell hat das Thema „Auto“ bei jungen Menschen an Ansehen verloren. Sowohl ein gesunkenes Interesse an eigener Auto-Mobilität als auch die Diskussion um das Klima setzen dem Image des Automobils zu. „Leider wird das gute Image von Young- und Oldtimern aktuell häufig dafür missbraucht, das angeschlagene Image des Autos im Allgemeinen zu kitten“, erklärte Andrea Zeus im Rahmen der letzten Ausschusssitzung Mitte November in Bonn.

IAA 2019: besser so nicht

Man bekomme den Eindruck, dass historische Fahrzeuge auf keiner Automesse mehr fehlen dürfen. Allerdings werde dem Publikum auf solchen Veranstaltungen meist nur ein kleiner Ausschnitt des breiten Themengebiets „Oldtimer“ präsentiert. Viele Aussteller rücken die hochpreisigen Fahrzeuge in den Fokus bzw. sind oft auch nur entsprechende Händler mit solchen Fahrzeugen vertreten. „Das zeigte sich deutlich bei der Internationalen Automobilausstellung im Herbst 2019 in Frankfurt“, so Zeus weiter. Zwar räumte der Messeveranstalter den Young- und Oldtimern eine komplette Halle ein, ausgestellt wurden vielfach jedoch ausschließlich Fahrzeuge zum Verkauf und da auch vorrangig nur hochpreisige.

Anders in den Jahren zuvor: „Zwar bekamen Besucher auch bei vorangegangenen IAAs altes Blech gezeigt, allerdings wurde das Thema deutlich umfassender gespielt“, wirft Matthias Kemmer den Blick zurück. So waren unter anderem der ZDK und die TAK Teil der Klassikschau auf der IAA – anders als in diesem Jahr. Der Verband bzw. Schulungsanbieter erklärten Interessierten in den Vorjahren Hintergründe und Zusammenhänge und standen bei Fragen jeglicher Art rund ums rostigste Hobby der Welt kompetent Rede und Antwort. Selbst Vorträge und kleine Schulungen wurden abgehalten.

Wissen um Oldtimeraktivitäten sammeln

„Durch den Fokus auf historische Luxusfahrzeuge ist die Gefahr groß, die jungen Menschen für das Thema zu verlieren“, befürchtet Ausschussvorsitzender Matthias Kemmer. Dabei gibt es auch eine andere Seite: Immer mehr Youngtimer zu sehr erschwinglichen Preisen sind auf den Straßen zu sehen und begeistern die jüngere Generation. Schließlich haben viele ihre ersten automobilen Erfahrungen als Kind in einem heutigen Youngtimer gesammelt.

Um die jungen Menschen als Interessenten nicht zu verlieren, will der Ausschuss nun eine eigene Kampagne starten. In einem ersten Schritt will er die vielen regional verstreuten Aktionen sammeln und auflisten. „Es gibt zahlreiche individuelle Aktionen, die oft nur vor Ort bekannt sind“, erläutert Andrea Zeus. So gibt es beispielsweise eine Oldtimerrallye mit behinderten Beifahrern und zahlreiche Schulprojekte, an deren Ende die restaurierten Fahrzeuge für karitative Zwecke versteigert werden. Das Wissen über derartige und andere Aktivitäten wollen die Ausschussmitglieder nun zusammentragen, bündeln und die dahinterstehenden Geschichten erzählen.

Neue Facebook-Gruppe initiiert

Dabei nutzen sie die Medien der Jüngeren. Ein erster Versuchsballon zeigte Erfolg: Die neu eingerichtete Facebook-Gruppe „Kulturgut auf Rädern“ hatte innerhalb von 48 Stunden mehr als 200 Mitglieder. Unter anderem mithilfe solcher Aktionen will der Ausschuss das grundsätzlich positive Image historischer Fahrzeuge weiter stärken und gezielt junge Menschen ansprechen. Dabei soll die jüngere Generation sowohl als Fahrer historischer Fahrzeuge als auch als Werkstattexperten für Oldtimer gewonnen werden.

Darüber hinaus können Kfz-Mechatroniker bei der TAK verschiedene Seminare besuchen und eine Weiterbildung zum Servicespezialisten für Old- und Youngtimer absolvieren. Und die nächste Weiterbildungsoption steht bereits in den Startlöchern: Der „Restaurator im Kraftfahrzeugtechnischen Handwerk“ soll noch 2019 verordnet werden, sodass etwa 2020 erste Studiengänge angeboten werden können. Insgesamt müssen die angehenden Restauratoren 800 Stunden in Themen wie Restaurierungsethik, Denkmalschutz und Konzeptionserstellung zur Restaurierung historischer Fahrzeugen absolvieren.

Der Wirtschaftsfaktor Oldtimermarkt braucht Fachkräfte

Der Wirtschaftsfaktor Oldtimermarkt braucht Fachkräfte

03.12.19 - Künftig gibt es den/die Geprüfte(n) Restaurator(in) im Kraftfahrzeugtechnischen sowie im Karosserie- und Fahrzeugbauer-Handwerk. Andrea Zeus, zuständige Referentin im Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), erläutert die Hintergründe. lesen

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