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Opel: Am Kunden vorbei

Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Jens Rehberg

Opel verdient wieder Geld, erreicht aber die Kunden zunehmend nur noch über Rabatte. Der Marktanteil schrumpft immer weiter. Vor allem bei der Konzernmutter steht die Rendite über allem. Den Kunden gut zu bedienen, hat keine Priorität mehr.

Statt der Kundenwünsche zählt für Opels Konzernmutter PSA vor allem die Rendite.
Statt der Kundenwünsche zählt für Opels Konzernmutter PSA vor allem die Rendite.
(Bild: Opel)

„Wir können das den Leuten nicht mehr erklären“, hört man derzeit von fast jedem Opel-Händler, mit dem man über sein Geschäft spricht. Ob es um Liefertermine geht, die man dem Kunden nicht nennen kann, fehlende Ware oder Leasingraten, die weiter abgebucht werden, obwohl der Vertrag längst abgelaufen ist – mehrere Vertriebspartner versicherten auf Anfrage, dass entsprechende Anekdoten keine Einzelfälle seien. „Die letzte Information über einen Zafira Life, den der Kunde im September 2019 bestellt hatte, stand im März im System – dann stand er Anfang Juli auf einmal auf dem Hof“, geht die typische Geschichte eines Händlers, der wie die meisten anderen auf diesen Seiten nicht namentlich genannt werden möchte. „Ein Liefertermin steht im System, verschwindet wieder, wird dann weit in die Zukunft verlegt, und irgendwann steht aber das Auto doch vor der Tür.“

Noch mal deutlich schwerer erklärbar wurde es offenbar in zahlreichen Fällen, in denen beispielsweise Nutzfahrzeuge zum Jahresanfang bestellt wurden, bei denen sich dann im Zuge Corona-bedingter Lieferverzögerungen Preise, Ausstattungen und Ausstattungspakete änderten. „Unsere Verkäufer mussten die Fahrzeuge komplett neu konfigurieren, rechnen und auch neue Leasingverträge aufsetzen, mit dem Ergebnis, dass die Autos hinterher teilweise mehrere Tausend Euro teurer waren“, erzählt ein betroffener Partner, der seinem Kunden die Preiserhöhung nicht weitergeben kann. „Sie verkaufen kein zusätzliches Auto, haben aber einen Haufen Arbeit“, so der Händler frustriert. Zudem beteuere Opel zwar, die bereits bestellten Fahrzeuge stünden unter Preisschutz – „aber wie und wann wir in Rüsselsheim zu unserem Geld kommen, ist völlig offen“, sagt der Vertriebspartner.