Opel GT: Ein kleines bisschen fliegen

Seite: 2/2

Das Pulsrasen kommt aber natürlich auch von der Erkenntnis, dass man hier ein ganz besonderes Auto fährt und der Zeit womöglich drei bis fünf Jahre voraus ist. Denn so lange würde Frank Leopold, der bei Opel die Konzeptentwicklung leitet, wohl noch brauchen, bis tatsächlich ein neuer GT auf die Straße kommen könnte. Wenn denn der Vorstand endlich grünes Licht gäbe. Würde, könnte, gäbe – kann denn nicht mal jemand Schluss machen mit den verdammten Konjunktiven? Nichts lieber als das, sagt Leopold, nur um dann doch in der Möglichkeitsform weiter zu sprechen.

Aber zumindest fällt ihm das sichtlich schwer. Selbst wenn er es für ganz normal hält, dass das aktuelle Projekt immer das wichtigste ist und das, an dem am meisten Herzblut hängt. Doch wenn man mit ihm, mit seiner Mannschaft oder den Designern spricht, wenn man beobachtet, wie sorgsam sie alle das Auto behandeln und wenn man die sehnsüchtigen Blicke sieht, mit denen sie dem Silberling folgen, dann merkt man, dass diese Studie eben doch kein Showcar ist wie jedes andere. „Natürlich hat das Auto auch eine interne Mission“, sagt Leopold. Es soll der ganzen Belegschaft Mut machen und sie motivieren. Denn jedem im Unternehmen dürfte klar sein, dass Opel erst einmal Geld verdienen muss, bis sich die Hessen wieder den Luxus eines solchen Nischenautos leisten können. Und je mehr sich jeder Einzelne anstrengt, desto besser stehen die Chancen für das Auto.

Rein technisch gibt es jedenfalls nichts, was einer Serienfertigung im Wege stünde, schürt Leopold weiter die Hoffnung. Für die langen Türen, die vorn im Radkasten eintauchen, mag er zwar die Hand nicht ins Feuer legen. Genauso wenig wie für das gläserne Dach, das fugenlose Heck mit dem nur von innen zugänglichen Kofferraum oder das komplett animierte Cockpit ohne ein einziges Knöpfchen. Doch das Package passt, unter der Haube ist Platz für alle Motoren vom Dreizylinder-Turbo bis zum V8-Motor der Corvette und selbst das Problem mit der fehlenden Heckantriebsplattform hat Leopold gelöst: Mit Fahrwerksteilen zum Beispiel aus der Corvette und der Hinterachse aus dem Cadillac ATS ließe sich da schon was machen, gibt sich der Vorausentwickler zuversichtlich.

Schwarze Null als Hoffnungsträger

Die Ingenieure haben ihn schon komplett durchkonstruiert, die Buchhalter haben eifrig gerechnet und den Marktforschern klingeln nach dem Echo auf das Debüt in Genf ohnehin die Ohren. Doch obwohl alle Welt nach einem neuen GT schreit, gibt es auch zwei Monate nach der Weltpremiere noch keine Entscheidung, muss Leopold einräumen und lässt sich keine private Prognose entlocken. Nur so viel kann er mit Sicherheit sagen: „Es gibt niemanden im Unternehmen, der nicht von diesem Auto träumt.“ Und je näher Opel dem Ziel von der Schwarzen Null in diesem Jahr kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Traum wahr wird und der Überflieger tatsächlich eine Startfreigabe bekommt.

Wie eingeschränkt der Aktionsradius der Studie bis dahin bleibt, wird einem zum Ende der kurzen Ausfahrt schmerzhaft deutlich vor Augen geführt. Denn kaum rollt der Showstar in Halle K48 aus, steht schon wieder der Lastwagen bereit und die Spediteure streifen die Samthandschuhe über.

(ID:44031021)