Porsche: Nachts im Museum

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Porsche hat den Wiedereinstieg beim Langstreckenrennen in Le Mans mit einem Public Viewing im Porsche-Museum gefeiert. Während das Rennen allerdings nur 24 Stunden dauerte, beging der Sportwagenbauer die 33 Stunden von Zuffenhausen.

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24 h Le Mans meets 33 Stunden Porsche-Museum.
24 h Le Mans meets 33 Stunden Porsche-Museum.
(Foto: Dominsky)

Plötzlich startet der Motor eines Porsche 917/30: Seine 1.100 PS zerreißen die Stille der Nacht, prallen als akustisches Ergebnis an nackten weißen Wänden ab und treffen auf andere Sport- und Serienwagen aus mehr als 115 Jahren. Türen öffnen sich, Hauben knallen zu und Reifen malen schwarze Streifen auf Gänge, wo tagsüber Väter mit ihren Söhnen träumen und offene Münder sowie gezückte Smartphones zum Standardrepertoire zählen. Das Haus hat bereits lange geschlossen, und dennoch steppt der Bär. Wie von Geisterhand erwacht eine Vielzahl an Exponaten zum Leben.

Beschriebenes Szenario könnte Ihnen blühen. Allerdings nur, wäre Ihr Name Larry Dale (alias Ben Stiller) und Ihr Job Nachtwächter im Porsche-Museum – zumindest aus Hollywood-Sicht.

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Im Realen waren es am vergangenen Wochenende nicht Geister, sondern rund 16.000 Motorsport- und Oldtimer-begeisterte Fans, die den Historienschrein der Marke aus Zuffenhausen mit Leben erfüllten. Stolze 33 Stunden am Stück hatte das Porsche-Museum seine Pforten geöffnet. Beides, Besucherzahl wie Öffnungsdauer, ein neuer Rekord.

Tolle Location, tolle Atmosphäre

Anlass für das bisher einmalige Spektakel: der Wiedereinstieg der Stuttgarter beim berühmten Langstreckenklassiker „24 Stunden von Le Mans“ in der Königsklasse (LMP1) – erstmals seit 1998. 16-mal, von 1970 bis 1998, verlieh man den Stuttgartern dort bereits den goldenen Lorbeerkranz – in den folgenden Jahren nur in den kleineren Kategorien. Diese Durststrecke sollte mit dem vor zwei Jahren gestarteten Projekt 919 Hybrid ihr Ende finden. Und genau daran, am Erfolg dieses Projekts, wollte Porsche die Mitarbeiter, Anhänger der Marke und alle anderen teilhaben lassen, die nicht bis in die 200 Kilometer südwestlich von Paris gelegene Stadt im Département Sarthe reisen konnten oder wollten.

„Und wo, wenn nicht an der Stelle, an der zahlreiche der historischen Erfolgsmacher versammelt sind, kann man besser ein Public-Le-Mans-Viewing veranstalten, als im hauseigenen Museum?“, stellten und beantworteten die Verantwortlichen die Frage nach dem passenden Austragungsort für das geplante Massenspektakel. In Folge sorgten rund 300 fleißige Porsche-Helferlein von Samstagmorgen 9:00 Uhr bis Sonntagabend 18:00 Uhr für 33 Stunden Non-Stop-Unterhaltung rund um den französischen Langstreckenklassiker und das Museum.

Für jeden was geboten

Während es im Stundentakt für Schau- und Hörlustige auf dem Vorplatz insgesamt 42-mal Rennsound aus sechs Jahrzehnten pur auf die Ohren gab, lauschten Besucher im Museum im Rahmen einer der zahlreichen Extraführungen den Ausführungen der Museumsführer und –führerinnen. Diese stillten den Wissensdurst der Fans, die aus allen Kontinenten zum Porscheplatz 1 angereist waren. Für die kleinen Fans gab es adäquaten Rennsport im Maßstab 1:32, Carrerabahn sei Dank. Zudem sorgten Rennsimulatoren für den Nervenkitzel auch ohne Rennstrecke und -auto.

Zahlreiche Rennsportexponate – nicht nur Porsche-eigene, sondern auch private Leihgaben – verliehen dem Haus eine extragroße Portion „echte“ Rennsport-Atmosphäre. Und den angereisten Journalisten präsentierte man, quasi als Bonbon, einen Einblick in die Fahrzeugsammlung des Museums. Ein Kuriositätenkabinett par excellence – siehe Bildergalerie.

Parallel sorgte die museumseigene Werkstatt dank Riesenleinwand ebenso für akzeptablen Le-Mans-vor-Ort-Ersatz, wie der Innenhof und ein Teil der Ausstellung. Hier konnten Besucher das Renngeschehen auf Wunsch ohne jegliche Unterbrechung verfolgen – bestenfalls unterbrochen durch menschliche Bedürfnisse, die unter anderem ein großer Gastrobereich in Form eines französischen Dorfes bestens zu befriedigen wusste.

Nächtigen wie ein echtes Rennteam

Nicht nur Rennmechaniker, auch jeder andere Mensch benötigt irgendwann Mal eine Portion Schlaf. Deshalb gab es – quasi stilecht – Feldbetten, dank derer es sich die hartgesottenen Motorsportfans im schwäbischen Le Mans „bequem“ machen konnten. Entsprechend beeindruckt und zugleich zufrieden mit dem einmaligen Konzept gab sich auch Achim Stejskal, Leiter des Porsche-Museums: „Das gab es noch nie: Besucher, die in unserer Ausstellung und in der Werkstatt übernachtet haben und mit uns mitfieberten.“

Das scheinbar unmögliche passierte dann doch am Sonntagmittag, kurz vor halb zwölf: Timo Bernhard im Porsche mit der Nummer 20 führte in Le Mans. Rund zweieinviertel Stunden waren noch zu fahren, da übernahm Mark Webber als letzter Fahrer den Wagen. Keine zwei Stunden trennten ihn und das Team von einem möglichen Podiumsplatz, da kam das vorzeitige Aus – Getriebeprobleme. Das gleiche Schicksal ereilte den Porsche mit der Nummer 14, der noch das Ziel sah – als elfter. Zwar hat die Zahl elf bei Porsche eine lange Tradition und ist zugleich überaus beliebt – aber nur als Teil einer bekannten Modellbezeichnung. Bitteschön! Le Mans 2015 dürfte spannend werden. Hochspannend.

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