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Porsche: Räder aus Carbonfaser für den 911 Turbo

Autor: Jan Rosenow

20 Prozent leichter und 20 Prozent fester als Aluminiumfelgen: Das verspricht Porsche für seine neuen CFK-Räder. Der Preis hat es allerdings in sich.

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Edelzubehör für Turbofahrer: das neue CFK-Rad von Porsche.
Edelzubehör für Turbofahrer: das neue CFK-Rad von Porsche.
(Bild: Richard Monning)

Porsche bietet als weltweit erster Fahrzeughersteller Leichtbauräder mit geflochtenen Carbonfasern an. Die Räder wiegen 20 Prozent weniger als Leichtmetallräder und sind gleichzeitig um 20 Prozent fester, heißt es bei Porsche. Die gesamte Masseeinsparung beträgt rund 8,5 Kilogramm.

Durch die Verringerung der ungefederten Massen folgen die Reifen der Fahrbahnoberfläche schneller und übertragen Längs- und Querkräfte besser. Geringere rotierende Massen bedeuten gleichzeitig spontaneres Beschleunigen und Bremsen.

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Das komplett aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigte Rad setzt sich im Wesentlichen aus zwei Bauteilen zusammen. Der Radstern entsteht aus über 200 Einzelkomponenten, die aus Kohlefasermatten zugeschnitten und zusammengefügt werden. Das Felgenbett als zweite Komponente wird auf der aktuell weltgrößten Carbonfaser-Flechtmaschine geflochten. Der Ring dieser Maschine hat einen Durchmesser von nicht weniger als neun Metern. Anschließend wird der Radstern in das Felgenbett eingeflochten. Das zusammengefügte Rad wird mit Harz imprägniert und unter hohem Druck und hohen Temperaturen vorgehärtet. Das Aushärten des fertigen Rades erfolgt bei hohen Temperaturen und anschließendem langsamen Abkühlen. Danach wird der Zentralverschluss in das fertige Rad eingesetzt und das Rad mit Klarlack beschichtet.

Ein Radsatz kostet über 15.000 Euro

Diese Technik setzt Porsche weltweit erstmalig im Automobilbau ein. Der Lieferant ist Thyssen-Krupp Carbon Components in der Nähe von Dresden. Dort entstehen auch die Räder für das Supersportmotorrad BMW HP4 Race.

Gegenüber der sonst üblichen CFK-Herstellung über vorimprägnierte Matten bietet die Flechttechnik laut Porsche entscheidende Vorteile: Die Materialstruktur wird durch diese Fertigungstechnik dichter und geschlossener. Dies führt zu einer höheren Festigkeit. Durch den effizienteren Werkstoffeinsatz entsteht zudem weniger Verschnitt. Das neue Carbon-Rad besteht insgesamt aus Fasern mit einer Länge von 18 Kilometern beziehungsweise aus acht Quadratmetern Matten. Auch die Fertigungszeit und damit die Kosten dürften niedriger sein, weil weniger Handarbeit nötig ist. Zwar beträgt der Preis in Deutschland pro Satz schmerzhafte 15.232 Euro (inklusive Mehrwertsteuer), liegt damit aber auf einem Niveau mit den wenigen Angeboten, die es bislang auf dem Aftermarket gab (beispielsweise von Ronal).

Die neuen Carbon-Räder kommen in den Dimensionen 9 J x 20 für die Vorderachse und 11,5 J x 20 für die Hinterachse Anfang 2018 ausschließlich als Option für den 911 Turbo S Exclusive Series auf den Markt.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group