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Post zieht bei Streetscooter den Stecker

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Für die Deutsche Post war Streetscooter lange Zeit ein Prestigeprojekt, mittlerweile sehen die Bonner die E-Transporter aber vor allem als Verlustbringer. Nun ist die Geduld des Konzerns am Ende.

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Die Deutsche Post stellt die Streetscooter-Produktion noch 2020 ein.
Die Deutsche Post stellt die Streetscooter-Produktion noch 2020 ein.
(Bild: Streetscooter)

Die Deutsche Post wird die Produktion ihrer Streetscooter-Elektrotransporter noch im Laufe des Jahres 2020 komplett einstellen. „Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt gesagt: Wir können nicht mehr warten. Wir müssen eine Entscheidung treffen“, sagte Konzernchef Frank Appel am Freitag in einer Telefonkonferenz. Im vergangenen Jahr habe der Streetscooter rund 100 Millionen Euro Verluste gemacht. „Das ist die logische Konsequenz“, begründete Appel den Schritt.

Über lange Zeit hatte die Post versucht, einen Käufer zu finden. „Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen“, sagte Appel. Neubestellungen soll es nun keine mehr geben. Die Auslieferung von Fahrzeugen werde sich noch bis ins nächste Jahr ziehen – diese sind aber vor allem für den eigenen Bestand gedacht.

Über bestehende Lieferverträge wolle man mit den Kunden „Gespräche in Bezug auf die Vertragserfüllung“ führen. Kürzlich hatte Amazon der Post 40 Elektrotransporter abgekauft. In Zukunft soll der Streetscooter dann zur reinen Bestandsflotte umgebaut werden. Trotzdem wolle die Post ihre Flotte wie angekündigt weiterhin auf E-Antriebe umstellen.

Der Vorstand rechnet für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro. Was die Nachricht für die Streetscooter-Mitarbeiter bedeutet und wie viele es davon zurzeit überhaupt gibt, wollte der Konzernchef am Freitag nicht kommentieren. Gleiches gilt für die Produktionsstätten in Aachen und Düren.

Folgen für E-Go?

„Das war abzusehen, dass das Ding nicht tragfähig ist“, sagte Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur. Mit Blick auf das Aachener Elektroauto-Start-up E-Go fügte er hinzu: „Das wird den Investoren von E-Go große Angst einjagen.“

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