Praxistipp: Lackierung von Trendfarbtönen

Komplexe Lackierungen stellen hohe Anforderungen

| Autor: Konrad Wenz

Die Ausbesserung von Schäden an Dreischicht- und getönten Klarlackierungen oder von Effektlackierungen mit Sonderpigmenten ist anspruchsvoll und weicht von der Alltagsroutine ab.
Die Ausbesserung von Schäden an Dreischicht- und getönten Klarlackierungen oder von Effektlackierungen mit Sonderpigmenten ist anspruchsvoll und weicht von der Alltagsroutine ab. (Standox)

Bei außergewöhnlichen Farbtönen sollte die Werkstatt den Farbton-Code noch vor der Kalkulation ermitteln, rät der Wuppertaler Lacklieferanten Standox in einem jüngst veröffentlichten Praxistipp. Diese Maßnahme gebe dem Lackierer frühzeitig Aufschluss, ob es sich um einen speziellen Lackaufbau handele. „Erst wenn ich weiß, um was für eine Technologie es sich im konkreten Fall handelt, kann ich Aufwand, Zeit und Kosten der Reparatur realistisch kalkulieren“, verdeutlicht Armin Sauer, Coloristik-Experte und Schulungsleiter bei Standox. Bei einer Dreischichtlackierung zum Beispiel müsse der Lackierer die Besonderheiten kennen und wissen, wie der Lack aufgebaut ist.

Die Arbeitsvorbereitung sei umfangreicher, weil Musterbleche angefertigt werden müssten. Diese Schritte müsse die Kalkulation entsprechend berücksichtigen. Wenn Sonderpigmente im Spiel seien, solle man frühzeitig prüfen, ob sie vorrätig sind. „Was nutzt es, wenn die Mischformel fertig ist, sich aber beim Einwiegen herausstellt, dass der benötigte Sondermischlack nicht in der Mischbank ist.“

Lackierer, die mit dem Farberkennungsprogramm Standowin von Standox arbeiteten, können auf Computer-Unterstützung zählen: Nach der Eingabe von Farbcode, Fahrzeughersteller und -typ, Baujahr und/oder Farbbezeichnung bestimmt das Programm die Mischformel. Enthält sie einen Sondermischlack, so ist er bereits in der Formel gekennzeichnet. Ab dem Update 2/2012 werde sich, bevor die Formel an die Waage geschickt wird, in der Color-Info am Bildschirm zusätzlich ein Popup-Fenster öffnen und einen Hinweis darauf geben, dass in der Formel ein Sondermischlack enthalten ist, erläutert Sauer.

Spritzmuster helfen bei späteren Reparaturen

Armin Sauer empfiehlt vor der Reparatur von komplexen Trendfarbtönen, Spritzmuster anzufertigen: Dazu wird der Grundfarbton auf drei Bleche auflackiert und getrocknet. Anschließend wird der erste Spritzgang über alle drei Bleche lackiert. Nun wird ein Blech weggenommen und über die Verbleibenden ein zweiter Spritzgang appliziert. Danach wird wieder ein Blech weggenommen. Ein letzter Spritzgang erfolgt auf das verbleibende Blech, bevor der Klarlack auf alle appliziert wird.

Entsprechend beschriftet, ergänzen diese Musterbleche die eigene Farbton-Dokumentation. So kann man jederzeit darauf zugreifen, wenn das Fahrzeug zu einem späteren Zeitpunkt erneut zur Reparatur kommt oder ein weiteres in dem selben Farbton repariert werden soll. „Gute Spritzmuster sind bei diffizilen Farbtönen geeignet, Fehllackierungen und damit Kosten und Zeitverlust zu vermeiden.“

Bei Effektfarben hängt die Wahl des Reparaturverfahrens von verschiedenen Faktoren ab: dem Farbton des Untergrundes sowie der Größe und Platzierung des Schadens auf dem Karosserieteil. Sowohl die Schichtstärke des Basislacks als auch die Anzahl der Spritzgänge beeinflussen jeweils die Lichtbrechung und damit die spätere Optik. Damit die Reparatur unsichtbar und der Effekt gleichmäßig erscheinen, empfiehlt der Standox-Experte, zum Beispiel Dreischicht-Perlmutt-Effektlacke beizulackieren. Liegt der Schaden an Stellen, an denen eigentlich auf Kante lackiert werden müsste, dies aber nicht möglich ist, wie bei Neuteilen, ist ein nach außen auslaufendes Einlackieren in die angrenzenden Teile ein gangbarer Weg.

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