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Qoros: Neustart aus dem Scherbenhaufen

| Autor / Redakteur: Jens Meiners / Christoph Seyerlein

Auf den Automessen dieser Welt ist Qoros durchaus präsent, auf den Straßen dagegen kaum. Eine strategische Neuausrichtung soll nun die Wende einleiten.

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Qoros hat im Jahr 2015 lediglich 14.000 Autos verkauft.
Qoros hat im Jahr 2015 lediglich 14.000 Autos verkauft.
(Foto: Auto-Medienportal.Net/Qoros)

Ein Amerikaner sollte es richten: Im Februar 2015 hatte der US-Manager Phil Murtaugh die Führung des chinesischen Autoherstellers Qoros übernommen. Die Marke war 2013 mit großen Vorschusslorbeeren öffentlich gestartet, verband sie doch europäische Design- und Ingenieurskunst unter einem neu kreierten, chinesischen Label. Doch auf dem Markt liefen die Modelle schwach: Ganze 14.000 Einheiten konnten 2015 verkauft werden.

Murtaugh, ein früherer GM-Manager, hatte 2011 beim zweifelhaften Elektroauto-Hersteller Coda angeheuert und war nach dem Zusammenbruch dieses Projekts 2013 zum Motorenhersteller Pinnacle gewechselt, in dessen Aufsichtsrat er weiterhin sitzt. Diese Verbindung dauerte während seiner Amtszeit bei Qoros fort. Die Interessenskonflikte waren vorprogrammiert. Nun hat Qoros angekündigt, Murtaugh verlasse die Firma Ende Januar „aus persönlichen Gründen“. Gleichzeitig soll die Marke strategisch neu ausgerichtet werden.

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Der Amerikaner hinterlässt einen Scherbenhaufen. Es ist ihm nicht nur nicht gelungen, den Durchbruch bei den Verkaufszahlen zu erzielen: Qoros musste obendrein einen Aderlass talentierter Ingenieure und Designer in Kauf nehmen, die neue und etablierte Hersteller aggressiv abwarben.

Jetzt kommt die fällige Neuausrichtung – zunächst mit der Gründung des Unternehmensbereichs „New Energy Vehicles“, der Niedrig- und Null-Emissions-Fahrzeuge entwickeln soll, sowie eines Bereichs „Mobility“, der sich mit autonomem Fahren und neuen Mobilitätskonzepten beschäftigen soll. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, hat Qoros die Fühler in Richtung Silicon Valley ausgestreckt.

SUV-Markt in China bietet Chancen

Weiterhin genießen die Qoros-Designstudien und -Serienmodelle auf dem Messeparkett Beachtung und Anerkennung. Zum Beispiel das in Shanghai präsentierte Qoros 2 Concept. Es wirkt nicht nur modern und robust, sondern es steckt auch voller Ideen – beispielsweise einem Griff für das Nachladen, mit dem es weder schmutzige Hände noch einen Stromschlag geben kann. Besonderes Schmankerl: Die zahlreichen, teils versteckten Anspielungen auf chinesische Kultur und Historie. Der frühere Mini-Chefdesigner Gert Hildebrand ist nun für den Qoros-Look verantwortlich.

In Zukunft dürfte sich die Marke zwischen Hyundai, Kia, Toyota und Volkswagen positionieren. Gerüchteweise arbeitet der Hersteller an einem Kombi und einer Luxuslimousine. Doch zunächst müssen die kompakten Crossover-Modelle auf den Markt kommen, um ein Stück von dem in China rasch wachsenden Segment erobern zu können, das die westlichen Firmen übrigens vernachlässigt haben. Und mit intelligent gelösten Ansätzen zur E-Mobilität wird Qoros eine neue Chance bekommen, sich zu etablieren.

Steigende Verkaufszahlen als erstes Ziel

Momentan kommt es vor allem darauf an, die Verkaufszahlen langsam zu steigern und der Marke nicht nur auf den internationalen Automessen, sondern vor allem auf der Straße angemessene Präsenz zu verschaffen. Notfall muss das über die eher profane Schwestermarke Chery passieren, die in einigen Wachstumsmärkten inzwischen sichtbare Präsenz besitzt. Ursprünglich hätte man auf diese Verbindung gerne verzichtet, doch so langsam wollen die Investoren Erfolge sehen.

Unterdessen verbreitet Interims-Chef Anning Chen verhaltenen Optimismus: „Mit Verkaufszahlen, die mittlerweile bei über 2.000 Stück pro Monat liegen, und dem kommenden Qoros 5 SUV glauben wir, dass es jetzt an der Zeit ist, entscheidende Schritte zu unternehmen, um die Zukunft dieses Unternehmens zu sichern.“ Aus der Branche ist zu hören: Die Headhunter sind unterwegs, um einen Nachfolger für Murtaugh zu suchen, und es gibt auch strategische Investoren, die bei Qoros anklopfen. Den Prototyp eines vollelektrischen Qoros 5 SUV stellten die Chinesen am 18.1. in Suzhou Medien, Banken, Politikern und potentiellen Investoren vor. Mit dem Management-Wechsel und einer neuen strategischen Ausrichtung sind die Chancen für ein erfolgreiches Durchstarten vermutlich besser denn je.

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