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R1234yf: Nicht nur brennbar, sondern giftig

| Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Daimler kann in seiner Ablehnung des neuen Kältemittels auf die Unterstützung der Umweltverbände hoffen. Laut Schweizer Forschern entsteht aus dem Stoff eine große Menge Pflanzengift.

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Daimler weigert sich, R1234yf als Kältemittel einzusetzen. Vielleicht zurecht: Schweizer Forscher haben festgestellt, dass sich das Kältemittel in ein Pflanzengift verwandelt.
Daimler weigert sich, R1234yf als Kältemittel einzusetzen. Vielleicht zurecht: Schweizer Forscher haben festgestellt, dass sich das Kältemittel in ein Pflanzengift verwandelt.
(Foto: Daimler)

Dem Kältemittel R1234yf droht neben der von Daimler ermittelten Brandgefahr auch Gegenwind der Umweltschützer. Laut einem von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) veröffentlichten Forschungspapier ist die zugrunde liegende Chemikalie Tetrafluorpropen auch Ausgangsstoff für ein sehr langlebiges Pflanzengift.

Damit geht dem Stoff ein wichtiges Argument für seinen Einsatz verloren. Denn gerade aus Umweltgründen hatten sich Politik und Autohersteller ja darauf verständigt, das bisher verwendete Kältemittel R134a endgültig zum 1. Januar 2013 aus den Neuwagen zu verbannen: Es hat einen extrem hohen Effekt auf die Klimaerwärmung, sein sogenannter GWP-Wert (Global Warming Potential) liegt bei 1430 – der Wert von R1234yf liegt bei 4.

Damit ist R1234yf zwar annähernd klimaneutral, aber giftig. Entzündet sich der Stoff nach einem Unfall, wie von Daimler postuliert, wird giftiger Fluorwasserstoff frei, der wiederum beim Löschen die ätzende Flusssäure bildet. Und verdampft das Mittel in die Atmosphäre, was wie bei bisher allen Klimaanlagen nicht zu vermeiden sein wird, wird es laut Empa „praktisch vollständig in Trifluoressigsäure umgewandelt“, ein sehr langlebiges Pflanzengift.

Die EMPA-Forscher rechnen auf Basis der bisherigen Kältemittel-Verluste mit einer jährlichen Umweltbelastung von 19.000 Tonnen dieses Giftes in Europa. Schon heute seien Rückstände dieser Chemikalien im Oberflächenwasser nachweisbar, heißt es in der Empa-Veröffentlichung, die Konzentration werde durch die R1234yf-Einführung weiter steigen. Allerdings sei eine messbare Schädigungsgrenze bei weitem nicht erreicht.

Dennoch sprechen sich die Wissenschaftler dafür aus, die Konzentration des Giftes in Gewässern „systematisch zu beobachten“. Und sie bringen CO2 als Kältemittel wieder ins Spiel, jenen Stoff, den ursprünglich auch die deutschen Hersteller ins Auge gefasst hatten. „Warum die Autohersteller diese überschaubare technische Weiterentwicklung nicht in Angriff nehmen, bleibt aus Sicht von Atmosphärenforschern ein Rätsel“, heißt es abschließend in der Veröffentlichung.

Vor kurzem hatte Daimler in seiner Ablehnung auch juristische Schützenhilfe bekommen: Ein Haftungsexperte hatte die Ablehnung angesichts möglicher Sicherheitsrisiken als „logischen Weg“ bezeichnet.

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