Recht auf eigenes Gutachten

Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Wehner

Geht eine Versicherung gegen einen Kostenvoranschlag des Geschädigten per Gutachter vor, darf dieser ebenfalls einen Sachverständigen zulasten des Schädigers beauftragen.

Firmen zum Thema

(Foto: Gina Sanders © Fotolia.com)

Reicht ein Geschädigter zur Regulierung eines Unfallschadens zunächst nur einen Kostenvoranschlag ein, den die Versicherung durch ein Sachverständigen-Gutachten zu entkräften versucht, kann die geschädigte Seite mit einem Gegengutachten reagieren. Die Kosten dafür trägt nach Auffassung des Amtsgerichts (AG) Erkelenz laut einem Urteil vom 18. September 2015 der Schädiger beziehungsweise seine Versicherung (AZ: 14 C 35/13).

Im verhandelten Fall hatte die Klägerin den Schaden an ihrem unfallbeschädigten Fahrzeug zunächst durch Vorlage eines Kostenvoranschlags belegt, welcher Brutto-Reparaturkosten von 2.198,26 Euro auswies. Ein von der Haftpflichtversicherung beauftragter Gutachter ermittelte jedoch einen Wiederbeschaffungswert von 1.100 Euro und einen Restwert von 200 Euro. Reguliert wurde daher nur ein Wiederbeschaffungsaufwand in Höhe von 850 Euro.

Daraufhin beauftragte die Klägerin einen eigenen Gutachter, der einen Wiederbeschaffungswert in Höhe von 2.000 Euro und einen Restwert von 150 Euro ermittelte. Die in der Folge auf Zahlung des restlichen Fahrzeugschadens und der Sachverständigenkosten gerichtete Klage hatte vor dem AG Erkelenz Erfolg.

Anspruch auf Sachverständigen gemäß BGH-Urteil

Das Gericht ging von einem wirtschaftlichen Totalschaden am klägerischen Fahrzeug aus, mit der Folge, dass der Klägerin ein Wiederbeschaffungsaufwand von 1.850 Euro gemäß dem von ihr vorgelegten Gutachten zusteht. Das von der Klägerin beauftragte Gutachten ließ nach der Überzeugung des Gerichts eine korrekte Wertermittlung erkennen.

Auch der Anspruch auf Erstattung der Sachverständigenkosten in Höhe von 514,08 Euro wurde vom Gericht bejaht. Nach der Rechtsprechung des BGH gehören die Kosten eines Sachverständigengutachtens zu den mit dem Schaden unmittelbar verbundenen und auszugleichenden Vermögensnachteilen. Auch der Höhe nach waren die Gutachterkosten nicht zu beanstanden.

Die Klägerin durfte vorliegend die Einschaltung eines Sachverständigen angesichts der Schadenhöhe und aufgrund der fehlenden Anerkennung des von ihr eingereichten Kostenvoranschlags für geboten erachten. Insbesondere durfte sie nach Schadenüberprüfung durch einen von der Haftpflichtversicherung beauftragten Gutachter ein eigenes Schadengutachten in Auftrag geben.

Das AG Erkelenz schließt sich damit der bestehenden Rechtsprechung an, dass ein Geschädigter auch dann einen eigenen Gutachter beauftragen darf, wenn der Schädiger oder sein Versicherer bereits einen Sachverständigen beauftragt hat (vgl. auch AG Strausberg, Urteil vom 3.3.2015, AZ: 10 C 256/14; AG Köln, Urteil vom 16.10.2013, AZ: 265 C 200/12; AG Frankfurt am Main, Urteil vom 7.5.2013, AZ: 30 C 843/12 (32)).

(ID:43999725)