Reisemobile: Deutsche kuscheln nur ungern

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Sicher, die erhöht eingebauten, meist über zwei Stufen erreichbaren Betten schaffen im Untergeschoss den Raum für eine große Garage, in denen Fahrräder und E-Bikes trocken verstaut werden können. Die tiefenpsychologische Deutung der Bettenwahl lässt aber sicher noch andere Begründungen zu, denn eine Garage lässt sich natürlich auch unter einem hinten quer eingebauten Doppelbett darstellen. Das hat zwar den Nachteil, dass der hinten Liegende immer über seinen Partner hinwegklettern muss, falls nächtens dringende Geschäfte zu erledigen sind. Dafür kann der Wohnaufbau und damit das gesamte Fahrzeug aber um einen halben Meter kürzer ausfallen. Was der Handlichkeit und der Zuladung in der 3,5-Tonne-Klasse durchaus zuträglich ist.

Der Wunsch nach einer Garage hat wohl auch dem Grundriss mit der früher beliebten Hecksitzgruppe den Garaus gemacht. Zumal die Konsequenz ein Puzzle-Bett aus den Sitzpolstern zu bauen oder der Umstieg auf ein Alkoven-Modell mit der allabendlichen Kletterei in den engen Dachbereich gewesen wäre. Keine attraktive Alternative für ältere Semester.

Hubbetten sind im Kommen

Immer mehr in Mode kommen manuell oder per Knopfdruck absenkbaren Hubbetten im vorderen Wagenteil. Sie könnten in Zukunft die Szene weiter beleben und die Innenraumarchitekten zu neuen Ideen animieren. Bürstner, Dethleffs und die französische Marke Challenger aus der Trigano-Gruppe haben mit erstmals längs eingebauten Hubbetten bereits bewiesen, dass diese Schlafstätte nicht allein mitreisenden Kindern und Enkelkindern vorbehalten sein muss. Die beidseitige Einstiegsmöglichkeit ermöglicht auch Erwachsenen einen bequemeren Zugang. Sofern man sich mit dem Doppelbett anfreunden kann.

Bisher rangiert das Doppelbett, ob quer oder längs eingebaut, auf der Wunschliste der deutschen Kunden jedenfalls weit abgeschlagen hinter den Einzelbetten. Dass die Hersteller dennoch an den Zweierkojen festhalten, liegt am hohen Exportanteil von Hymer und Co. So erklärt Wolfgang Speck, der Chef der Knaus-Tabbert-Gruppe: „Auf dem französischen Reisemobil-Markt brauchen sie ohne Queensbett gar nicht erst antreten. Alle anderen Bettkonfigurationen spielen da nur eine Nebenrolle.“ Das mittig verbaute Queensbett ist von beiden Seiten zugänglich und dominiert den Schlafbereich. Ein echtes Statement. Womit unsere Nachbarn ihrem amourösen Ruf wieder einmal gerecht werden. Wie man sich bettet, so liebt man.

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