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Renault: 40 Jahre Turbosaga

| Autor: Steffen Dominsky

1979 erzielte Renault beim Großen Preis von Frankreich den ersten Sieg in der Formel 1 mit einem Turbomotor. Das Ereignis hatte Folgen – auch für Serienfahrzeuge. Lange Zeit markierten aufgeladene Motoren und die damit bestückten Modelle die Speerspitze des französischen Autoangebots.

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Vor 40 Jahren begann Renaults Siegeszug mit Turbotechnik in der Formel. Es folgte zahlreiche Straßenmodelle mit Aufladung.
Vor 40 Jahren begann Renaults Siegeszug mit Turbotechnik in der Formel. Es folgte zahlreiche Straßenmodelle mit Aufladung.
(Bild: Renault)

Vor 40 Jahren schaffte Renault beim Großen Preis von Frankreich den ersten Sieg in der Formel 1 dank eines Turbos. Der Triumph von Jean-Pierre Jabouille im neu konstruierten RS10 markierte gleichzeitig den Beginn einer Ära turboaufgeladener Serien- und Rennsportfahrzeuge der Marke. Sie umfasste bekannte Modelle wie den R5 Turbo, den R18 Turbo, den Fuego Turbo und reicht bis hin zum aktuellen Mégane R.S. Trophy-R. Heute setzt Renault, wie fast alle Hersteller, den Turbolader bei den meisten seiner Serienfahrzeuge ein und bedient damit den aktuellen Trend zum Downsizing.

Die Grundidee der Aufladung erkannte man bereits in der Frühzeit des Automobilbaus. 1902 meldete Louis Renault eine Konstruktion zum Patent an, bei der ein mechanisch angetriebener „Ventilator“ oder ein kompakter Kompressor das Gemisch aus dem Vergaser mit erhöhtem Druck in die Zylinder befördert. Das Ergebnis: mehr Leistung und Effizienz. Der Schweizer Alfred Büchi war es aber, der 1905 ein Patent über die Gleichdruck- oder auch Stauaufladung mittels Abgasstrom anmeldete und erhielt. Es dauerte bis nach dem Zweiten Weltkrieg, bis sich Turbolader zuerst bei großen Dieselmotoren in Lokomotiven und Lastkraftwagen verbreiteten.

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Erste kleine Schritte im Rennsport

Zunächst nur im Motorsport ging der Turbomotor dann Anfang der Siebzigerjahre auch bei Renault an den Start. Auf einer turboaufgeladenen Alpine A110 Gruppe 5 wurde Jean-Luc Thérier 1972 Sieger bei der Rallye Critérium des Cévennes. 1975 kam die Turbotechnologie dann in den Alpine-Langstrecken-Prototypen zum Einsatz. Nach ersten Versuchen in der Renault Alpine A441T folgten die Modelle A442. Auf einem solchen holten Jean-Pierre Jaussaud und Didier Pironi 1978 den Sieg bei den berühmten 24 Stunden von Le Mans. Nach diesem Erfolg setzte sich Renault ein neues Ziel: den Sieg in der Formel 1 mit dem 1,5-Liter-Turbomotor. Mit dem RS10 schaffte es Jean-Pierre Jabouille 1979 beim Grand Prix von Frankreich: Auf dem Kurs von Dijon-Prenois errang er den ersten Grand-Prix-Sieg für Renault und den ersten Formel-1-Sieg für ein Fahrzeug mit Turbomotor überhaupt.

Bereits 1975 hatte bei Renault die Entwicklung des Gordini-EF1-Aggregats begonnen. Ursprünglich als 2,0-Liter-Saugmotor für die Formel 2 gedacht und auch im Langstreckenprototyp Alpine A441 erfolgreich eingesetzt, musste er für die Formel 1 gründlich modifiziert werden. So wurde der Hubraum auf 1.492 Kubikzentimeter reduziert. Für die Beatmung der Brennräume sorgte ein einziger Turbolader. Der Zylinderwinkel von 90 Grad blieb erhalten. Sein Renndebüt hatte der Renault RS01, so der offizielle Name des ersten Turbofahrzeugs in der Formel 1, im Juli 1977 beim Großen Preis von England. 1979 hatte Renault den RS10. Dieser verfügte über zwei kleinere Turbolader anstelle eines großen Laders, wodurch sich das Ansprechverhalten verbesserte, und die Leistung stieg. Seine maximale Leistung entwickelte der V6 bei 12.000 min-1.

Der R5 Turbo schlägt die Brücke zwischen Rennsport und Serie

Der von einem aufgeladenen Mittelmotor befeuerte R5 Turbo kam 1980 auf den Markt. Er war als kompromissloser Sportler mit Mittelmotor konzipiert. Mit dem „Renault Turbo Elf Europa Cup“ hoben die Franzosen im April 1981 den weltweit ersten Wettbewerb für turboaufgeladene Fahrzeuge aus der Taufe. In der populären Serie maßen sich Amateure mit gestandenen Champions wie Jean Ragnotti und Walter Röhrl. Der Wettbewerb bestand aus zwölf Rennen, sieben davon im Rahmenprogramm von Formel 1-Rennen. Neben dem Serienmodell gab es vom R5 Turbo mehrere Wettbewerbsversionen. 1983 ging die neue Gruppe B-Variante „Tour de Corse“ an den Start. Der „Maxi“, die letzten Evolutionsstufe des R5 Turbo, sollte der zunehmenden Konkurrenz der Allradfahrzeuge bei Rallyes Einhalt gebieten. Neben verbesserten Lufteinlässen, umfangreichem Spoilerwerk und superleichten Carbonteilen zeichnete sich die neue Powerversion des Turbo-Fünfers durch einen versteiften Aufbau, eine modifizierte Aufhängung und eine Leistungssteigerung auf 350 PS aus. Damit war der Renault 5 Turbo Maxi das stärkste jemals gebaute Rallyefahrzeug mit 2WD-Antrieb.

Auch im Rallyesport, allen voran bei der berühmten Rallye Paris–Dakar engagierte sich Renault. Gleich bei der ersten Auflage des Offroadspektakels belegten die Brüder Bernard und Claude Marreau 1979 im Renault 4 Sinpar 4x4 den zweiten Platz im Gesamtklassement. 1980 reichte es insgesamt zu einem dritten Rang. Die Erfolge ebneten den Weg für eine Werksunterstützung durch Renault. Das Unternehmen überließ den Brüdern eine Renault 20 Rohkarosserie. Die Vorderradaufhängung entsprach der Serie, im Heck bauten die Marreaus Teile des Unterbodens und die Starrachse eines Renault Trafic Transporters ein. Die Rückbank entfernten sie und ersetzen sie durch einen 200-Liter-Benzintank. Der Motor stammte vom Renault 18 Turbo. Seine Atemluft bezog das 1.565-Kubikzentimeter-Aggregat mit 110 PS über einen lang gezogenen Schnorchel, der fast bis zum Dachende reichte. 1981 starteten die Marreaus erstmals mit dem Renault 20 Turbo in die Wüste. Im zweiten Anlauf gelang mit der neuen 4x4-Version der Sieg bei der Paris–Dakar.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group