Renault Zoe: Die Zukunft kommt auf leisen Sohlen

Redakteur: Gerd Steiler

Der neue Renault-Stromer soll im Sommer kommenden Jahres an den Verkaufsstart gehen. Sein Einstiegspreis soll bei knapp über 20.000 Euro liegen. Die Batterie allerdings kostet extra.

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Bislang hat Renault vor allem mit großen Ankündigungen von sich reden gemacht. Denn viel mehr als ein paar Prototypen und das Versprechen, zusammen mit der Konzernschwester Nissan demnächst 500.000 Elektroautos pro Jahr zu verkaufen, hatten die Franzosen nicht zu bieten. Doch jetzt macht Konzernchef Carlos Ghosn langsam ernst und schickt nach dem Nissan Leaf auch den Renault Zoe auf die Straße. Noch ist der Kleinwagen im Format des Clio zwar eine Mischung aus Designstudie und Prototyp. „Aber genau so, ohne große Änderungen, wird der Zoe im nächsten Sommer in Serie gehen“, verspricht der verantwortliche Designer Axel Breun, „90 Prozent aller Teile sind schon final.“

Spritzig, hanlich und geräumig

Während die Kunden also noch gut ein Jahr auf die Jungfernfahrt warten müssen, durften wir mit dem Zoe schon eine kleine Spritztour machen. Er ist spritzig und handlich und vor allem überraschend geräumig. Mit einer Gesamtlänge von 4,09 Metern und einem Radstand von 2,92 Metern Radstand bietet der Zoe genügend Platz für vier Personen. Selbst der Kofferraum ist mit mit einem Ladevolumen von 292 Litern durchaus alltagstauglich.

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Die Liebe zum Detail, die edlen Materialien und die phantasievollen Formen – all das ist bei einem Kleinwagen aus Frankreich schon eine schöne Überraschung. Doch der größte Trumpf des kleinen Stromers ist sein Preis: Kaum mehr als 20.000 Euro soll der Zoe kosten, wenn er im nächsten Jahr auf den Markt kommt. „Zieht man davon noch die 5.000 Euro Subvention ab, die es zum Beispiel hier in Frankreich für Elektrofahrzeuge gibt, dann liegt der Zoe gleichauf mit einem Clio Diesel“, rechnet der Designer vor.

Batterie für 70 Euro Monatsmiete

Im Staunen geht das Kleingedruckte allerdings schnell unter: Denn anders als bei den durchweg 10.000 Euro teureren Konkurrenten wie dem Mitusbishi i-Miev oder dem Nissan Leaf ist die Batterie bei Renault im Preis nicht inbegriffen. Aber selbst wenn man dafür wie geplant noch 70 Euro Miete im Monat zahlen muss, bleibt der Zoe ein Schnäppchen und kann als erster Stromer sogar halbwegs mit einem Hybrid-Auto wie dem Toyota Prius konkurrieren.

So phantasievoll das Design und die Innenausstattung wirken, so nüchtern ist neben der Preiskalkulation die Technik hinter dem neuen Markengesicht mit der riesigen Raute: Wie im elektrischen Kangoo und im umgebauten Fluence setzt Renault auch im Zoe auf einen einzelnen Elektromotor an der Vorderachse, der hier auf 60 kW/82 PS und bis zu 222 Newtonmeter Drehmoment ab der ersten Umdrehung kommt. Damit erreicht der Zoe ein emossionsfreie Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h

Laden oder wechseln

Gespeist wird der Stromer aus einem Lithium-Ionen-Akku, für den Renault bei 22 kWh Kapazität eine Reichweite von 160 Kilometern in Aussicht stellt. Wo andere Elektroautos danach für Stunden an die Steckdose müssen, hat der französische Hersteller eine schnelle Alternative vorgesehen. Natürlich kann man auch den Zoe binnen vier bis 8 Stunden daheim in der Garage oder in 30 Minuten an der Starkstrombuchse laden. Alternativ dazu kann man aber einer speziellen Quickdrop-Station innerhalb von nur drei Minuten einfach den Akku wechseln.

Dumm nur, dass es in Frankreich demnächst erst eine und in Deutschland noch gar keine solche Einrichtung gibt. Aber für Designer Breun ist der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur machbar: „Bis zur Markteinführung ist ja noch ein Jahr Zeit.“

sp-x/bb

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