Vespa-Boom Roller statt Bus

Autor / Redakteur: dpa / Nick Luhmann

Der Kraftradboom im Corona-Jahr 2020 hat vor allem dem italienischen Hersteller Piaggio in Deutschland viele neue Kunden beschert. Und auch in diesem Jahr deutet nichts darauf hin, dass der Roller-Trend abreißen wird.

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(Bild: Piaggio)

Wurden 2019 rund 18.900 Roller von Piaggio neu zugelassen, waren es im vergangenen Jahr mehr als 30.800. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor. Damit war der Hersteller des Kultrollers Vespa erstmals beliebter als jede andere Marke im Segment der Krafträder.

Dem Automobilhandel ist der Trend nicht verborgen geblieben. Die Berliner König-Gruppe setzt schon seit ein paar Jahren auf das Rollerfabrikat, hat zuletzt 2020 in Hamburg einen Vespa-Store eröffnet. Und auch die Hardenberg-Gruppe ist ins Vespa-Geschäft eingestiegen, rundet im VW-Autohaus in Karlsruhe das Mobilitätsangebot mit den Italienern ab.

In den Vorjahren war stets BMW Spitzenreiter gewesen. Von dem Hersteller wurden 2020 hierzulande jeweils knapp 27.800 Motorräder neu zugelassen, 2019 waren es fast 26.200. Knapp dahinter folgt die österreichische Marke KTM, von der im vergangenen Jahr knapp 26.500 Motorräder neu registriert worden sind (2019: 19.777).

Die leichten Motorräder, die oft mit Automatik betrieben werden, böten sich in verkehrsbelasteten Städten als Ersatz für das Auto an, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands der Motorradfahrer, Michael Lenzen, den Trend. „Auf dem Land ist ein Mofa oder Roller für junge Menschen angesichts eines oftmals geringen Angebots an ÖPNV die einzige Alternative, um mobil zu sein.“ Sie seien zudem in ihrer Leistung und Fahrweise in den vergangenen Jahren Motorrädern immer ähnlicher geworden.

Auch der Industrie-Verband Motorrad (IVM) sieht Vorteile bei den Motorrollern. Sie erwiesen sich als „höchst praktische Mobilitätslösung beim Pendeln zum Arbeitsplatz genauso wie zum Einkaufen – mit quasi eingebauter Parkplatzgarantie“, wie Sprecher Achim Marten sagte.

Krafträder 32 Prozent im Plus

Insgesamt wurden 2020 knapp 222.000 neue Krafträder von den zuständigen Behörden registriert – ein Plus von fast 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist nach Ansicht der Experten einerseits die Pandemie. „Motorradfahren war eines der wenigen Dinge, die man unter den Corona-Schutzbedingungen noch machen konnte“, sagte Lenzen. Viele Menschen scheuten den Experten zufolge zudem Bus und Bahn und stiegen stattdessen auf Roller oder Motorrad um.

Außerdem wurden Ende 2019 neue Führerscheinregeln erlassen, so dass erfahrenere Autofahrer nun ohne zusätzliche Führerscheinprüfung Maschinen mit bis zu 125 Kubikzentimetern Hubraum und 15 PS fahren dürfen. Von dieser Möglichkeit machten nach Angaben des IVM 2020 etwa 50.000 Menschen Gebrauch. „Der exorbitante Anstieg der Zulassungszahlen in der 125-Kubikzentimeter-Klasse ist insbesondere auch auf dieses Mobilitätsangebot zurückzuführen“, so Marten.

Lenzen rechnet wegen des Kraftrad-Booms zwar zunächst mit mehr Unfällen auf Deutschlands Straßen. „Wir hoffen allerdings, dass sich der Trend sinkender Unfallzahlen bei den Motorrädern trotz der steigenden Zulassungszahlen insgesamt weiter fortsetzt.“ Ein- oder Wiedereinsteigern empfiehlt er, ein Sicherheitstraining zu absolvieren.

Die Verbände gehen davon aus, dass sich der Roller-Trend auch in diesem Jahr fortsetzen wird.

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