Rolls-Royce Ghost: Gespenstisch still trotz 12 Zylindern

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Im Münchner Stadtverkehr schwimmt der Ghost wie selbstverständlich mit all den anderen aller Preisklassen geduldig mit. Der Motor bleibt kaum hörbar, der Lärm des richtigen Lebens da draußen ist ausgesperrt.

Das ändert sich, wenn das runde schwarzweiße Schild am Rand der Autobahn die Freiheit des Gasgebens eröffnet. Ein energischer Tritt lässt ihn sofort völlig unaufgeregt galoppieren, nur der kurze Blick auf die Tachonadel beweist, dass die 200 km/h schon weit überschritten sind. Kein Gebrüll aus dem Motorraum, alles bleibt gelassen sanft wie in einem ICE. Selbst das sonst übliche Dröhnen der Reifen oder ein Zischen des Fahrwindes bleibt weitgehend aus.

Rolls-Royce Ghost: Lautloser Gleiter
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Der Ghost ist kein Sportwagen, ist nicht dafür gebaut, um auf Landstraßen um enge Ecken zu räubern. Kein echter Rolls-Royce-Fahrer will so unterwegs sein. Er erwartet aber zu Recht, dass sein sündhaft teures Gefährt nicht wegen seiner Masse und seiner Dimensionen abseits breiter Autobahnpisten zum Ungetüm wird.

Keine Sorge, die präzise Lenkung wirkt auch auf die Hinterräder, die von Kameraaugen entdeckten Unebenheiten werden frühzeitig an die elektronisch geregelten Dämpfer und Feder gemeldet, die Achtgang-Automatik sucht sich selbsttätig die ideale Stufe, ist dafür mit GPS-Satelliten verbunden, die die Landkarte im Blick haben. Alles aufeinander abgestimmt, um die Insassen stets zu verwöhnen. Dazu gehört auch die sensorgesteuerte Filterung der Innenluft.

Kunden wollen kein Start-Stopp

Natürlich ist der Ghost bei diesem Preis schon von Haus aus mit den üblichen Assistenzsystemen gesegnet. Dazu gehören Abstandsradar, Spurhalte-Warnung, halbautomatisches Einparken oder Notbremsassistent. Nach den erwähnten Befragungen der Kunden verzichtet Rolls-Royce aber auf das selbsttätige Weglenken von der Trennlinie beim Spurhalten oder ein Start-Stopp-System. Diese Fahr- beziehungsweise Sparhelfer fielen glatt durch und tauchen so nicht einmal gegen Aufpreis auf. Serienmäßig ist dagegen eine Kombination aus LED- und Laserlicht, dass 600 Meter weit strahlen kann.

Dafür gibt es andere nette Details wie das Schließen der breiten und schweren Türen per Knopfdruck in der Mittelkonsole, das Öffnen der Fondausstiege funktioniert ebenfalls mit elektrischer Hilfe. Natürlich ist auch eine Bremsanlage an Bord, sie dich nach einem Regenguss selbst trocknet, zwei Regenschirme stehen in gesonderten Ablagen bereit. Es ist halt die Summe der vielen durchdachten Details, die das Auto so wertvoll und so teuer machen. Immerhin dauert es wegen der vielen Handarbeit im Werk gut 800 Stunden bis ein Ghost fertig vom Band rollt. Manche Großserienmodelle sind schon nach 12 Stunden bereit zur Auslieferung.

Natürlich ist der Ghost in den Augen vieler Kritiker aus der Zeit gefahren, ist zu groß für unsere engen Städte, braucht zu viel Benzin (15,5 Liter auf 100 km) und stößt zu viele Schadstoffe aus (bis 358 Gramm/km). Er wird aber in viel zu kleinen Stückzahlen verkauft, um in einer Klimabilanz in Gewicht zu fallen.

Die Elektrifizierung kommt

Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös sieht für seine Marke aber auch eine Zukunft in der neuen, der elektrischen Welt. „Wir arbeiten an einem Rolls-Royce mit reinem Elektroantrieb, standesgemäßer Reichweite und all dem Komfort, den unsere Kunden von uns erwarten“. Noch verrät er nicht, wann so ein Stromer mit Kühlerfigur zu haben sein wird, verrät aber: „Es wird schneller gehen als man denkt.“

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