Saab-Gläubiger drohen mit Vollstreckung

Deutsche Händler warten auf sechsstelligen Betrag

16.06.2011 | Autor: cb/jr/dpa

Trotz chinesischer Unterstützung scheint für den schwedischen Autobauer Saab die Luft noch dünner zu werden. Zahlreiche Zulieferer und Gläubiger haben sich mit ihren ausstehenden Forderungen an „Kronofogden“, das in Schweden für Vollstreckungen zuständige Amt, gewandt. Dies berichtet die schwedische Zeitung „GT“ in ihrer Online-Ausgabe. Demnach haben die Unternehmen Forderungen bis zu knapp 750.000 US-Dollar.

Laut einer Liste, die die Onlinezeitung veröffentlicht hat, sollen bis Dienstagabend knapp 50 Unternehmen den Schritt unternommen haben, darunter diverse Dienstleister wie Personalberater Michael Page International, aber auch Zulieferer wie Kongsberg Automotive und Benteler. Die ausstehenden Beträge belaufen sich demnach auf knapp 3,7 Millionen US-Dollar.

Allerdings dürfte es sich bei dieser Summe lediglich um einen kleinen Teil der Schulden handeln, die die einstige GM-Marke unter ihrem neuen Besitzer Spyker angehäuft hat. Zudem scheinen große Gläubiger wie General Motors einen anderen Weg zu suchen. Zuletzt hatte sich Brancheninsidern zufolge der französische Zulieferer Valeo quer gestellt.

Die Zeitung „Dagens Nyheter“ schätzt den Saab-Schuldenstand auf aktuell rund 500 Millionen Kronen (54,7 Millionen Euro). Das kurzfristig benötigte Geld könnte vom Verkauf der eigenen Fabrikanlagen an schwedische Immobilien-Investoren kommen, die nach Medienangaben 900 Millionen Kronen hinblättern und danach Miete einstreichen wollen. „Es gibt keine Deadline, wir tun, was wir können“, sagte die Saab-Sprecherin.

Schuhmacher: „Die Händler werden ihr Geld bekommen.“

Er wisse nichts von einem drohenden Insolvenzantrag, sagte Jan-Philipp Schuhmacher, der seit Anfang April als Country Director bei Saab für Deutschland zuständig ist, auf Anfrage von »kfz-betrieb ONLINE«. Zu den Gläubigern gehören auch die deutschen Saab-Händler: Laut einer Umfrage des Händlerverbands haben derzeit 32 Händler Forderungen in Höhe von über 200.000 Euro, die noch nicht durch eine Gutschrift festgestellt wurden.

„Die Händler werden ihr Geld bekommen“, stellt Schuhmacher klar. Ursprünglich wollten die Schweden, die jüngst nach monatelanger Suche zwei chinesische Partner präsentiert hatten, ihre Schulden gegenüber den deutschen Händlern bis Anfang Juni begleichen. „Es wurden Zusagen gemacht, im Juni Zahlungen zu leisten“, erläutert Schuhmacher. „Diese sind noch nicht erfolgt, sie werden aber schnellstens angewiesen.“ Allerdings verwies er dabei auf den schwedischen Mutterkonzern.

Schuhmacher versucht den deutschen Händlern Mut zu machen. „In Deutschland hat der Auftragseingang gegenüber Mitte Mai um 50 Prozent zugelegt“, so Schuhmacher, ohne konkrete Zahlen zu nennen. 9-5, 9-4x und Sondermodelle würden sich positiv entwickeln.

Das bestätigt auch der Vorsitzende des Saab-Händlerverbands, Frank Jaenicke. Allerdings sei, da die erste Jahreshälfte für die Partner offenbar ganz gut gelaufen ist, die derzeitige Situation umso ärgerlicher: „Trotz der schlechten Nachrichten kaufen die Leute bei uns Autos, aber wir können ihnen jetzt nicht mehr verlässlich sagen, wann geliefert wird.“

Auf Seite 2: Händlern fehlen elementare Dinge

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