Schmauder & Rau: Automobiler Service aus dem Bilderbuch

Schwäbischer Handwerksbetrieb gewinnt Deutschen Werkstattpreis 2019

| Autor: Steffen Dominsky

Schmauder & Rau aus Kirchheim ist eine Freie Werkstatt – und noch viel mehr.
Schmauder & Rau aus Kirchheim ist eine Freie Werkstatt – und noch viel mehr. (Bild: Dominsky/»kfz-betrieb«)

Alles fing „ganz harmlos“ – sprich: klein – an. Vor einem Vierteljahrhundert erfüllte sich Kfz-Meister und Karosseriebauer Stefan Schmauder einen Jugendtraum: Zusammen mit Frank Müller eröffnete er die freie Kfz-Werkstatt „Auto Schmauder“. Müller kümmerte sich um die betriebswirtschaftlichen Dinge in der jungen Firma und der Namensgeber um die werkstatttechnischen. Zusammen trafen sie den Nerv der Zeit und ihrer Kundschaft.

Letztere wuchs und wuchs, und mit ihr auch die Belegschaft des Betriebs. „Pro Jahr stellen wir im Schnitt eineinhalb neue Mitarbeiter ein“, verkündet Stefan Schmauder nicht ohne Stolz beim Jurytermin zum Deutschen Werkstattpreis. Mittlerweile firmiert Auto Schmauder als „Ihr Autozentrum in Kirchheim unter Teck“. Fast 40 Frauen und Männer umfasst das Team dieses Zentrums – beeindruckend.

Beeindruckend ist aber auch das Leistungsangebot des schwäbischen Familienbetriebs. Als klassischer freier Anbieter für Service- und Mechanikarbeiten gestartet, ergänzten im Laufe der Jahre immer weitere Sparten das Angebot. Als ein lokaler Reifenhändler aufgab, griff Schmauder zu und übernahm Geschäft und Kundenstamm. Seitdem ist das Reifengeschäft nicht wie bei vielen Betrieben nur ein „klassisches“, sondern auch ein überaus lukratives für die Kirchheimer.

Auch als es um eine Fortführung der lokalen Vertretung für den Sitzhersteller Recaro ging, ließ sich Schmauder nicht lange bitten. Karosseriearbeiten fragten die Kunden ebenfalls irgendwann an, und bekamen sie selbstredend. Für Stefan Schmauder und seine Frau Bettina bedeutet Mobilität mehr als nur Autos am Laufen zu halten, und das setzen sie mit ihrem Unternehmen auch erfolgreich um. Beispielsweise handeln sie seit vier Jahren auch mit Neufahrzeugen.

Platz für ganz viele gute Ideen

Das kam so: Um die Vertretung einer Kölner Automarke („Autohaus Rau“) stand es nicht gut und in der Folge stand die entsprechende Immobilie zum Verkauf. Doch statt nur das Gebäude zu erwerben, stiegen die Schmauders größer ein. Sie übernahmen das Personal (teilweise) sowie den noch existierenden Ford-Servicevertrag (vollständig).

Das brachte dem Kfz-Unternehmerpaar nicht nur den langersehnten Platz für ihr vorhandenes Servicegeschäft, sondern erweiterte dieses um zusätzliche ertragreiche Säulen. Besagter Ford-Service macht mittlerweile immerhin rund 35 Prozent des gesamten Serviceumsatzes aus, und dank des vorhandenen Showrooms konnte ein finanziell lukrativer EU-Neuwagenhandel etabliert werden. Um die 140 Fahrzeuge pro Jahr verkauft seither der bis dato „typische“ freie Betrieb. Und die bringen nicht nur Umsatz und Ertrag; das Neuwagengeschäft sorgt auch für Nachschub im Service.

Während ihr Hersteller Ford gerade dabei ist, seine ersten elektrifizierten Modelle in den Markt zu steuern, sind die Schmauders diesbezüglich schon viel weiter. Gerade beim Thema E-Mobilität ist das Autozentrum in Kirchheim unter Teck für einen freien Betrieb nicht nur auf der Höhe der Zeit, sondern dieser voraus. So ist beispielsweise der Vertrieb hochwertiger E-Bikes bereits seit Jahren ein fester Teil seines Portfolios. Auch bei den vierrädrigen Fahrzeugen sind die Schmauders frühzeitig ihrem Instinkt gefolgt und haben sich dem alternativen Antriebskonzept geöffnet. Das Ergebnis: 60 bis 70 Streetscooter werden heute bereits von Schmauder & Rau gewartet; bald kommen weitere 15 hinzu. Allein drei „Hochvolt-Mechaniker“ kann der freie Kfz-Spezialist aufbieten – mehr als viele Markenbetriebe.

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