Schwacke befürchtet wachsenden Preisdruck

Autor: Silvia Lulei

WLTP ist nicht nur ein Neuwagenthema, sondern sorgt auch im Gebrauchtwagengeschäft für Turbulenzen. Die vielen taktischen Zulassungen im August sorgen mittelfristig für Druck im Handel und am Ende für sinkende Preise.

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Im August wurden last minute Tausende von Fahrzeugen nach Euro 6b zugelassen. Die werden jetzt als junge Gebrauchte verkauft. Das wird zu Verschiebungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt führen.
Im August wurden last minute Tausende von Fahrzeugen nach Euro 6b zugelassen. Die werden jetzt als junge Gebrauchte verkauft. Das wird zu Verschiebungen auf dem Gebrauchtwagenmarkt führen.
(Bild: © animaflora – stock.adobe.com)

WLTP wirkt sich nicht nur auf den Neu-, sondern auch auf den Markt für gebrauchte Fahrzeuge aus. Die Marktbeobachter von Schwacke befürchten „für den Rest des Jahres nichts Gutes“. Das liege vor allem an den „beunruhigend hohen“ WLTP-induzierten Handelszulassungen im August.

Im August konnten noch produzierte, aber nicht nach WLTP getypte Pkw zugelassen werden. Diese Chance nutzten Händler und Hersteller für taktische Zulassungen. Im August waren es 3,6 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresmonat. Aufgrund dieser Steigerung waren im Vergleich zum Juli 2018 mit einem Schlag 46.000 Fahrzeuge mehr auf dem Markt. Zu 80 Prozent handelt es sich dabei um Benziner, aber es gab offenbar auch Hybridbestände, die noch schnell mit Euro 6b zugelassen werden mussten. Auf Markenebene stellte Schwacke zudem fest, dass manche Hersteller das taktische Augustvolumen 2018 im Vergleich zu 2017 mehr als verdoppelt, in zwei Extremfällen gar verfünf- und verzehnfacht haben.

Die taktischen Zulassungen sind im August 2018 extrem gestiegen.
Die taktischen Zulassungen sind im August 2018 extrem gestiegen.
(Bild: Schwacke)

„Ein Großteil dieser Fahrzeuge muss über den Handel nun vermarktet werden. Und in der Regel hat es dazu eine finanzielle Unterstützung des Herstellers oder Importeurs gegeben. Das Ziel wird sein, vor Jahresende diese Zusatzvolumina vom Hof zu bekommen,“ erläutert Andreas Geilenbrügge, Head of Valuations & Insights bei Schwacke. „Da es sich um verhältnismäßig günstige, sehr junge Gebrauchte handelt, werden diese nicht nur als Gruppe unter Preisdruck geraten, sondern auch als preislich attraktive Alternative jeweils ältere Gebrauchte wie die klassischen Jahreswagen, Leasing- und Vermietrückläufer belasten.“

Geilenbrügge geht davon aus, dass die Standzeiten im Durchschnitt zunächst sinken – bei deutlichem Volumenzuwachs an jungen Fahrzeugen. Die Preise werden voraussichtlich sukzessive nachgeben und die Standzeiten in Richtung Ende des Jahres wieder steigen. „Wie hoch der Anteil der ins Ausland verkauften Fahrzeuge sein wird und was aus den nicht zugelassenen, zwischengeparkten Fahrzeugen wird, bleibt abzuwarten,“ merkt Geilenbrügge an.

Für Schwacke-Geschäftsführer Thorsten Barg sorgt WLTP „in vielen Bereichen für Turbulenzen, so auch im Gebrauchtwagengeschäft“. Zahlreiche zusätzliche günstige, sehr junge Gebrauchte werden nun bis Ende des Jahres vermarktet werden müssen und dem Segment der zwei- bis vierjährigen Gebrauchtwagen Kunden abspenstig machen. Das sorgt wiederum in diesem Bereich für längere Standzeiten und Preisdruck.

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Über den Autor

 Silvia Lulei

Silvia Lulei

Chefredakteurin »Gebrauchtwagen Praxis«, Vogel Communications Group