Seat Ibiza Cupra: Vernünftig sportlich

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Ein Einkaufswagen mit fast 200 PS: Die Topversion des Ibiza zeigt, dass sich Alltagstauglichkeit und Fahrspaß nicht gegenseitig ausschließen müssen.

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Stadtflitzer mit knapp 200 PS: der Seat Ibiza Cupra.
Stadtflitzer mit knapp 200 PS: der Seat Ibiza Cupra.
(Foto: Seat)

„Bitte schalten Sie nun Ihre kühle Vernunft aus - und sich selber an.“ Solch eine Anzeige würde eigentlich ganz gut in Stadtflitzer passen, die mit annähernd 200 PS vollgepumpt an den Start gehen. Schließlich sind die Kleinwagen ja ursprünglich stets als genügsame und reizarme Einkaufskörbe konzipiert. Der runderneuerte Ibiza Cupra zeigt aber, dass auch die Kaufentscheidung für einen Mini-Boliden im kommenden Frühjahr durchaus vernunftgesteuert sein kann – trotz eines Preises von 23.060 Euro.

Denn erstens bekommt der Fahrer dafür einen voll alltagstauglichen Wagen. Zweitens eine Menge sinnvoller Verbesserungen. Und drittens die Extraportion Spaß – auch im Vergleich zum Vorgänger. Und das hat sogar mit Verzicht zu tun: Der hatte nämlich noch den 1,4-Liter-Turbo mit 180 PS, zwangsgekoppelt an ein Siebengang-DSG. Das „wollten die Kunden eher nicht“, gibt Deutschland-Geschäftsführer Bernhard Bauer freimütig zu. Schalterlebnis will der Fahrer im Ibiza Cupra. Nun werkelt ein 1,8-Liter-Turbo – und das alternativlos aus sechs Gängen handgeschaltet.

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Mit 192 PS leistet der neue Motor dem Hubraumzuwachs entsprechend mehr. Auf dem Papier rauschen dabei mit 6,0 Liter nur 0,1 mehr als bisher durch den Auspuff. Nur technophile Zen-Buddhisten werden aber wohl in Reichweite dieses Wertes kommen. Denn die Qualitäten des Ibiza Cupra lassen weit über die reine Leistung des Motors hinaus derart lustfeindliche Abstinenz einfach nicht zu.

Das Klacken durch die Kulisse entfacht sofort Suchtcharakter, und ergibt mit dem um gewaltige 70 auf 320 Newtonmeter angestiegenen Drehmoment wirkliches Sportwagengefühl. Wie im Katalog versprochen hängt der Ibiza von 1.450 bis 4.200 Nm nahtlos am Gas, die 6,7 Sekunden vom Stand bis zur 100 Stundenkilometermarke fühlen sich noch schneller an. Und acht Liter Fahrfreude-Obolus auf 100 glückliche Landstraßen-Kilometer ist ja auch kein Schreckenswert. Nur bei intensivem Ausleben Richtung der 235 Stundenkilometer-Endgeschwindigkeit werden es noch mal deutlich mehr.

Das ist aber nicht die Domäne des Ibiza. Im Feldversuch auf abgesperrten kurvigen Sträßchen im katalanischen Hinterland zeigt sich, dass der „Cup Racer“, kurz Cupra, eher auf die Bergwertung aus ist. Die zweite fahrdynamische Neuerung im gelifteten Spanier trägt zum explosiven Spaß bei: die serienmäßige Fahrprogrammwahl „Cupra Drive Select“ mit verstellbaren Dämpfern und elektronischer Differenzialsperre. Auch mit äußerst beherztem Herangehen liegt der Cupra perfekt ausgesteuert auf der Straße.

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