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Selbst viele junge Leute sehen Touchscreens im Auto kritisch

Autor: Christoph Seyerlein

Laut einem aktuellen Gerichtsbeschluss können Touchscreens im Auto unter das „Handy-Verbot“ fallen. Dennoch setzen fast alle Hersteller mittlerweile auf sie. Gerne mit der Begründung, die junge Zielgruppe wolle das. Eine Umfrage von »kfz-betrieb« erweckt daran nun Zweifel.

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Ein Urteil gegen einen Tesla-Fahrer hat eine Grundsatzdiskussion über Touchscreens in Autos ausgelöst.
Ein Urteil gegen einen Tesla-Fahrer hat eine Grundsatzdiskussion über Touchscreens in Autos ausgelöst.
(Bild: Tesla)

Ein Gerichtsbeschluss gegen einen Tesla-Fahrer hatte kürzlich hohe Wellen geschlagen: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte gegen den Mann ein Bußgeld und ein Fahrverbot verhängt, weil dieser die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und einen Unfall baute, während er den Touchscreen seines Model 3 bediente. Während eines Regenschauers hatte der Fahrer versucht, das Wischintervall des Scheibenwischers manuell zu verstellen, was bei Tesla nur über den Touchscreen möglich ist. Nach Ansicht der Richter stellt die Technik in einem solchen Fall ein elektronisches Gerät im Sinne von Paragraf 23 der Straßenverkehrsordnung („Handy-Verbot“) dar (AZ.: 1 Rb 36 Ss 832/19).

Für die Autobranche könnte die Rechtsprechung durchaus Folgen haben, verbauen doch immer mehr Hersteller Touchscreens in ihren Neuwagen. Eine dabei gern genommene Begründung: Das komme gerade bei der jungen Zielgruppe gut an, da diese an die Technik gewöhnt seien. Eine Umfrage von »kfz-betrieb« bei Instagram erweckt an jener Aussage aber zumindest Zweifel. Von den insgesamt 2.398 Abstimmungsteilnehmern bewertete die Mehrheit (54 %) Touchscreens im Auto negativ.

Bei den knapp 30.000 Instagram-Followern von »kfz-betrieb« handelt es sich überwiegend um junge, autoaffine User. 87 Prozent sind 34 Jahre oder jünger und sollten damit in die von Autoindustrie benannte Zielgruppe fallen.

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass das „Handy-Verbot“ künftig nicht mehr nur Smartphones sondern auch fest installierte Touchscreens? Daniel Wuhrmann von der Kanzlei Reuschlaw erklärt dazu: „Die rechtlichen Feststellungen des Oberlandesgerichts Karlsruhe lassen sich durchaus diskutieren, allerdings sprechen aus meiner Sicht einige der aufgeführten Argumente dafür, dass sich diese Ansicht halten wird.“

Geschädigte könnten auf Schadenersatz klagen

„Dies vorausgesetzt, kann die Entscheidung durchaus Folgen auf eine mögliche Haftung der Hersteller von Fahrzeugen und Touchscreens haben.“ Hintergrund sei, dass Hersteller von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen rechtlich verpflichtet sind, ihre Produkte so zu konstruieren, dass diese grundsätzlich für den Einsatz auf der Straße geeignet sind und keine unerwartbaren beziehungsweise überhöhten Gefahren von ihnen ausgehen.

„Verstößt aber die Verwendung einer für den sicheren Betrieb eines Fahrzeugs notwendigen Funktion gegen eine Bestimmung der StVO, besteht zumindest die Möglichkeit, dass der Einsatz eines solchen Fahrzeugs eine überhöhte Gefahr darstellt.“ Und somit eigne es sich laut Wuhrmann aufgrund des Verstoßes gegen geltende Verkehrsregeln nicht für den Einsatz auf der Straße. Geschädigte könnten hierauf Ersatzansprüche begründen.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«