Nach außen versucht Volkswagen das Golf-8-Dilemma herunterzuspielen. Doch intern brodelt es in Wolfsburg stark. Das Management um Herbert Diess muss sich dem Aufsichtsrat erklären. Personelle Konsequenzen scheinen nicht ausgeschlossen.
Der Druck auf Volkswagen-Chef Herbert Diess ist unter anderem wegen der Pannenserie rund um den Golf 8 groß.
(Bild: Seyerlein/»kfz-betrieb«)
Der Auslieferungsstopp des VW Golf 8 wegen Problemen mit dem Notrufsystem schlug zuletzt hohe Wellen. Nun veröffentlichte das Online-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ weitere Details. Demnach sollen etwa an einem Beispieltag im März weniger als 40 Prozent der fertiggestellten Golf-8-Exemplare einwandfrei das Band verlassen haben. Auch bei einzelnen Zwischenabnahmen während der Produktion bleibe die Fehlerquote hoch.
VW erklärte, es ließen sich immer Dinge verbessern – aber der Golf 8 sei in vielerlei Hinsicht eben auch ein komplett neues Projekt. Einen Sprecher zitierte das Magazin mit folgenden Worten: „Der Golf 8 setzt in Puncto Digitalisierung und Konnektivität noch nie dagewesene Maßstäbe. Der Verbau und die Inbetriebnahme der hochkomplexen Komponenten sind umfangreicher als die seiner Vorgänger. Dennoch benötigen wir beim Golf 8 eine Stunde weniger in der Fertigung, als bei seinem Vorgänger. Mit dem Anlauf sind wir daher sehr zufrieden. Dies zeigen auch die internen Zahlen – die wir stets vergleichen mit den Anläufen anderer Modelle.“
Dennoch hatte Konzernchef Diess den Marktstart des Golf 8 bei Linkedin als einen „der besten, die wir je hatten“ bezeichnet. Letztlich gipfelten die Probleme aber im aktuellen Auslieferungsstopp wegen Problemen mit dem Notrufsystem. Betriebsratschef Bernd Osterloh warf dem Top-Management mangelndes Engagement bei der Lösung der Probleme vor. Es geht vor allem um die grundlegend neuen Software-, IT- und Elektroniksysteme der 8er-Reihe, bei denen weiter Fehler auftauchen.
Gerüchte über personelle Konsequenzen
Die anhaltenden Produktions- und Qualitätsprobleme rund um das Modell waren dem Vernehmen nach allerdings am Donnerstag zu einem zentralen Thema der Sitzung des VW-Aufsichtsrats. Vor der Sitzung hieß es aus dem Umfeld der Aufseher, dass Diess in seinem Bericht Stellung zu den Schwierigkeiten beim Anlauf der neuen Ausgabe des wichtigsten Konzernmodells nehmen solle. Informationen zu Ergebnissen des Treffens gibt es bislang nicht. Laut Business Insider erwägt Diess aufgrund der Misere personelle Konsequenzen.
Doch auch für Diess selbst wird die Luft dünner. Denn auch ein rassistisches Werbevideo und Unklarheiten um den Status des Elektrohoffnungsträgers VW ID 3 belasten das Klima in Wolfsburg. Gerade bei letzterem Projekt ist der Druck groß. „Zwei Rohrkrepierer wird Diess nicht überstehen“, zitiert der Business Insider einen namentlich nicht genannten VW-Manager.
Die „Bild“ schrieb am Donnerstag, der Betriebsrat um Osterloh und der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann planten einen Putsch gegen Diess. In einer gemeinsamen Stellungnahme wiesen beide das allerdings zurück. „Das entbehrt jeder Grundlage. Diese Meldung ist Quatsch“, teilten Osterloh und Hofmann mit.
Allerdings platzte den IG-Metall-Vertrauenskörper-Leitungen der deutschen Werke in einem offenen Brief der Kragen. „Dieses schlechte Bild in der Öffentlichkeit zerstört das über Jahrzehnte gewachsene Kundenvertrauen und gefährdet so unsere Arbeitsplätze“, heißt es darin. Diess öffentliche Einschätzung zum Golf-Anlauf empfänden viele Mitarbeiter am Band geradezu als zynisch. Von einem „Marketing- und Kommunikationsdesaster“ ist die Rede. „Mittlerweile ist ein Zustand erreicht, in dem sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen für ihren Arbeitgeber schämen und ihn teilweise verleugnen.“
Der Vorstand müsse Stellung beziehen: „Wer von Ihnen trägt die Verantwortung dafür, dass wir Technik und Marketing wieder in den Griff bekommen? Wer übernimmt die Verantwortung für das Produktdesaster unserer aktuellen Modellpalette?“
Stand: 08.12.2025
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