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Sixt will mit Auto-Flatrate den Handel angreifen

| Autor: Christoph Seyerlein

Zum Handyvertrag von 1&1 gibt es künftig optional auch eine „Neuwagen-Flatrate“ von Sixt dazu. Der Chef des Autovermieters nutzte die Vorstellung des Angebots für eine Kampfansage an den klassischen Autohandel.

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(Foto: Sixt)

Wer beim Internetdienstleister 1&1 einen Mobilfunkvertrag mit „All-Net-Flat“ abschließt, hat ab sofort exklusiv die Möglichkeit, bei Sixt einen neuen Peugeot 208 zu leasen. Die beiden Unternehmen gaben am Mittwoch eine Vertriebskooperation bekannt. Das Ziel, das Sixt mit der Aktion verfolgt, versucht Vorstandschef Rudolf Rizzolli gegenüber dem „Handelsblatt“ gar nicht erst zu verbergen: „Wer ein neues Auto kaufen will, geht zum Händler. Das wollen wir ändern.“

Näher ins Detail geht Rizzolli auch in einer Mitteilung, die das Unternehmen am Mittwoch versendet hat. „Der Markt für Neufahrzeuge ist der letzte große Markt in Deutschland, der nicht digitalisiert ist“, heißt es dort. Allein in Deutschland sei das Geschäft mit Neuwagen ein fast 100 Milliarden Euro schwerer Markt, der praktisch allein vom klassischen Handel bestimmt werde. Eine wachsende Anzahl an Kunden wolle „ihr Fahrzeug aber genauso wie andere Konsumgüter nicht nur online vergleichen, sondern auch online bestellen.“

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Damit dabei kein allzu großer Betrag die Seiten wechseln muss, bedient sich Sixt am Know-how von 1&1 im Flatrate-Geschäft. Die Idee ist simpel: Ein Kunde kann für mindestens zwölf und maximal 30 Monate ein Auto nutzen. Dieses Fahrzeug stellt Sixt im günstigsten Fall für 99 Euro pro Monat zur Verfügung, inklusive Überführung, Versicherung, Steuern, Service und Anmeldung – ohne eine sonst beim Leasing häufig übliche zusätzliche Anzahlung. Buchen kann der Kunde das Angebot auf der Website von 1&1, wenn er gleichzeitig einen Mobilfunkvertrag mit „All-Net-Flat“ abschließt.

Zunächst steht lediglich ein Peugeot 208 „Active Pure Tech“ mit 82 PS zur Auswahl. Der Fünftürer ist relativ hochwertig ausgestattet, unter anderem mit Panorama-Glasdach, Leichtmetallfelgen, Sitzheizung vorn, Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und „Mirror Screen“-Technologie für die Einbindung von Smartphones. Außerdem können Kunden zwischen sieben Metallic-Lackierungen wählen. Peugeot baut die 208 auf Bestellung für den deutschen Markt. Sixt kalkuliert für die Lieferzeit rund 16 Wochen. Die Übergabe des Fahrzeugs findet an einer von bundesweit 51 Sixt-Stationen statt. Über den Peugeot 208 wäre eine Ausweitung des Angebots auf weitere Modelle denkbar, Sixt hat beispielsweise sehr gute Kontakte zu BMW.

Zunächst läuft die gemeinsame Aktion der Unternehmen, die aus Sicht von Rizzolli „sehr gut zusammenpassen“, bis Ende Juni. Aufmerksamkeit für das Angebot wollen die Partner durch eine Werbekampagne im Fernsehen sowie in Online- und Printmedien erzeugen. „Wir wollen den Kunden verständlich machen, dass es ab jetzt eine Flatrate für das Auto gibt – All-in und voll flexibel“, sagt Rizzolli.

Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research sieht in der Idee dem „Handelsblatt“ zufolge durchaus Potenzial. „Das Angebot ist schon sehr, sehr preisaggressiv und wird den Peugeot-Händlern gar nicht gefallen“, sagte Dudenhöffer. Dadurch erhöhe sich der Druck im Handel. Skeptisch sieht er die Kooperation mit 1&1. „Dort will man scheinbar Telefonverträge ‚verkloppen‘, die selten oder nur schwer gekündigt werden können.“

„Wir wollen das Amazon für Neuwagen werden“

Die Auto-Flatrate soll bei Sixt nur einer von vielen Schritten auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung des Unternehmens sein. „Wir wollen das Amazon für Neuwagen werden.“ Unter anderem habe Sixt für das klassische Mietwagen-Geschäft einen digitalen Warenkorb entwickelt, die Bestellung läuft komplett online ab, den Vertrag können Kunden per E-Sign abschließen.

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