So verwirrend ist die Abgasnorm Euro 6

Autor / Redakteur: sp-x / Christoph Seyerlein

Aktuell müssen Neuwagen in Europa die Anforderungen der Abgasnorm Euro 6 erfüllen. Da diese aber regelmäßig neue Variationen erhält, kann man schnell den Überblick über den Stand der Dinge verlieren. Inzwischen gibt es Euro 6 in sieben Varianten – und es werden noch mehr.

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Wer heute einen Neuwagen das erste Mal zulassen will, muss ein Fahrzeug der Norm Euro 6d TEMP-EVAP-ISC oder besser besitzen.
Wer heute einen Neuwagen das erste Mal zulassen will, muss ein Fahrzeug der Norm Euro 6d TEMP-EVAP-ISC oder besser besitzen.
(Bild: Mercedes)

Wer vor Fahrverboten sicher sein will, kauft ein Auto der fortschrittlichsten Abgasnorm. Doch das ist gar nicht so einfach: Aktuell gibt es fast ein Dutzend unterschiedlicher Varianten der Euro-6-Stufe, drei davon sind 6d-Normen. Und dann kommt ja auch noch Euro 7.

Wer heute einen Neuwagen das erste Mal zulassen will, muss ein Fahrzeug der Norm Euro 6d TEMP-EVAP-ISC oder besser besitzen. Sie hat im Herbst die Norm Euro 6d-TEMP-ISC abgelöst, die wiederum die bis zum Sommer geltende Normen Euro 6d TEMP EVAP und Euro 6d TEMP ersetzt.

Schon verwirrt? Es geht noch weiter: Vor den 6d-Normen gab es noch die Stufen 6c und 6b, die 2015 die alte Euro-5-Norm endgültig abgelöst haben. Die Geltungszeiträume all dieser Euro-6-Variationen überschneiden sich teilweise, auch weil es für Neuwagen und neue Pkw-Typen jeweils andere Stichtage gibt.

Von den Euro-5-Norm kennt man diese Inflation nicht, sie hatte gerade einmal zwei Iterationen: 5a und 5b. Euro 1 und 2 gab es sogar jeweils nur einmal. Die Euro-6-Norm hingegen existiert bislang sieben Mal, vier weitere Stufen treten bis Anfang 2021 noch in Kraft, bevor schließlich Euro 6d-ISC-FCM der vorläufig dauerhafte Standard wird.

Als Autokäufer könnte man die Euro-6-Verwirrung als bürokratische Posse belächeln. Doch das kann teuer werden. Wie der Abgasskandal gezeigt hat, können Fahrverbote urplötzlich auch jungen Fahrzeugen drohen, die man kurz zuvor noch als normal sauber und modern bezeichnet hätte. Soweit muss es natürlich nicht kommen. Doch vor allem, wer einen teuren Neuwagen kauft, würde das Risiko wohl nicht eingehen wollen, dass das Auto schon kurz nach der Erstanmeldung nicht mehr zulassungsfähig ist.

Viele Normen sind Folge des Abgasskandals

Der Bezug zu möglichen Fahrverboten ist nicht allzu weit hergeholt: Dass es so viele Normen gibt, hat nämlich durchaus etwas mit dem Abgasskandal zu tun. Denn in dessen Folge haben die Behörden bei der Überwachung der Autohersteller noch einmal nachgeschärft. So gibt es bei den einzelnen Stufen der Euro-6-Familie zwar auch einige Änderungen, was die erlaubte Schadstoffmenge angeht.

Was die einzelnen Stufen aber vor allem unterscheidet, sind Nebenregelungen, die die Überprüfung der Fahrzeuge betrifft. Wie etwa der künftig vorgeschriebene Check der Funktion der Abgasreinigung bei bereits ausgelieferten Fahrzeugen. Diese „In-Service-Conformity“, abgekürzt ISC, ist seit Anfang 2019 Bestandteil der Euro-6d-TEMP-Norm. Ein weiterer Bestandteil wird mit EVAP abgekürzt und begrenzt die erlaubten Verdunstungs-Emissionen aus dem Kraftstoffsystem.

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