Spindler-Gruppe: Die Marke ist der gute Name

Würzburger Traditionshändler baut auf die Anziehungskraft des eigenen Labels

21.11.2007 | Redakteur: Gerd Steiler

Seit nunmehr 88 Jahren steht der Name Spindler für automobile Kompetenz und Qualität. Die Erfolgsgeschichte des Würzburger Traditionsunternehmens, die im Jahr 1919 begann, führt die Spindler GmbH & Co. KG heute mit den Marken des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns fort. Doch nicht so sehr die Namen Audi, Seat, Skoda und VW stehen im Vordergrund des werblichen Auftritts des mainfränkischen Automobilhändlers – vielmehr ist es der ebenso traditionsreiche wie gute Name „Spindler“. Diese Strategie spiegelt sich auch in der 2006 vollzogenen Umfirmierung des Unternehmens wider, als aus der Automobilvertriebsgesellschaft Würzburg (AVW) die Spindler GmbH & Co. KG wurde. Mit seinem neuen Namen knüpft das Unternehmen nach eigenem Bekunden an die traditionsreiche Geschichte und die bekannten Werte der Gründerfamilie Spindler an. „Wir sehen uns in erster Linie als Würzburger Unternehmen, das seinen geschäftlichen Fokus jedoch auf die gesamte Region Mainfranken richtet“ meint Christian Wieser, operativer Geschäftsführer der Spindler GmbH & Co. KG. Ziel des neuen Werbe- und Marketingauftritts der Autohandels-Gruppe sei es, den Namen Spindler auf dem hart umkämpften regionalen Markt klar zu positionieren und ihn wieder zu dem zu machen, was er in den 1960ern und 1970ern schon einmal gewesen ist: d e r VW/Audi-Händler in Mainfranken.

Schwieriges Geschäftsjahr

Das Handelsunternehmen zählt derzeit fünf Verkaufsstandorte innerhalb der Stadtgrenzen Würzburgs. Hinzu kommen ein Gebrauchtwagen-Zentrum, das Service-Center Würzburg sowie ein Karosserie- und Lackierzentrum. Mit ihren 260 Mitarbeitern/innen setzte die Würzburger Autohandels-Gruppe im Geschäftsjahr 2006 insgesamt 7 262 Fahrzeuge ab (davon 4 782 Neuwagen und 2 480 Gebrauchtwagen) und erzielte dabei einen Gesamtumsatz von gut 91,9 Millionen Euro. Deutlich schwieriger gestaltetet sich indes das jetzt zu Ende gehende Geschäftsjahr 2007. Vor allem der weithin unterschätzte Mehrwertsteuer-Vorzieheffekt, die anhaltende CO2-Diskussion und rasant steigende Spritpreise waren aus Wiesers Sicht die Hauptursachen dafür, dass der konjunkturelle Aufschwung und die Zunahme des privaten Konsums weitgehend an der inländischen Autobranche vorbeiging. „Insofern war 2007 auch für uns ein recht schwieriges Jahr, wenngleich weniger dramatisch als oftmals dargestellt. Bei den Gesamtstückzahlen liegen wir nicht weit unter Vorjahr“, meint Wieser. Während der deutsche Gesamtmarkt in der Schlussbilanz 2007 voraussichtlich rund zehn Prozent unter Vorjahresniveau bleiben werde, rechne er für die Spindler-Gruppe mit einem nur leichten Absatzminus, das deutlich im „einstelligen Bereich“ bleiben werde. Ähnlich wie beim Neuwagengeschäft lägen auch die Verkaufszahlen im Gebrauchtwagengeschäft leicht unter Vorjahresniveau. Umsatz und Ertrag dagegen seien gestiegen. Wieser sieht hierfür vor allem zwei Gründe: „Zum einen haben wir deutlich mehr höherwertige Gebrauchtwagen verkauft, zum anderen haben wir den Schwerpunkt auf die Qualität des Gesamtgeschäfts gelegt.“

Hoffnung für 2008

Deutlich optimistischer zeigt sich Wieser derweil fürs kommende Automobiljahr 2008. „Ich hoffe, dass der konjunkturelle Aufschwung und der steigende private Konsum im nächsten Jahr auch die Autobranche erreicht und der Knoten endlich platzt.“ Zuversichtlich stimmt ihn dabei auch die aktive Modellpolitik der drei wichtigsten Spindler-Marken VW (Tiguan, Caddy Maxi, Passat Coupé, Scirocco-Revival), Audi (A4, A3 Cabrio und Q5), Seat (Ibiza) und Skoda (Fabia Kombi), die im kommenden Jahr gleich mehrere volumenträchtige Modellneulinge auf den Markt bringen werden. „Produktmäßig sehe ich uns im kommenden Jahr sehr gut aufgestellt. Die angekündigten Modellneulinge werden beim Kunden sicher gut ankommen und uns zusätzliche Verkaufsimpulse bescheren“, prognostiziert Wieser. Doch an die Übernahme neuer Standorte denkt er derzeit nicht. „In Richtung Neuakquise ist momentan nichts geplant. Dabei liegt die Betonung auf „momentan“, denn das kann möglicherweise schon bald ganz anders aussehen. Das hängt von der Entwicklung des regionalen Marktes und ein Stück weit auch von der Strategie unserer Hersteller ab. Grundsätzlich aber sind wir immer gesprächsbereit und offen für geschäftlich erfolgsversprechende Neuakquisitionen“, so Wieser.

„Kundenforum“: positive Kritik

Als mit Abstand wichtigstes Instrument zur Verbesserung der Marktpräsenz sieht Wieser sein Team aus „ebenso qualifizierten wie engagierten Mitarbeitern“. Doch die Spindler-Mannschaft könne nur dann optimal zusammenspielen, wenn die internen Service-Kernprozesse klar definiert seien und von jedem Mitarbeiter „überzeugend gelebt“ würden. Neben den Schulungen und Trainings der Herstellermarken, die von den Spindler-Mitarbeitern aus Verkauf und Service regelmäßig besucht werden, spielt hierbei das hausinterne Kundenzufriedenheits-Management eine entscheidende Rolle. Besonders interessante Aufschlüsse brachte dabei das vor wenigen Wochen erstmals durchgeführte „Kundenforum“ im Volkswagen-Zentrum Würzburg. Dazu eingeladen waren rund 50 Kunden, die sich beim obligatorischen Telefon-Nachreport unzufrieden mit dem Service des Volkswagen-Zentrums geäußert hatten. „Die rund dreistündige Abendveranstaltung brachte uns sehr interessante Erkenntnisse darüber, wie uns der Kunde sieht und was wir konkret verbessern können“, meint Wieser. „Die sehr konstruktive Kritik der Kunden war zwar nicht immer ganz angenehm, aber höchst anregend und effizient.“

Mehr Transparenz für den Gast

Als direkte Konsequenz aus dem Kundenforum entschloss man sich, die Kundendienst- und Serviceannahme baulich zu verändern. Ergebnis der Umgestaltung, die Anfang Dezember abgeschlossen wurde, sind eine klarere Signalisation und Kundenführung und damit mehr Transparenz für den Besucher. Als weiteres Ergebnis wurden drei „Kundenforumteams“ gebildet, die sich mit den Themen „Empfangen“, „Behandeln“ und „Betreuen“ befassen. Alle vier bis fünf Wochen gibt es ein Arbeitstreffen mit dem Chef, bei dem die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorgestellt und mögliche Verbesserungsvorschläge diskutiert werden. „Eine sehr kreative und spannende Sache“, meint Wieser. Für ihn ist die kontinuierliche Verbesserung betrieblicher Abläufe und Prozesse, im Sinne des japanischen Kaizen, eine zentrale Aufgabe der Unternehmensführung. Um im Wettbewerb bestehen zu können, dürfe man nicht bei Erreichtem stehenbleiben, sondern müsse sich permanent weiterentwickeln, verändern und verbessern. „Denn wie heißt es so schön: Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein“, sagt Wieser.

Kritik am Margensystem

Weitgehend zufrieden ist Wieser mit der generellen Politik der von ihm vertretenen Marken: „Die Politik unserer Hersteller ist derzeit okay und erfüllt weitgehend unsere Erwartungen.“ Dies gelte auch für die Marke Volkswagen, die sich derzeit spürbar im Aufschwung befinde. Allerdings macht Wieser hierbei eine wichtige Einschränkung: Denn er kritisiert das vor knapp zwei Jahren eingeführte neue VW-Margensystem als „ungerecht“ und „zu wenig leistungsbezogen“. Das radikal abgespeckte System (Anm. d. Redaktion: einheitliche Grundmarge von 15 Prozent bei gleichzeitiger Streichung aller „Sonderleistungen“ wie Volumen- und Kundenzufriedenheitsbonus) sollte die Margenstruktur für die Händler einfacher, transparenter und damit besser planbar machen. Doch dabei habe es sich VW „zu einfach“ gemacht. „Das System ist mir zu starr und undifferenziert, weil es die individuelle Leistung des Händlers in Sachen Kundenzufriedenheit nicht mehr honoriert. Dies ist für mich nicht nachvollziehbar und klar der falsche Weg“, meint Wieser. Nach seiner Meinung müsste das VW-Margensystem so geändert werden, dass das Thema Kundenzufriedenheit wie bei den Schwestermarken Audi und Skoda auch bei Volkswagen-Pkw wieder „margenrelevant“ und durch entsprechende Boni honoriert werde.

Belohnung muss sein

Doch allzu große Hoffnung macht er sich nicht: „Ich weiß, dass ich damit eher eine Minderheitenmeinung vertrete, die auch der offiziellen Haltung des VW/Audi-Händlerverbands widerspricht. Deshalb glaube ich, dass sich am bestehenden Margensystem so schnell nichts ändern wird.“

Dessen ungeachtet setzt Wieser seine Überzeugung im eigenen Betrieb konsequent in die Tat um. Für all jene Mitarbeiter, die in Verkauf und Service im direkten Kundenkontakt stehen, entwickelt er derzeit ein spezielles Tantiemenmodell, das besondere Leistungen in punkto Kundenzufriedenheit extra honoriert. Dabei bedient er sich auch der offiziellen CSM-Auswertung (Customer Satisfaction Management) von Volkswagen, die Wieser nach wie vor als „klasse Sache“ bezeichnet. „Wir werden dieses Tantiemenmodell auf jeden Fall verwirklichen, egal ob wir vom Hersteller dafür Geld bekommen oder nicht. Schließlich wissen wir, dass wir nur zufriedene Kunden an unseren Betrieb und die Marke VW binden können und die Kundenzufriedenheit damit die wesentliche Basis unseres gemeinsamen geschäftlichen Erfolgs ist. Diese Einsicht würde ich mir auch von unserem größten Hersteller wünschen“, meint Wieser.

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