Staatsanwaltschaft durchsucht VW-Büros wegen EA-288-Motor

Derzeit Ermittlungen gegen Einzelbeschuldigte

| Autor: dpa/gr

(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat im Zusammenhang mit dem Dieselskandal Büros des Autobauers Volkswagen durchsucht. Die Maßnahme hänge mit Ermittlungen gegen Einzelbeschuldigte zusammen und beziehe sich auf Dieselfahrzeuge mit Motoren des Typs EA 288, teilte Volkswagen am Dienstag in Wolfsburg mit. Der Konzern habe die den Vorwürfen zugrundeliegenden technischen Sachverhalte den zuständigen Ermittlungs- und Zulassungsbehörden frühzeitig offen gelegt.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte die Durchsuchung, wollte aber mit Blick auf laufende Ermittlungen keine weiteren Angaben zum Hintergrund machen. Das Unternehmen kooperiere mit der Staatsanwaltschaft, obwohl es die Rechtsauffassung und die daraus resultierenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft für unbegründet halte, hieß es von VW.

Anders sehen das allerdings mehrere Gerichte. „Im laufenden Jahr haben mehrere Zivilgerichte den EA 288 zum Prüffall erklärt und die Einholung von Sachverständigengutachten angeordnet“, erinnerte Rechtsanwalt Johannes von Rüden in einer Pressemitteilung an die Historie. Seine Kanzlei vertritt nach eigenen Angaben deutschlandweit rund zehntausend Mandanten im Bereich des Abgasskandals.

Eingeräumt hat die Volkswagen AG im Zuge der Prozesse, dass in EA288-Fahrzeugen standardmäßig Abschalteinrichtungen in Form von Thermofenstern verbaut wurden (Landgericht Wuppertal). Im Bereich dieser Thermofenster wird die Abgasrückführung reduziert und in der Folge die Emissionswerte deutlich überschritten. Diese Thermofenster sind grundsätzlich legal. Ob dies allerdings zutrifft, wenn die volle Abgasreinigung dann aber nur noch im Bereich von 15 bis 33 Grad Celsius funktioniert wie beim Vorgängermotor EA 189, ist allerdings strittig.

Bereits im September hatten die Wolfsburger einen Medienbericht in Bezug auf den Motortyp EA 288 zurückgewiesen. Der EA 288 mit der Abgasnorm Euro-6 ist ein Nachfolger des ursprünglichen Skandalmotors EA 189 von VW, bei dem eine sogenannte Zykluserkennung für Abgas- und Verbrauchstests auf dem Prüfstand enthalten war.

Der NDR hatte über volkswagen-interne Unterlagen vom 18.11.2015 aus der Abteilung Technische Entwicklung berichtet. Unter der Überschrift „Freigabevorgaben EA 288“ ist unter anderem von einer „teilweisen Umschaltung in der Software“ der Motorsteuerung die Rede.

Laut VW war der Motor EA 288 allerdings bereits 2015 untersucht worden, im September 2019 bekräftigte VW: „Kein Fahrzeug mit dem Dieselmotor EA 288 nach dem heute gültigen Abgasstandard EU6 enthält eine Zykluserkennung.“ Auch das Bundesverkehrsministerium hatte das bestätigt: „Unzulässige Abschalteinrichtungen konnten nicht festgestellt werden – auch nicht in Gestalt einer unzulässigen Zykluserkennung.“

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