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Streit zwischen PSA und Partnern eskaliert

Autor: Christoph Baeuchle

Das Jahr wird schwierig. Das weiß auch Peugeot Deutschland. Bei der Löwenmarke rechnet man mit einem um sieben Prozent rückläufigen Gesamtmarkt. Zugleich steigen die Volumenziele der Händler um 18 Prozent. Die Partner sind sauer und laufen Sturm.

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(Foto: Peugeot)

In den vergangenen Monaten hat die Spannung zwischen Peugeot Deutschland und seinen Händlern stetig zugenommen. Mit immer weiteren Forderungen hat der Importeur die Situation verschärft. Nun eskaliert sie: Nach der Einführung von CO2- und Elektrozielen setzt Peugeot Deutschland die Volumenziele aus Sicht der Händler unerreichbar hoch.

Für die Partner ist es quasi ausgeschlossen, die Gesamtbonifizierung zu erreichen. Da viele Mechanismen miteinander korrelieren, müssen die Händler mit umfangreichen Abstrichen rechnen, wenn sie nur ein Teilziel nicht erreichen.

Laut einem Schreiben des Verbandes der deutschen Peugeot-Partner, das »kfz-betrieb« vorliegt, will die Marke um 18 Prozent wachsen. Dabei geht sie von einem rückläufigen Gesamtmarkt von 7 Prozent aus. Der Händlerverband empfiehlt nun seinen Mitgliedern, hinsichtlich der Jahresziele und der Netzentlohnungssysteme „einen Vorbehalt der Rechtmäßigkeit auszusprechen“.

Peugeot Deutschland bestätigte unterdessen die Wachstumsziele gegenüber »kfz-betrieb«. „Mit unserem umfangreichen Produktangebot sind wir hier zuversichtlich“, so Peugeot-Deutschland-Chef Haico van der Luyt in einer schriftlichen Stellungnahme. Peugeot biete als einer der ersten Volumenhersteller ein sehr junges und modernes Vollsortiment vom Pkw bis zum leichten Nutzfahrzeug; alle Modelle stehen als Verbrenner sowie mit einem elektrifizierten Antrieb zur Verfügung.

Der Händlerverband bestätigte die Rundschreiben und deren Inhalte, wollte sich jedoch auf Anfrage von »kfz-betrieb« nicht weiter dazu äußern. Geschäftsführer Herbert Kirst appellierte jedoch an Peugeot Deutschland: „In dieser schwierigen Situation gilt es, die Händler und Vermittler zu animieren und zu unterstützen statt über Zwangsvorgaben Unruhe zu stiften.“ Hilfreicher als Verpflichtungen seien Anreize.

„Was hier abgeht, ist psychisch so krank, wie ich es in meinen 35 Jahren noch nie erlebt habe“, so ein Geschäftsführer eines großen Mehrmarkenbetriebs. Er sei froh, dass sein Arbeitsleben bald endet.

Die quasi unerreichbaren Jahresziele gehen laut den Händlern mit Monatszielen einher. Bis zum dritten eines Monats erhalten die Händler die Vorgaben für die nächsten 30 Tage. Sollte der Markt sich besser als erwartet entwickeln, würden die nächsten Monatsziele höher angesetzt. Am Ende könnte also die Summe der individuellen Jahresziele die bislang geplanten 18 Prozent Steigerung des Gesamtvolumens noch übertreffen .

Damit einher gehen die CO2- und Elektroziele der Händler: Ende vergangenen Jahres war aus Händlerkreisen zu hören, dass Peugeot von seinen Partnern einen Absatz von sieben Prozent elektrifizierter Fahrzeuge – drei Prozent reine Elektroautos und vier Prozent Hybride – erwartet. Bei den entsprechenden CO2-Zielen müssen die Händler rechnen.

Doch zu planen, ist schwierig. Denn das PSA-Bestellsystem funktioniert nicht richtig. „Mal bekomme ich 40 Fahrzeuge drei Monate zu früh auf den Hof gestellt“, beklagt sich ein PSA-Händler mit mehreren Standorten. Mal muss er sich gedulden: „Dann bekomme ich zwar die Rechnungen, muss aber auf die Fahrzeuge weitere acht Wochen warten, weil sie in Bremerhaven festhängen.“

Damit nicht genug. Nun hat Peugeot auch noch die Vorgaben bei der Kundenzufriedenheit verschärft. In den nächsten Monaten soll die Weiterempfehlungsquote von derzeit 70 auf dann 75 Prozent steigen.

Wer die Gesamtbonifizierung bei der Kundenzufriedenheit erreichen will, braucht eine Weiterempfehlungsquote von 95 Prozent. „Nordkoreanische Verhältnisse“, so ein Händler. Das sei ohne Tricks, Geschenke und Versprechungen gar nicht zu schaffen.

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